»Das ist mir eine Freude, Adelheid, dich hier zu sehen!« Er schließt sie in seine Arme, und die junge Frau liegt ohne Rücksicht auf ihren Hut, der sehr verbogen wird, einen Augenblick ganz still.

Joachim Becker schreitet nervös sein Zimmer ab. Er hat im Gang das verhaltene Vibrieren eines Rennpferdes. Aber dem strengen Gesicht mit der hohen Stirnwölbung über den grauen Augen ist keine Regung zu entnehmen.

Wie er nun stehenbleibt und mit den nervösen langen Fingern über seine aschblonde Haarmähne streicht, während das schmale gespaltene Kinn sich wie zum Sprechen bewegt, scheint er seinem Schwiegervater fremd und bedrückend im auffallenden Gegensatz zu ihm und seiner Tochter.

Der Kommerzienrat rückt Adelheid den Hut zurecht und zupft an ihrem seidenen Mantel.

»Schön hast du dich gemacht, da wird die Mama ihre Freude an dir haben. Ist das der Mantel, den ihr gestern gekauft habt?«

»Ja,« sagt sie glücklich, »daß du dich dafür interessierst!«

»Das wäre ja noch schöner. Mir haben die Kleider der Mama immer Freude gemacht.« Bei diesen Worten kann Kommerzienrat Friemann einen kleinen Seitenblick zum Schwiegersohn nicht vermeiden. Aber herzlich fügt er hinzu: »Der Hut steht dir übrigens auch ausgezeichnet.«

Jetzt hat die junge Frau den Mut, ihren Mann mit einem Lächeln anzublicken. Zu ihrem Unglück erscheint Herr Gregor in der Tür. Er will sofort wieder verschwinden, da er die Familienszene sieht, Joachim Becker hält ihn mit lautem Zuruf zurück, so daß der Kommerzienrat sich kurz verabschiedet und seine Tochter zum Wagen begleitet.

Sie fahren zu jenem freien Platz abseits der Stadt, wo zwischen alten Bäumen und abgerissenen Mauern der Fluß und zwei Kanäle fast zusammenstoßen. Eine Gruppe von Männern und Frauen ist an diesem milden Frühlingstage hierher geladen worden, um sich einige Reden anzuhören.

Zuerst spricht der Oberbürgermeister persönlich zur Ehre des Tages.