Sie überboten sich in verlockenden Aussichten, und wieder ragte der Professor als schwarzer Punkt aus ihrer hellen, duftigen Mitte hervor.

„Kröten, so laßt mich endlich in Ruhe, ihr seid ja außer Rand und Band!“ rief er, sie zurückdrängend.

Bei dem lebhaften Durcheinandersprechen hatte man ganz überhört, daß die Türe geöffnet wurde, bis Ilse plötzlich Herrn Jansen andächtig auf der Schwelle stehen sah. Ihn bannte dort das reizende Bild, das er erblickte, und mit neidischen Augen betrachtete er Onkel Heinz in dem blühenden Mädchenkranze.

Ilse ging ihm entgegen, und die kleinen Balldamen stoben nach allen Seiten auseinander, als die hohe Gestalt näher kam. In Mariannes Antlitz aber stieg eine heiße Blutwelle bei seiner herzlichen Begrüßung, doch bewundernd blieb sein Blick an Ruth hängen, deren Hand noch in des Professors Arm lag. Die schlanke, weiße Gestalt schien ihn ungemein zu fesseln, und er nahm ihre zum Gruße dargebotene Rechte mit großer Wärme entgegen.

„Du bist zu beneiden, Onkel,“ sagte er halblaut.

Jetzt kam auch Leo ins Zimmer, im feierlich schwarzen Anzuge, mit weißer Krawatte, und drängte zur Eile, die Wagen ständen bereits vor der Türe.

„Ja, nun macht nur,“ mahnte sogar Onkel Heinz, „Tänzer werdet ihr wohl nicht mehr bekommen.“

„Onkel, daß du nicht mitkommen willst, ist aber doch jammerschade; jetzt habe ich gar keine Lust mehr zu dem Balle,“ meinte Ruth.

„Na, daß du sagst, du habest zu solchem Unsinn keine Lust, ist wenigstens mal ein vernünftiges Wort,“ erwiderte der Professor. „Aber es geht nun doch nicht anders, du mußt mit, du armes Opferlamm.“

„Onkel Heinz,“ rief Ruth freudig, als hätte sie plötzlich einen guten Einfall bekommen, „weißt du was? Du bleibst hier, und ich bleibe bei dir, und wir beide verleben einen recht gemütlichen Abend zusammen. Ach, das wäre reizend!“