Felix Friemann fällt ihr auch wieder ein. Sie blickt sich um. Da sieht sie ihn weit drüben an der anderen Seite des Hafenbeckens in das Verwaltungsgebäude laufen.

Hat er so viel Besinnung behalten, daß er nach einem Arzt telephoniert? Immer wieder blickt sie auf das Haus, während sie den Männern folgt, die Adelheid tragen.

Plötzlich reißt sie die Arme hoch, schreit:

»Da — da —«

Der Kapitän, die Männer schrecken auf, sie folgen Schwester Emmis Blick bis oben zum Turm des Verwaltungsgebäudes. Dort, im zehnten Stockwerk, auf der Balustrade steht eine hohe schmale Gestalt, jetzt hängt sie in der Luft —, und sie schließen alle die Augen, um nichts mehr zu sehen. — — —

Das Fieber

Adelheid vernimmt die besorgt fragende Stimme der Fürsorgeschwester. Aus weiter Ferne treffen sie gedämpfte Laute: Wasserrauschen, Stuhlrücken, die leisen Anordnungen des Kapitäns; Fragen, deren Sinn sie nicht erfaßt.

Jemand sagt: »Aber sie hat doch die Augen geöffnet.« Da läßt sie die Lider sinken, wie man im Halbschlaf zu neuer Ruhe sich bereitet, wenn Stille und Finsternis der Nacht in das Unterbewußtsein drangen.

Das Surren eines Motors, Stimmengewirr, Wagenrollen wecken sie wiederum, sie fühlt harte Polster unter ihrem Rücken und wird doch wie auf Wellen sanft bewegt. Heftiges Knattern, das vertraute Läuten einer Straßenbahn lassen sie aufschrecken. Sie schnellt hoch und findet sich sitzend im Auto, gegenüber dem Kapitän, der sie mit ausgestreckten Armen hält und auf die Polster zurücklegt. Schwester Emmis Stimme ist ganz nahe an ihrem Ohr. Dann verschwindet wiederum alles in der Stille der Ohnmacht.