Das Mittagsmahl verlief wenig gemütlich für die drei.

Ilse, durch Althoffs Schweigsamkeit eingeschüchtert, wagte kaum ein Wort zu sagen, nur Nellie war wie sonst, man sah ihr auch nicht den leisesten Unmut an.

Als der Tisch abgeräumt war, sollte wie gewöhnlich der Kaffee in Doktor Althoffs behaglichem Arbeitszimmer getrunken werden.

„Lieber Fred, der Kaffee ist fertig,“ sagte Nellie, „wollen wir nicht trinken?“

Er zog seine Uhr heraus.

„Nein, es ist schon viel zu spät,“ entgegnete er kurz. „Ich kann keinen Kaffee mehr trinken; es ist höchste Zeit, daß ich gehe. Adieu.“

Ohne Ilse die Hand zu reichen und Nellie den üblichen Abschiedskuß zu geben, ging er fort. Ilse sah, wie der jungen Frau eine heiße Blutwelle ins Gesicht stieg und ihre [pg 84]Augen sich mit Tränen füllten. Sie näherte sich ihr voller Mitleid und umschlang sie. Aber Nellie schob sie sanft zurück und eilte ihrem Gatten nach. Sie macht sich rein zu seiner Sklavin, dachte Ilse erbittert. Nun bittet sie ihn wohl gar noch um Verzeihung; ich begreife sie einfach nicht.

Nach kurzer Zeit kam Nellie zurück, und in ihrem vergnügten Gesicht sah man keine Spur von Erregtheit mehr. Sie nahm Ilse gegenüber Platz, welche am Fenster saß.

„Arme Ilse,“ sagte sie schelmisch, „du hast dir heute mittag gewiß recht gemopst mit uns langweilige Menschen; sei nicht böse.“

„Wie sollte ich böse sein, Nellie? Ich fasse nur nicht –“ hier stockte sie und sprach nicht weiter.