„Sie waren recht krank, lieber Professor?“ fragte sie nach einer Weile in ihrem sanftesten Tone.

„Ja, na diesmal bin ich noch mit dem Leben davongekommen!“

„Sie hatten ein schweres gastrisches Fieber?“ fuhr Ilse fort.

„So nannten es die Ärzte wenigstens. Warte du Strick,“ wandte er sich dann sofort wieder an Ruth, die ihm den Maikäfer in den Bart gesetzt hatte.

Diese Unterbrechung der von Ilse aufs neue begonnenen Unterhaltung schien ihm sehr angenehm zu sein – fürchtete er etwa eine Auseinandersetzung? Doch Frau Ilse wollte nun einmal sprechen, sie hatte ihn gekränkt und mußte ihn wieder versöhnen. Auf einmal kam er in seiner ganzen Lage ihr so verlassen vor, so trostlos traurig, daß sie nur der eine Wunsch beseelte, er möchte ihr verzeihen. Aber die Kinder mußten erst fort sein, er hätte bei ihnen sonst immer wieder eine Ablenkung gesucht und gefunden. Sie schickte sie deshalb auf den kleinen Balkon vor dem Fenster mit dem Befehle, sich dort ruhig und artig zu verhalten, bis sie gerufen würden.

Ruth wollte sich wie gewöhnlich widersetzen, wenn sie aus der Nähe ihres Onkel Heinz verbannt werden sollte, aber diesmal genügte ein Blick auf Ilse, um ihr zu zeigen, daß mit der Mutter jetzt nicht zu spaßen war; daher ging sie ganz still mit Marianne hinaus.

„Warum lassen Sie denn die Kinder nicht hier?“ fragte der Professor.

„Sie machen zuviel Spektakel, und Sie sind doch seit Ihrer Krankheit gewiß die größte Ruhe gewohnt. Aber nicht wahr, es geht Ihnen doch schon viel besser? Wenigstens sehen Sie recht gut aus.“

Onkel Heinz brummte etwas Unverständliches in den Bart, wobei er unverwandt durch das Glasfenster in der Türe auf den Balkon blickte, wo seine kleinen Freundinnen den Maikäfer nochmals einer genauen Besichtigung unterwarfen.

„Warum haben Sie uns denn gar nicht wissen lassen, daß Sie krank waren?“ fragte Ilse wieder.