Rosi hatte nach langem Wählen ihren Einkauf beendet und war sehr vergnügt darüber, denn sie hatte gefunden, was sie suchte, nämlich ein Paar angefangene Morgenschuhe und einen geschnitzten Pfeifenständer, der noch mit einer gestickten Borte verziert werden sollte. Sie fand die Morgenschuhe besonders schön und konnte nicht begreifen, daß Nellie und Ilse ihr rieten, doch ein andres Muster zu wählen. Ihr gefielen diese roten Rosen, welche sie mit schwarzer Wolle ausfüllen wollte, ganz besonders gut. Als sie aus dem Laden auf die Straße traten, sah sich Rosi suchend um.
„Wo sind denn die Herren geblieben? Ich sehe sie ja garnicht.“
„Vielleicht ist dein Mann auch in eine Laden und kauft schöne Weihnachtsdinge für dir,“ meinte Nellie, „wir wollen die Straße hinuntergehen und in die Ladens schauen.“
Sie gingen weiter; aber die beiden Herren waren nirgends zu entdecken.
„Ich begreife das nicht,“ sagte Rosi kopfschüttelnd, „Adolf wollte doch bestimmt auf mich warten.“
„Dein Mann wird sich ja auch schon finden,“ meinte Ilse, welche sich über Rosi ärgerte, da diese ihre gute Laune durch den kleinen Zwischenfall schon wieder ganz eingebüßt hatte.
Rosi überhörte diese Worte, denn ihre Aufmerksamkeit wurde durch etwas andres in Anspruch genommen. Sie sah erwartungsvoll auf Nellie, der soeben von einem Jungen ein Zettel übergeben worden war, welchen sie eifrig las.
„O, das ist fein,“ rief sie und reichte Rosi den Zettel. „Unsre Männer sind im Rathauskeller und Alfred schreibt, wir möchten sie dort abholen.“
„Was,“ brauste Rosi auf und knitterte den Zettel zusammen, „Adolf sitzt im Wirtshaus, heute am Sonntagmorgen!“
Weiter sagte sie nichts, wurde aber blutrot und ging mit schnellen Schritten vorwärts. Nellie und Ilse wechselten einige verständnisvolle Blicke, und aus Nellies Schelmenaugen leuchtete etwas wie heimliche Schadenfreude über die angeführte Rosi.