Gesundheitsverhältnisse Habanas.

Wer in Habana echte Tropenbilder schauen will, — schöne Reihen und Gruppen von Königs- und Kokospalmen, mächtige Bambusen, vollkronige Mango- und Aguacatebäume, saftgrüne hohe Bananenstöcke und dergleichen — den müssen wir nach dem Parke bei der Quinta des Generalstatthalters führen oder nach dem Botanischen Garten am Fuße des Castello del Principe ([Abb. 76] u. [77]). Haben wir aber, um unsere Anschauungen betreffs der Stadt zu thunlichst vollständigen zu machen, nicht unsere Schritte schließlich auch noch über dieses Festungswerk hinaus nach dem großen Kirchhofe zu lenken und dort die zahlreichen prunkvollen Denkmäler in Augenschein zu nehmen, sowie daneben die zahlreichen frisch und flüchtig zugescharrten Gräber von den Opfern der letzten Blattern- und Gelbfieberepidemie? Der Tod arbeitet in Habana zu Zeiten so rasch, daß der Totengräber nicht gleichen Schritt mit ihm halten kann, und besonders ist dies in den Zeiten der letzten Insurrektion der Fall gewesen. In normalen Jahren ist die Sterblichkeitsziffer von Habana zwar eine hohe (34,1 auf das Tausend), bei weitem aber nicht die höchste, welche von den größeren Städten zu verzeichnen ist (Madrid 41,6 und Mexico 45 auf das Tausend), und wenn das in mancher Beziehung sehr im argen liegende Sanitätswesen der Stadt reformiert würde, so würde dieselbe vielleicht den gesündesten Städten der Erde zuzuzählen sein. Gegenwärtig ist außer den engen Straßen der Geschäftsstadt namentlich das unzweckmäßig angelegte Abzugskanalsystem, das unmittelbar an dem Hafeneingange in das Meer mündet, ein schreiender Uebelstand. Von den Sterbefällen sind aber in gewöhnlichen Zeiten nicht ganz 8 Prozent dem Gelben Fieber, 22 Prozent dagegen den Erkrankungen der Atmungsorgane, und reichlich 12 Prozent Unterleibsentzündungen zuzuschreiben.

Eine eigentliche Industriestadt hat Habana so wenig werden können als irgend eine andere Koloniestadt in den Tropen. Kein Besucher der Stadt sollte es aber versäumen, einen Einblick in eine von den vierzig großen Cigarrenfabriken zu nehmen, die daselbst im Werke sind, die Welt mit dem köstlichen Genußmittel zu versorgen, durch das Habana in allererster Linie berühmt ist.

Ein kurzer besonderer Besuch gilt dann noch der im Jahre 1724 erbauten Kathedrale ([Abb. 78]) nebst der darin angebrachten Gedächtnistafel von Christoph Kolumbus ([Abb. 2]) sowie dem kleinen besonderen Gedächtnistempel nahe dabei ([Abb. 3]), der dem großen Entdecker errichtet worden ist. Ob die Asche desselben im Jahre 1795 thatsächlich von Santo Domingo nach Habana übergeführt wurde und demgemäß im Jahre 1898 wieder von Habana zurück nach Spanien, muß freilich als sehr fragwürdig gelten.

Bevölkerung Habanas.

Die Einwohnerzahl von Habana betrug im Jahre 1827: 94023, im Jahre 1877: 198721 und im Jahre 1887: 200448, und die beiden letzten Ziffern lassen auf einen gewissen Stillstand der Entwickelung schließen, was bei der beschriebenen allgemeinen Lage, in der sich die ganze Insel in den letzten Jahrzehnten befunden hat, nicht zu verwundern ist. Das Verhältnis der Männer zu den Frauen stand 1887 wie 112 : 88, ähnlich wie in anderen Kolonialstädten, das Verhältnis der weißen Rasse zu der farbigen aber wie 74 : 26, in bemerkenswertem Gegensatze zu Santiago, und die Zahl der weißen Nichtspanier war im ganzen nur 6500.

Abb. 80. Der Almendaresdurchbruch bei Puentes Grandes.

IX.

Guanabacoa.