Als nachmittags um fünf Uhr Frau Generaldirektor Adelheid Becker mit Rechtsanwalt Bernhard im Hafen vorfährt, wird sie bereits im neuen Privatkontor des Hafendirektors empfangen. Ja, das ist schnelle Arbeit!

Frau Adelheid kann sich gar nicht fassen, so erstaunt ist sie über die vielen Fortschritte im Hafen. Sie hat ihn seit der Geburt ihrer Tochter nicht gesehen.

»So, ein Töchterchen?« fragt der Kapitän, mit einem Blick auf ihr kindliches rundes Gesicht.

Sie errötet. »Ja,« sagt sie, »ich bin sehr glücklich darüber. Aber mein Mann wollte eigentlich einen Sohn.«

»Es ist ein reizendes Kind«, meint Rechtsanwalt Bernhard. »Es hat ganz und gar die Augen der Mutter.«

»Das sind die Friemannschen Augen,« sagt Frau Adelheid, »sie sehen bei dem Kinde so traurig aus. Aber das verliert sich wohl.«

Rechtsanwalt Bernhard findet, daß Frau Adelheids Augen auch nicht lustiger sind, ja sie dünken ihn sogar sehr traurig, und es wird immer schlimmer damit. Als er die junge Frau abholte, waren die Lider verdächtig gerötet, und Rechtsanwalt Bernhard gäbe viel darum, wenn er das strahlende Lächeln der Adelheid Friemann aus der Tanzstundenzeit nur ein einziges Mal wiedersehen könnte.

»Wissen Sie noch,« fragt er, um sie abzulenken, »als wir zum ersten Spatenstich hier waren?«

»Ach ja«, ruft sie begeistert aus. »Das war hier alles ebene Erde mit ein paar Bäumen. Und — ach, was meinen Sie wohl, Herr Doktor, wo mag das gewesen sein — der Platz mit den Linden und den langen Tafeln, wo wir nach der Feier gefrühstückt haben?«

Ihr Gesicht ist selig verklärt, während sie zum Fenster hinausspäht und den Platz sucht, zu dem ihr Mann sie damals geführt hatte, als sie sich so glücklich geborgen fühlte, nachdem sie vorher wie ein verirrtes Kind war.