Damit die reiche Produktion der Landschaft nicht Habana allein zu gute komme, ist aber ihre Nordküste wesentlich anders beschaffen. Auf die große Bucht von Cardenas, die noch dem Bereiche der großen nördlichen Korallenkeyflur angehört, ist bereits hingewiesen worden. Da dieselbe Fahrzeuge von hinreichendem Tiefgange aufzunehmen vermag und mit der Habanabucht den Vorteil der gegen Nordamerika vorgeschobenen Lage teilt, so nimmt die Ausfuhr der großen Zuckerdistrikte von Colon und Jorellanos, mit dem sie durch zwei Eisenbahnen verbunden ist, größtenteils über sie ihren Weg. An ihren Ufern aber nahm die erst im Jahre 1828 an dem niedrigen Mangroveufer begründete Stadt Cardenas (25000 Einw.) einen raschen und hohen Aufschwung, als Zuckerausfuhrhafen mit Cienfuegos wetteifernd, und auch ein ähnliches unhistorisches, hervorragende Bauten entbehrendes, aber sauberes Gepräge zur Schau tragend. Mit Habana ebensowie mit Sagua la Grande und Caibarien steht Cardenas im regelmäßigen Küstendampferverkehr. Ein kleinerer Hafenplatz an derselben Bucht, der ebenfalls von amerikanischen Zuckerschonern besucht wird, ist Siguapa.
Matanzas.
Westlich von der schmalen und niedrigen, mit Salzteichen besetzten Hicacoshalbinsel ist die Küste entlang dem Nordabfalle des Berglandes von Limonar ziemlich hoch und den größten Fahrzeugen bequem nahbar, und bei gutem Wetter bieten die kleinen Buchten von Veradero und Comacho brauchbare Ankerplätze. Höheren Verkehrsansprüchen genügt aber die mächtige und tiefe Matanzasbucht ([Abb. 87] und [88]), die durch von Osten her (von der Punta Maya) vorspringende Korallenriffe besser gegen den Seegang geschützt ist, als ihre weite Öffnung erwarten läßt, und die in ihren inneren Teilen zauberhaft schöne Landschaftsbilder bietet — in dieser Beziehung die Habanabucht wesentlich übertreffend. In dem in die Bucht mündenden Rio San Juan, der aus dem Madrugagebirge kommt ([Abb. 89]), können auch ziemlich große Boote, die Ladung nehmen wollen, unmittelbar vor den Lagerhäusern ankern. Die Stadt Matanzas (56000 Einw.), die wir bereits auf der Karte von Ortelius (1587) verzeichnet finden und die ursprünglich, wie ihr Name sagt, nichts war als eine Rinderschlachtstätte, hat sich solchergestalt ebenfalls eines großen Teiles der Zuckerausfuhr der Vuelta Arriba bemächtigen können, und sie steht in dieser Beziehung Cardenas sowie Cienfuegos noch sehr beträchtlich voran. Durch ihre allgemeine Physiognomie, besonders durch ihre prächtige Plaza ([Abb. 90] u. [91]), durch mehrere schöne Kirchenbauten und durch zahlreiche freundliche Quintas und Gärten in ihren Vororten ein Bild hoher Blüte darbietend, hat sie durch die letzte Insurrektion schwerer gelitten als jede andere.
Abb. 84. Die Höhle von Bellamar.
Westlich von der Matanzasbucht sind an der sehr geradlinig verlaufenden Steilküste des Berglandes von Canasi, Jaruco und Guanabacoa zwar so gut wie gar keine Gefahren für die Schiffahrt vorhanden, ebensowenig aber auch gute Zugänge in das Innere, und auf diese Weise hat Habana außer von Matanzas und Cardenas keinen weiteren Wettbewerb in seiner Eigenschaft als Haupthafen der Vuelta Arriba zu bestehen.
Abb. 85. Zuckerrohrfeld in der Vuelta Arriba.
X.
Landschaftseinteilung im westlichen Cuba.