Es sei die wichtigste Aufgabe der Städte, führt er unter anderem aus, für den Ausbau der Wasserwege zu sorgen. Die Bedeutung der Binnenschiffahrt sei von den großen Städten im Lande noch nicht richtig eingeschätzt, doch diese Stadt, die er zu vertreten die Ehre habe, wisse, was nun zu tun sei. Wenn das Stadtparlament beschlossen habe, den Ausbau und die Verwaltung ihres Hafens einem Konsortium zu überlassen, so sei dies vom wirtschaftlichen Standpunkt notwendig geworden. Die Privatwirtschaft könne mit freieren Händen arbeiten als die Bureaukratie.

Hier wird unter den geladenen Gästen und einem Teil der Presse eine kleine katarrhalische Verstimmung fühlbar, aber das Oberhaupt der Stadt fährt mit erhobener Stimme fort:

»Die Verpachtung unserer Ladestraßen an das von Herrn Kommerzienrat Friemann geführte Konsortium unter Beteiligung der Stadt wird uns zu einem Hafen verhelfen, den wir uns mit kommunalen Mitteln nicht leisten können. Im Interesse unserer Bürgerschaft und in der Erkenntnis, daß der Riesenbedarf unserer Stadt durch das zwar weitverzweigte, doch für die fernere Zukunft unzulängliche Eisenbahnnetz nicht zu bewältigen sei, ist dem Angebot mit großer Majorität zugestimmt worden. Noch haben wir keinen Hafen, noch sind wir eingeengt durch Schleusen und schmale Kanäle, aber diese Schranken werden fallen, — die Leistungen der technisch-wissenschaftlichen Wasserwirtschaft im Verein mit kaufmännischem Fernblick und Unternehmungsgeist werden unsere Stadt in kurzem zu einem der bedeutendsten Binnenhafenplätze des Kontinents erheben.«

Lebhafter Beifall stimmt diesen Schlußworten zu.

Justizrat Bernhard, der Syndikus der Stadt, nimmt seinen Neffen, Rechtsanwalt Bernhard jr., zur Seite und meint: »Es ist allerhand Vorsicht außer acht gelassen — vom juristischen Standpunkt allerhand Vorsicht! Man mußte hier vor der Presse nochmals betonen, daß es sich nur um eine Pacht für neunzig Jahre handelt. Man durfte den Kommerzienrat Friemann nicht allein erwähnen. Er vertritt die Majorität — gut! Aber ›er‹ — das ist der Handel, sagen wir getrost, der Getreidehandel. Was meinen nun die Banken dazu? Sie haben ebenso gutes Geld gegeben, ja, sie werden für die Kredite sorgen, — die Banken durften nicht ausgeschaltet werden. Und die Industrie, die Eisenindustrie, die sich nach schweren Kämpfen auch beteiligt hat? Die Reedereien — ich meine die Flußschiffahrt, denn die anderen haben sie nicht bekommen — wo bleiben diese Interessen? Siehst du, mein Junge, das sind die taktischen Fehler, die bei uns immer wieder gemacht werden. Man hätte mir die Rede vorlegen sollen, der Jurist muß sie vorher bearbeiten —«

»Ja, gewiß, aber wollen wir nicht die anderen Reden hören?«

»Die wirst du heute abend in der Zeitung lesen. Wir wollen uns ein wenig umsehen, ehe die offizielle Führung beginnt.«

Und der Justizrat zieht seinen Neffen mit dem Recht des Protektors, der dem Anfänger mit seinen Beziehungen die Wege ebnet, zum Kanal hinüber.

Einige Schleppkähne, die zur Feier des Tages bewimpelt sind, liegen an der Kaimauer und strecken ihren berußten langen Leib den milden Mittagsstrahlen hin. Vor den Kajüten haben die Frauen ihre Blumentöpfe zum Luftholen ausgesetzt.

Ein Säugling, auf einem hellen Tuch über den Planken ausgestreckt, kräht einem Pudel entgegen; die Frau eines Schiffseigners sitzt kartoffelschälend vor der Tür.