„Wollen Sie die ganze Ferienzeit fort bleiben?“ entgegnete sie wider Willen betroffen.
„Die ganze Ferienzeit!“ wiederholte er mit einem freudigen Aufblitzen in seinen Augen.
„Wie schade,“ gestand sie offen, „dann sehe ich Sie also erst im neuen Jahre wieder. Das Fest wird gewiß für uns ein recht stilles sein, da Ilse fort ist und Sie auch fehlen. Ich werde die Ferienzeit benutzen, um fleißig mit Doktor Althoff zu arbeiten.“
Sie seufzte leise, wohl unbewußt.
„Werden Sie zaghaft, wenn Sie an ihren künftigen Beruf denken, Fräulein Orla?“
„Nein,“ erwiderte sie rasch, „ich habe mir meinen Beruf ja selbst gewählt, wie könnte ich da zaghaft sein? Halten Sie mich für so wankelmütig, Herr Doktor?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß, Sie sind anders wie die meisten ihres Geschlechts, und ich komme nur zu dieser Frage, weil Sie seufzten und ich annahm, dieser Seufzer gelte Ihrer Zukunft.“
„Ja, meiner Zukunft galt er allerdings, da haben Sie recht. Wenn ich auch nicht zittere und zage, so bin ich mir doch klar bewußt, daß ich keiner leichten Zeit entgegengehe. Was muß noch alles in meinen armen Kopf hinein! Und dann die Examina, – wenn ich daran denke, wird mir doch etwas bänglich zu Mute. Nicht wahr, die sind sehr schwer? Wenn meine Examinatoren nur nicht zu streng sind und etwas gnädig mit mir verfahren.“
„Ich wüßte einen Ort,“ warf er fast schüchtern ein, „wo Sie ein leichtes Examen bestehen könnten. Ich kenne den einen Examinator, wie mich selbst, und weiß, daß er Ihnen keine Frage stellen würde, die Sie nicht beantworten könnten.“
„Wie heißt dieser Ort?“ fragte sie ahnungslos und sah ihn voller Erwartung an.