„Ich glaube, Ihre Frau zürnt mich über die kleine Spaß,“ sagte Nellie zu Doktor Gerber.

Er schüttelte mit mattem Lächeln den Kopf, denn er wollte der jungen Frau nicht recht geben, trotzdem er überzeugt war, daß Flora den harmlosen Scherz ernstlich übel genommen hatte. Seine müden Bewegungen fielen Nellie auf, er hatte sonst etwas Energisches und Kraftvolles in seinem Wesen.

„Fühlen Sie sich sehr unwohl?“ fragte sie ihn teilnahmsvoll.

„Ja,“ erwiderte er, „es geht mir heute nicht gut, ich weiß, daß ich Fieber habe, und fühle heftige Stiche in der [pg 164]Brust beim Atemholen. Aber wir wollen nicht mehr davon sprechen, es wird schon wieder besser werden. Ein Arzt darf ja überhaupt nicht krank sein, er überläßt das lieber seinen Patienten, selbst hat er keine Zeit dazu.“

Er sprach scherzend, aber die feinfühlende Nellie empfand, daß er sich heute zu einem heiteren Ton zwingen und sich sehr elend fühlen mußte.

„O wenn Ihnen nur der kalte Zugluft nicht schadet,“ sagte sie besorgt, „hier, bitte nehmen Sie dieser Tuch um Ihren Hals, bitte erlauben Sie mich.“

Er wollte ihr abwehren, aber sie hatte schon ein seidenes Tuch aus ihrer Tasche hervorgeholt und band es ihm eigenhändig um.

Fast gerührt blickte er sie an.

„Sie sind eine fürsorgliche kleine Frau, tausend Dank!“

Er ergriff ihre Hand und führte sie an seine Lippen. Nellie wurde rot und entzog ihm schnell ihre Hand.