Der Abend war nun ganz hereingebrochen, die Luft kühl geworden, und dem frühlingsjungen Waldboden entströmte ein feuchter Erdgeruch. An der Seite rauschte jetzt behende ein Wasser neben ihnen her, einschläfernd durch seine eintönige Melodie, die sich anhörte, als sänge es der zur Ruhe gehenden Natur ein Schlummerlied.
„Es wird feucht,“ sagte Althoff und zog seinen Rockkragen in die Höhe.
„O, du frierst doch nicht?“ fragte Nellie ängstlich und nahm ihr Tuch von den Schultern, um es ihm umzulegen. Er wehrte ab, nicht gerade in der liebenswürdigsten Weise.
„Es geht dir doch gut, Fred?“ fragte sie wieder nach einer Weile, und diesmal antwortete er liebevoller.
„Ja, ja, Kind, nur etwas einseitige Kopfschmerzen, wie gewöhnlich.“
„Soll ich dir ein Antipyrinpulver geben? Ich habe welches mitgenommen!“ fragte Nellie eifrig.
„Um Gottes willen, nehmen Sie doch nicht solches Zeugs,“ rief da Onkel Heinz’ Stimme. „Sie vergiften sich ja nur damit.“
„O, es hilft Fred aber so gut,“ meinte Nellie.
„Ja, dann nehmen Sie Ihr Gift nur,“ erwiderte Onkel Heinz mit Achselzucken, „aber hier, trinken Sie wenigstens einen Kognak als Gegengift.“
Er reichte ihm seine Flasche hin. Gegen jede Medizin hatte er etwas einzuwenden, und wenn die Gontrauschen Kinder mal krank waren, lag er mit Ilse stets im Kampfe, denn sie tat, was der Arzt anordnete, statt seinen Ratschlägen zu folgen, und wenn er auf die „dummen Kerle“, die Ärzte, schalt, machte sie ihn mit seinen Mitteln und Mittelchen lächerlich.