Kleinlaut flüsterte er: „Sieben.“
Jetzt ließ sie die Hand mit dem Strumpf in den Schoß fallen und sah ihn an.
„Siehst du, das kommt davon, wenn man bis in die sinkende Nacht fortbleibt und nicht an das Arbeiten denkt.“
„Es war so schön bei Tante Ilse,“ warf Fritz ein.
„Und da konntest du dich nicht trennen, wie gewöhn[pg 21]lich,“ unterbrach ihn die Mutter mit vielsagendem Blick. „Aber erst kommt die Pflicht, dann das Vergnügen,“ fuhr sie fort; „es ist schrecklich, daß du so leichtsinnig bist, immer diese vielen Fehler!“
Fritz sah bei dieser Strafrede ganz betrübt vor sich nieder und dachte darüber nach, ob es denn wirklich so schlimm sei, lieber in der herrlichen Frühlingsluft draußen zu spielen, als über den langweiligen Büchern zu sitzen.
„Nun trage nur deine Sachen fort und setze dich an den Tisch, wir trinken gleich Kaffee.“
Fritz gehorchte. In der Türe begegnete ihm ein kleines Mädchen von acht Jahren, seine Schwester. Ihre Ähnlichkeit mit der Mutter war unverkennbar, vielleicht war sie auch deshalb deren Liebling.
„Guten Tag, Mama,“ sagte sie und umarmte diese so steif und abgemessen, als wären auch Liebkosungen eine Pflicht, als hätte ihr Rosi gesagt, ein Kind umarmt seine Mutter, weil sich das so gehört. Aber dennoch war die Begrüßung mit der Tochter eine weit wärmere, als mit Fritz. Rosi strich ihr über den glatten, blonden Scheitel und band eine Schleife fest, die sich an einem der kurzen Zöpfchen gelockert hatte.
„Bist du auch schon da, Elisabeth?“ fragte sie zärtlich; „zeige mal, wie viel hast du denn in der Handarbeitsstunde gestrickt?“