Die vom Kommerzienrat vorgeschlagene Nordlandreise findet auch den Beifall der Frauen, aber die Mutter des tüchtigen Kandidaten will deswegen nicht auf eine kleine Festlichkeit verzichten, ganz im engsten Kreise der Familie. Weil die allernächste Verwandtschaft recht ausgedehnt ist, kommt man immerhin auf dreißig Personen.
Wann aber durfte man den Jungen zu Haus erwarten? Natürlich sollte er den Feiern seiner Studienkollegen nicht entzogen werden, doch konnte er nicht Nachricht geben, dieser unverbesserliche Schlingel, dieser Tausendkerl und Hallodri? Der Kommerzienrat findet immer mehr freundliche Schimpfnamen für seinen ungeratenen Sohn.
Währenddessen hebt draußen im Park der Villa ein großer Spektakel an. Die Kommerzienrätin müßte nicht die Mutter ihres Sohnes sein, wenn sie diese Stimme nicht erkennen sollte. Mit einem Aufschrei stürzt sie zur Tür, sie rennt so schnell die Treppen hinab, als es ihre geschwollenen Beine gestatten.
Rasch ist die ganze Familie im Vestibül. Hier steht ein baumlanger Kerl und sagt begütigend: »Aber, aber, meine Herrschaften!« Dabei kollern ihm die Tränen über die weichen Backen, und er muß sich dauernd bücken, um jemand zu umarmen. Das ist der junge Dr. Felix Friemann.
»F. F.« fügt er gern nach der Vorstellung seinem Namen hinzu, denn er ist, wie sein Vater, ein Freund von Witzen. Die Studiengenossen nannten ihn die »Gaslaterne«. Sein weißes kugelrundes Gesicht mit den Friemannschen Augen hinter den blitzenden Brillengläsern, meinten sie, sei die Milchglaskugel, die lange dünne Figur der Laternenpfahl. Die Jugend ist grausam und spottet gern über die Kuriositäten der Mutter Natur.
Wer jedoch damit Felix Friemann ärgern will, kommt nicht an den rechten Mann! Er lacht wie über einen guten Witz und sagt in seiner überhasteten Sprache: »Gewiß, ich will mich bessern, gewiß.«
Er hat die Eigenart, daß er in der Eile des Sprechens einige Silben verschluckt. Weil er aber seinen Zuhörern diese schlechte Verständigung nicht zumuten will, hat er sich daran gewöhnt, ein paar Worte, die vielleicht verlorengegangen sein könnten, nachträglich zu wiederholen.
Wer Geduld mit ihm hat oder ihn gar liebt, findet sich in dem Kauderwelsch ganz gut zurecht. Doch es ist merkwürdig: vor solchen Naturen befleißigt er sich einer ganz ausgezeichneten und normalen Sprechweise.
Und die drei glücklichen Menschen, die ihn nun mit Begeisterung und Rührung begrüßen, brauchen sich weder über Wortverluste noch über Wiederholungen zu beklagen.
Der junge Doktor ist mit allem einverstanden, mit dem Familienfest und mit der Nordlandreise. Wann hätte er die Vorschläge seines prächtigen Vaters nicht großartig gefunden?