„Ja, aber wieso denn?“

„Nun, bald nennen Sie mich einen alten eingefleischten Junggesellen, oder Sie sagen, ich sollte froh sein, daß ich nicht verheiratet wäre, denn ich würde eine Frau nur unglücklich machen, na – und ähnliche Redensarten mehr!“

„Aber, das ist doch alles nur Scherz!“

Ilse mußte beinahe lachen, als er so getreulich wiederholte, was sie oft zu ihm gesagt hatte, aber es war ihr bei diesem Gespräch doch zu ernsthaft zumute.

„Sie trauen mir wenig feines Gefühl zu, wenn Sie glauben, daß ich den Stachel in solchen Bemerkungen nicht empfinde, der oft recht, recht tief sitzt,“ erwiderte Onkel Heinz mit bewegter Stimme.

Es entstand abermals eine Pause, beide sahen nachdenklich vor sich hin. Nach einer Weile fuhr er fort:

„Sie sind glücklich, Frau Gontrau, Sie sind verwöhnt, zu verwöhnt, – denn offen gestanden behandelt Sie Gontrau nach meiner Meinung oft gar nicht richtig – Sie sind verheiratet, haben Kinder,“ fuhr er fort.

„Aber, bester Professor,“ unterbrach ihn Ilse, „dieses Glück könnten Sie doch auch haben, wenn Sie wollten! [pg 112]Ich denke immer, es läge Ihnen nichts daran und Sie hätten nur Interesse für Ihre Bücher.“

„Meinen Sie?“ fragte er langsam und gedehnt und sah ihr zum ersten Male voll in die Augen mit einem Ausdruck, vor welchem sie die ihrigen senken mußte.

„Halten Sie mich solcher Gefühle nicht für würdig oder nicht für fähig?“ fing er wieder an.