„Was fassest du nicht?“ fragte Nellie.

„Nun, ich fasse nicht,“ sagte Ilse, „wie du dir so viel gefallen lassen kannst von deinem Manne. Das ist mir rein unbegreiflich.“

„Du bist noch eine kleine unverständliche Person,“ gab Nellie zur Antwort. „Du wirst auch noch lernen zu schweigen, wenn dein Mann mal bös ist.“

„Das werde ich nie, niemals!“ beteuerte Ilse lebhaft.

„Du wirst,“ fiel ihr Nellie entschieden ins Wort. „Fred hat oft viel Ärger mit die Jungens in der Schule und wenn er nach Hause kommt, darf ihn sein kleine Frau nicht auch ärgern. Heute hat er so große Verdruß gehabt, das arme Mann. Du bist noch so jung, Kindchen, du verstehst noch nix von die Ehe, von das Benehmen der Frau gegen ihre Mann.“

Ilse lachte! „Das ist himmlisch! Du bist gerade zwei Jahre älter als ich und tust immer, als wenn du meine Großmutter wärst.“

„O, ich habe Erfahrung,“ rief Nellie, „und kenne die Welt mit die Menschen besser als du, Baby.“

„Ja, du bist meine einzige kluge Nellie,“ sagte Ilse, [pg 85]sie umschlingend. „Aber wenn dein Mann mal wieder böse gegen dich ist, bekommt er es mit mir zu tun.“

Nellie hatte sie durch ihre Worte zwar nicht bekehrt, und sie gab ihr nicht recht, denn sie wollte nicht die Sklavin ihres Mannes werden, aber im Grunde ihres Herzens bewunderte sie doch die Freundin und ihre Selbstbeherrschung.

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