Ich habe keinen Augenblick Zeit und bin für niemand mehr zu sprechen!« sagt Joachim Becker abwehrend, noch ehe er ein Wort gehört hat.

»Es ist die Frau Gemahlin«, stammelt der Mann an der Tür verwirrt.

Das macht auf den jungen Direktor Becker durchaus keinen Eindruck. Er sagt nur in gedämpfterem Tone: »Dann lasse ich bitten,« und wühlt in seinen Papieren, so daß er verhindert ist, seiner Frau entgegenzugehen. Sie bleibt mit erwartungsvollem Lächeln im Hintergrund stehen.

»Du hast es sehr gut gemeint,« sagt er nachsichtig, wie er die Spannung in ihrem jungen blassen Gesicht sieht, »doch du solltest wissen, was dieser Tag für mich bedeutet, und daß ich keine Zeit habe, mich dir zu widmen.«

›Weil ich das weiß, bin ich hierhergekommen, denn gerade heute müßte mein Platz an deiner Seite sein‹, hätte sie darauf erwidern sollen. Aber Adelheid ist nicht der Mensch, der aussprechen kann, was er denkt. Zu ihrem Unglück jedoch sagen ihre runden braunen Augen alles, was ihr Mann nicht hören will.

»Ich habe mit Herrn Gregor noch auf dem Wege Wichtiges zu besprechen und muß dort die offiziellen Empfänge leiten. Ich will deinen Vater fragen, ob du dich ihm anschließen kannst.«

Er ruft den Kommerzienrat an und sagt, ohne seinen Namen zu nennen: »Adelheid ist in meinem Zimmer.« Da wird er schon unterbrochen und schweigt, denn sein Schwiegervater ist der einzige Mensch, der ihm das Wort abschneiden darf.

Wenige Augenblicke später wird die Verbindungstür zum Nebenzimmer, dem kleinen Konferenzraum, aufgerissen, und die runde Gestalt des Kommerzienrats kugelt herein.

Sein breites bartloses Gesicht mit der vom Haarausfall erhöhten Stirn leuchtet in der angenehmen Überraschung, die nur seine Familie ihm bereiten kann.