»Ja, erst hatte er sich zwar allzusehr für die schönen Künste interessiert, wie das so in diesem Alter üblich ist, aber schließlich wandte er sich doch einer gesünderen Kunst zu.«

Der Kommerzienrat lacht, und der Kapitän stimmt höflich ein.

»Heutzutage werden die jungen Leute mit den tiefgründigen Kunstgesprächen geradezu aufgepäppelt, dafür haben sie es aber auch schneller überwunden«, fügt der Kommerzienrat hinzu.

»Ja, das mag sein«, meint der Kapitän, er macht nicht den Eindruck, als ob er in solchen Fragen kompetent sei.

Schließlich fährt der Kommerzienrat mit seiner Tochter nach Hause, und Rechtsanwalt Bernhard, der dem Wagen lange nachblickt, kann nun dem Kapitän über die juristischen Angelegenheiten berichten.

Pünktlich um sieben Uhr findet sich Schwester Emmi im Bureau des Kapitäns ein.

»Also, bitte, setzen Sie sich, Fräulein — wie war doch Ihr Name?«

»Schwester Emmi.«

»Also — Schwester Emmi — und erzählen Sie mir von Ihren Arbeiten. Wo sind Sie ausgebildet worden?«

Schwester Emmi wird ganz zaghaft. Mein Gott, wann soll sie beginnen? Bei ihrer Geburt? Wo sie ausgebildet wurde? Sie ist doch eigentlich Säuglingsschwester. Aber das wird sie ihm nicht sagen. Sie wird seine Frage einfach überhören. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht gern. Von ihren Arbeiten im Hafen jedoch will sie erzählen. Natürlich wird sie an einer ganz falschen Stelle anfangen, sie weiß es genau. Doch da sie etwas sagen muß, so redet sie darauf los, kunterbunt durcheinander. Sie zählt alles auf, was sie bisher getan hat; dabei merkt sie erst, daß es, so einfach summiert, gar nicht bedeutend wirkt. Im Gegenteil, es ist sogar sehr wenig. Sie versucht, die gequetschten Finger und verstauchten Füße zu zählen, die herausgezogenen Holz- und Eisensplitter werden nicht vergessen, und die verwundete Hand des Maurers Johannes rechnet sie als fünf kranke Finger. Aber dann ist sie am Ende, und sie hat das Gefühl, daß nun alles verloren sei. In Gottes Namen! Und wenn sie wieder zurückgehen muß zu den egoistisch-glücklichen jungen Müttern und den hungrigen Ehemännern, so soll es ihr auch gleich sein. Diese Qual hält sie nicht länger aus.