„Aber Onkel Heinz!“
„Was willst du denn überhaupt für eine Künstlerin werden? Willst du etwa Mummenschanz treiben? Hm?“ Er sagte das sehr geringschätzig, denn unter dem ‚Mummenschanztreiben‘ verstand er, ob sie vielleicht zur Bühne gehen wolle. „Da bist du denn doch wahrhaftig zu gut dazu, Kröte, da gehörst du nicht hin, das geben die Eltern überhaupt nicht zu und ich auch nicht, daraus wird nichts!“
Er hatte sich ordentlich ereifert bei diesen Worten, denn daß Ruth vielleicht eine solche Absicht haben könnte, war ihm ein furchtbarer Gedanke. „Ja, ja, wenn das alles so wäre, wie es sein sollte,“ setzte er wie im Selbstgespräche fort, „aber das ist es eben nicht, der bunte Flitterkram, das ist die Hauptsache, und die Kunst ist Nebensache. Kunst, Kunst! Davon haben ja die wenigsten Menschen überhaupt einen Begriff!“
Erregt schritt er auf und ab, Ruth folgte ihm und hatte schon ein paarmal versucht, ihn zu unterbrechen, ohne daß es ihr gelungen wäre. Jetzt hielt sie ihn am Arme fest.
„Onkel Heinz, das alles weiß ich ja noch nicht, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Vorläufig möchte ich nur lernen, mich meinen Gesangsstudien ganz hingeben können, an nichts andres zu denken brauchen. Siehst du, was ich jetzt lerne in den Stunden, für den Hausgebrauch, wie es heißt, das macht mir wenig Spaß, das befriedigt mich nicht, weil ich fühle, daß es nur oberflächlich und nicht das Richtige ist.“
„Das ist ja ganz vernünftig gedacht; na, und deine Stimme ist nicht übel, das ist wahr,“ sagte er einlenkend.
Diese Worte nahm sie schon für eine Zusage und fragte nun freudig und zuversichtlich:
„Nicht wahr, du sprichst mit den Eltern?“
„Halt, Halt – man sachte, soweit sind wir noch lange nicht,“ sagte er abwehrend.
„Einziger, süßer Onkel, tue es doch!“ bat sie und hing sich an seinen Arm. Er entgegnete nichts, drehte aber seine Bartspitze mit großer Geschwindigkeit.