Abb. 19. Habanas Häuser und Höfe (Patios) von oben.
Chinesen, Amerikaner und Engländer.
Die chinesischen Kulis, deren Zahl sich zur Zeit etwa auf 50000 (gegen 3 Prozent der Gesamtbevölkerung) beläuft, haben den Zweck, zu dem sie seit 1847 eingeführt worden sind, im allgemeinen gut erfüllt und sich in den Zuckerrohrpflanzungen und Zuckerfabriken als geschickte und fleißige Arbeiter bewiesen, so daß das Fortblühen des wichtigsten cubanischen Wirtschaftszweiges ihnen in sehr bemerkenswertem Maße mit zu verdanken ist. Reichtümer haben sie aber unter den obwaltenden Verhältnissen als Plantagenarbeiter ebensowenig gesammelt als in anderen Geschäftsbetrieben, denen sie sich nach Ablauf ihres Kontraktes etwa zuwandten — als Handwerker, Gemüsegärtner, Straßenverkäufer ([Abb. 24]) u. s. w. —, und zu dem cubanischen Proletariate stellen sie eine auffällig große Anzahl der allerelendesten und beklagenswertesten Bettlerfiguren. Loyalität dem spanischen Regiment gegenüber war natürlich von ihnen noch weniger zu erwarten als von den Negern, Mulatten und Creolen, und da sie in politischer Beziehung einfach mit dem Strome schwimmen, so sind sie auch in dem Insurgentenheere verhältnismäßig stark vertreten gewesen, zwar nicht unter den Kämpfern, wohl aber unter den Köchen, Trägern und dergleichen.
Abb. 20. Cubanisches Fenster.
Eine ungleich bedeutsamere Rolle haben aber in der neuesten Phase der Kulturentwickelung Cubas die weißen Nichtspanier gespielt, die auf der Insel ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben, wenn deren Zahl sich insgesamt auch nur auf etwa 11000 beläuft. Dieselben haben sowohl einen großen Teil der Kapitalkraft in dem cubanischen Wirtschaftsleben vertreten, als auch zugleich einen großen Teil des darin wirksamen Unternehmungsgeistes, und sie sind es deshalb in ganz hervorragender Weise gewesen, die seinen eigentlichen Niedergang verhindert haben. Vor allem gilt dies von den Amerikanern aus der Union, die bei den regen Handels- und Verkehrsbeziehungen ihres Landes zu Cuba besonders stark darunter vertreten sind und in deren Händen sich nicht bloß zahlreiche, mit Maschinen auf das vorzüglichste ausgestattete Ingenios befinden, sondern auch die schwungreich betriebenen Eisen- und Manganerzminen, sowie verschiedene große Südfruchtpflanzungen. Nicht minder gilt es aber auch von den Deutschen, deren Kolonie zu Habana die stattlichste nichtspanische Kolonie der ganzen Insel ist, und die namentlich einen beträchtlichen Teil der Tabakverarbeitung und Tabakausfuhr sowie der Zuckerausfuhr bewirken. Engländer leben zwar nur wenige auf Cuba, ihr Kapital ist aber bei dem Baue und Betriebe der cubanischen Eisenbahnen in der hervorragendsten Weise beteiligt. In den Revolutionswirren haben die weißen Nichtspanier sich der aktiven Parteinahme um so leichter enthalten können, als sie vorwiegend in den Städten oder doch außerhalb der Machtsphäre der Aufständischen lebten. Dies hat aber nicht verhindert, daß sie an den Mißständen der Verwaltung gelegentlich sehr herbe, zum Teil vielleicht ungerechte Kritik übten, und von dem amerikanischen Elemente könnte man in dieser Beziehung sogar behaupten, daß es dadurch ein Wesentliches mit dazu beigetragen habe, die letzte große Katastrophe heraufzubeschwören. Die amerikanischen Konsuln waren jedenfalls so gut wie ausnahmslos entschiedene Parteigänger der Insurrektion.
Abb. 21. Gebrauch des cubanischen
Wasserkruges.