„Nun ist’s genug,“ sagte sie; „kommen Sie, lieber Professor, wir gehen in mein Zimmer.“

„Nein, Onkel Heinz, bleibe bei uns, bleibe bei uns!“ rief es von allen Seiten, und wie die Kletten hingen sich die Kleinen an ihn, zupften an seinem Barte, umklammerten seine Arme und hielten ihn daran fest, daß er nicht von der Stelle konnte.

Ruth war die Tollste, sie ruhte nicht eher, bis er am Boden lag. Im Nu warfen sich die Kinder über ihn her, ihn zwickend und kneifend. Das war ein Schreien, sie hatten alle hochrote Backen, und der arme Onkel konnte vor Lachen nicht dazu kommen, sie abzuwehren, bis er schließlich doch Gewalt gebrauchen mußte, und ein Machtwort von Frau Ilse ihn von der wilden Horde befreite. Selbst Marianne, die zarte, sanfte Kleine, wurde von der Ausgelassenheit mit angesteckt, ihr und den übrigen hingen die Haare wirr um den Kopf, und aus den lebensprühenden Kindergesichtern leuchtete die helle Freude über den gut gelungenen Spektakel.

„Ihr seid eine Gesellschaft,“ sagte Ilse kopfschüttelnd, aber solche Szenen waren ihr nichts Ungewohntes, wenn Onkel Heinz auf der Bildfläche erschien.

„O, wie haben die Kinder Sie zerzaust,“ meinte Nellie, als sie den Professor ansah.

„Ja, ja, Prügel müssen sie haben,“ rief er ihnen mit scheinbar bösem Gesichte zu, doch sie merkten, wie es [pg 4]gemeint war, sie sahen ja seine lustig zwinkernden Augen und wußten genau, so schaute er nicht aus, wenn er ernstlich böse war.

Und nun zog er sich seine Manschetten zurecht, die ihm bis auf die Hände gerutscht waren, rückte an seiner Brille und fuhr mit der Hand über sein kurzgeschorenes Haar, als wollte er fühlen, ob diese Stoppeln bei dem Kampfe nicht auch in Unordnung geraten wären, aber sie standen nach wie vor gerade in die Höhe, tadellos in Reih und Glied.

„Mutter, dürfen wir nicht mit euch gehen, bitte, bitte?“ fragte Ruth, und die andern bettelten ebenfalls.

„Wir haben Onkel Heinz so lange nicht gesehen,“ quälte sie, als die Mutter keine Miene machte, ihre Bitte zu erfüllen.

„Da lassen Sie man die Kröten mitkommen,“ legte er sich nun auch ins Mittel, denn er konnte nicht gut sehen, daß seinem Patenkinde und Liebling Ruth etwas abgeschlagen wurde.