Zum drittenmal erwacht sie. Verhaltenes Schluchzen, eine ganz ruhige Stimme umgeben sie. Weiche Kissen fallen auf ihre Glieder, und wohltuende Wärme steigt auf. Sie vernimmt die Stimme der Mutter und ihr Weinen.
Sie will rufen, aber sie hat keinen Ton in der Kehle, sie will sich aufrichten, aber sie ist gebannt wie in spukhaften Träumen, da Verfolgung und Angst lähmend den Körper hemmen.
»Es ist eine einfache Operation, gnädige Frau«, hört sie wieder erschreckend laut. Noch einmal versucht sie, sich zu stemmen, den Schleier über ihrem Bewußtsein zu zerreißen. Aufzuspringen —
Stöhnen der Mutter und jetzt tonlos, leise der Vater: »Sie sind sicher, daß der Schrecken es unterbrochen hat und daß eine Operation nötig ist?«
Sie hat jedes Wort verstanden, sie erfaßt den Sinn und liegt dennoch ausgestreckt, hilflos; hat keinen Ton, keine Bewegung. Sie wartet auf die Fortsetzung des Gespräches. War nicht eine Frage gestellt? Doch es folgt keine Antwort.
Dröhnend kehrt abermals kurzes Bewußtsein zurück.
»Noch heute. Ich habe den Krankenwagen schon bestellt.« Wieder der ruhige laute Klang inmitten des Brausens in ihren Ohren.
»Sie hat die Augen geöffnet«, sagt eine vertraute Stimme.
»Mutter —« Sie sieht sekundenlang das schmerzverzerrte, besorgte Gesicht der Mutter; groß, blaß, mit wirren Haaren Da fühlt sie ihren Körper hart in die Kissen fallen, und alles ist ausgelöscht.
Dann rollen Räder, ein Motor singt, rhythmisch surrend.