Abb. 83. Yumuridurchbruch.

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GRÖSSERES BILD]

Yumurithal.

Ähnliches gilt auch von dem prächtig bewaldeten Berglande von Madruga, jenseits der reichen Ebenen von Guines und Aguacate, dem besonders die Montes de la Esperanza und die Lomas de Jiquima (341 m) zugehören, und desgleichen von dem gegen Nordost hin damit verwachsenen Berglande von Canasi, in dem sich das schöne Bergpaar des Palenque und des Pan de Matanzas (386 m) als der letzte Rest einer ehemaligen Hochstufe des ursprünglichen Terrassenbaues auffällig über die Sierra de Camarones (193 m) erhebt, und in dessen nordöstliche Kalksteinmesa (die Cumbremesa etwa 70 m hoch) das berühmte Yumurithal ([Abb. 82]) eingegraben ist. Das letztere große Kesselthal, dessen ebene Sohle sich nur schwach über den Meeresspiegel erhebt, dürfte schwerlich wohl anders gebildet worden sein, als durch unterirdische Erosion und durch nachfolgenden Höhleneinsturz, und eine ähnliche Entstehungsgeschichte glauben wir überhaupt vielen der berührten, von steilen Berghängen umwandeten Roterdeebenen zuschreiben zu müssen. Kleinere Kesselthäler von der Art der Karstdolinen — die natürliche Begleiterscheinung der Höhlen — sind in keinem der angegebenen Gebirge selten, und ganz im allgemeinen darf man füglich die cubanische Kalksteinlandschaft als eine durch das Tropenklima modifizierte Karstlandschaft bezeichnen. Die Schichtung des Kalksteins ist in den genannten Gebirgen vielfach stark gestört, und ganz besonders ist dies auch der Fall an dem Yumuridurchbruche ([Abb. 83]) durch die Cumbremesa, meist scheinen diese Störungen aber die Folge von Höhleneinstürzen zu sein.

Denselben Familiencharakter und dieselben hohen natürlichen Reize besitzt schließlich auch noch das Hügelgebirge von Limonar, zwischen Matanzas und Cardenas, dem die Tetas de Camarioca (340 m) und die Lomas Grandes sowie die bekannten schönen Tropfsteinhöhlen von Bellamar an dem hohen Ostgestade der Matanzasbai ([Abb. 84]) zuzurechnen sind. Der Eisenbahnbau stieß in den zuletzt genannten Hügelgebirgen auf erhebliche Schwierigkeiten, da sowohl zahlreiche Strom- und Schluchtüberbrückungen als auch verschiedene Felsdurchstiche nötig waren.

Zuckerrohrfelder.

Östlich und südlich von dem Limonargebirge sowie östlich und südlich von dem Madrugagebirge tritt aber eine allgemeine Verebnung der Landschaft ein, und es tauchen daselbst nur hier und da noch unbedeutende Lomazüge auf. Der stark kalkhaltige rote Verwitterungsboden dieser weiten Ebene, die ostwärts ohne irgend welche Grenzscheide in die Ebenen der Las-Villas-Landschaft übergeht und die an der Hauptsache von dem Rio Camarones, dem Rio de Palmas, dem Rio Hanabana und dem Rio Negro entwässert wird, besitzt im allgemeinen eine große Fruchtbarkeit, und auf ihm hat die cubanische Zuckerrohrkultur ihre hervoragendste Heimstätte gefunden. Fast könnte man sagen, daß die ganze Gegend ein einziges, wogendes Zuckerrohrfeld sei ([Abb. 85]), und die aneinander stoßenden Distrikte von Colon und Alfonso XII, die den Hauptteil der Ebene umfassen, enthalten nicht weniger als 25 Prozent von der Gesamtzahl der cubanischen Ingenios ([Abb. 86]). Als die Hauptmittelpunkte der betreffenden Industrie und der Zucker- und Melasseverfertigung haben wir aber neben Colon (6000 Einw.) und Alfonso XII (2500 Einw.) namentlich die Eisenbahnknotenpunkte La Union (2000 Einw.) und Jovellanos (5000 Einw.) sowie Sabanilla del Eda (2000 Einw.), Bolondron (1200 Einw.), Corral Falso (2500 Einw.), Jaguey Grande (1000 Einw.), Cuevitas (1500 Einw.), Guamutas (2000 Einw.) Cimarrones (1800 Einw.) und Lagumillas (2500 Einw.) zu verzeichnen.

Zapata.

Südlich von diesem ungeheuren Garten, in dem ein guter Teil von wirtschaftsgeographischen Fähigkeiten Cubas beruht, breitet sich dann, von zahlreichen großen Lagunen durchsetzt und von dem schleichenden Rio Gonzalo und Rio Negro durchzogen, die ungeheure Sumpfwildnis der Cienaga de Zapata aus, die sich durch die Cochinosbucht in eine Ost- und Westhälfte gliedert, und diese bietet zur Zeit auch ein reiches Feld für den Naturforscher — den Botaniker so gut wie den Zoologen — aber noch in viel höherem Grade als die Sumpfgürtel des Camaguey einen trostlosen Boden für die Kultur. An ihrem Südrande erhebt sich ein trockenerer Landgürtel schwach aus dem Sumpfe heraus, der Boden ist aber dort im allgemeinen kahle Seborucofläche und ermöglicht lediglich die Existenz einiger armseliger Ranchos und Rinderherden. An der Seeseite begleiten die große Cienaga Untiefen und Sandbänke, sowie weiter westlich Korallenriffe und Keys, und im allgemeinen kann ihre Küste als vollkommen unnahbar gelten. Auch die weit gegen Süd geöffnete Cochinosbai und die Cazonesbai machen von dieser Regel keine Ausnahme. Übrigens setzt sich die Cienaga in einem schmaleren Streifen entlang dem Golfe von Matamano weiter fort, und Batabano (2500 Einw.) bleibt auf diese Weise der einzige Landungsplatz, den die Vuelta Arriba an der Seite des Karibischen Meeres für Schiffe bis 3 m Tiefgang besitzt. Sie ist in einem noch höheren Maße als selbst das Camaguey an dieser Seite ein geschlossenes Land.

Cardenas.