Auf der Halbinsel Guanahacabibes, dem merkwürdigen südwestlichen Anhängsel der Landschaft, sind die klimatischen Vorbedingungen des Tabakbaues annähernd die gleichen wie in der „wirklichen Vuelta“, die Boden- und Bewässerungsverhältnisse sind aber andere, und nur die von zahlreichen Lagunen bedeckte Gegend, an der die Halbinsel mit dem Hauptlande verwachsen ist, enthält eine beträchtliche Zahl von Vegas, welche die den Lomatabaken verwandten Rematestabake (von dem Hauptorte) hervorbringen. Der größere Teil der Halbinsel ist von Mangrovesumpf und von vorwiegend kahler, oberflächlich arg zerrissener Korallenkalkfläche — sogenanntem Pedregal oder Seborucal — eingenommen, und außer dem Leuchtturm des sanddünenbesetzten niedrigen Kap San Antonio ermöglicht die letztere durch den spärlichen Weidewuchs, den sie neben Heiligendisteln, Opuntien, niedrigen Fächerpalmen und anderem Gestrüpp trägt, nur einigen kleinen Hatos ihr Dasein. In den großen Savannen, welche in der eigentlichen Vuelta den Übergang von den Tabakdistrikten zu dem Mangrovesumpfgürtel der Küste bilden, ist die Viehzucht dagegen ebenso hoch im Schwunge, wie in der Camaguey- und Cinco-Villas-Landschaft, und Ähnliches ist auch der Fall in dem westlichen Berg- und Hügellande.

Unter den geologischen Formationen, welche an dem Aufbau der Vuelta-Abajo-Landschaft beteiligt sind, steht natürlich immer wieder der tertiäre Kalkstein im Vordergrunde. In der ganzen Randgegend des Berglandes treten aber außer Diorit und Serpentin auch Bildungen der Kreidezeit, sowie vielleicht älterer mesozoischer Zeiten auf, und ganz im Westen, nördlich von Mantua liegt sogar ein ähnliches paläozoisches Gebiet wie bei Trinidad und Sancti-Spiritus. Sobald die Lagerungsverhältnisse dieser Formationen genauer untersucht sein werden, wird sich auch die Frage besser beantworten lassen, warum der tertiäre Stufenbau Cubas in der Vuelta Abajo so wohl erhalten geblieben ist, während er in der Vuelta Arriba sowie in den Las Villas und in dem Camaguey größtenteils zerstört wurde. Einstweilen wagen wir in dieser Beziehung nur daraus hinzuweisen, daß die betreffende Thatsache aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl mit der veränderten Längsachseneinrichtung der Insel im Zusammenhange steht, als auch mit den vergleichsweise geringeren Niederschlagsmengen, die die Landschaft seit der Zeit ihres Emportauchens aus dem Meere empfangen hat. Als der ganze Stufenbau in der Vuelta Arriba noch erhalten war, bezugsweise als sich daselbst viel höhere Gebirge emportürmten, als heute, da lag die Vuelta Abajo natürlich in einem sehr bedeutenden Grade „in dem Regenschatten“ derselben.

Die Mittelpunkte des Tabakbaues.

Einer starken Verdichtung der Bevölkerung und dem Gedeihen größerer Städte ist der dem Kleinbetriebe anheimgegebene Tabakbau beinahe ebensowenig günstig gewesen wie die Viehzucht, der Abbau der Kupfer-, Eisen- und Manganerzlagerstätten, die die erwähnten älteren Formationen enthalten, ist aber durch die politischen Wirren und die allgemeine Unsicherheit auf der Insel niemals in hohen Schwung gekommen. Als die hauptsächlichsten Ortschaften des Inneren haben wir daher nur zu verzeichnen: Artemisa (5000 Einw.), das den Mittelpunkt einer wichtigen Zuckerrohrbau- und Viehzuchtgegend bildet und das als der stärkste Punkt der während der letzten Insurrektion von der spanischen Heeresleitung gezogenen „Trocha“ von Mariel-Majana viel genannt und umkämpft wurde; Candelaria (1200 Einw.), das außer durch seinen vorzüglichen Kaffee auch durch seine Heilquellen namhaft ist; San Cristobal (3500 Einw.), den Hauptmarkt für den „Semi-Vuelta-Tabak“; San Diego de los Baños (1200 Einw.), durch heiße Schwefelquellen berühmt und gleich Viñales (1000 Einw.) ein Hauptübergangspunkte über das höhere Gebirge; und Consolacion del Sur (3000 Einw.), an einem Zuflusse des Rio Hondo, Pinar del Rio (5500 Einw.), San Luis (1000 Einw.) und Guane (1000 Einw.), am Cuyaguateje, die Hauptmittelpunkte und Märkte des Vuelta-Abajo-Tabakbaues. Pinar del Rio ist gleichzeitig die Regierungshauptstadt der nach ihm benannten politischen Provinz, die den größten Teil der Vuelta-Abajo-Landschaft umfaßt, sowie auch der Endpunkt der Eisenbahn, welche die Osthälfte der Landschaft mit Habana in bequeme Verkehrsverbindung setzt.

Abb. 89. Der Rio San Juan in Matanzas.

Die Küstengebiete der Vuelta Abajo.

Um die Zugänglichkeit der Vuelta Abajo von der Seeseite her ist es nur im Nordosten wohl bestellt. Dort sind die tiefen und weiten Buchten von Mariel, von Cabañas und von Bahia Honda der Habanabucht in einem hohen Grade ähnlich, und bei der zuerst- und der zuletztgenannten ist nur die Einfahrt viel enger und schwieriger. Die Verbindung mit ihrem ferneren Hinterlande und namentlich mit den Haupttabakdistrikten sperren diesen Buchten aber die beschriebenen hohen Gebirgsstufen, über die, abgesehen von der Fahrstraße zwischen Mariel und Guanajay, nur schlechte Reitwege führen. Der Ausfuhrhandel der betreffenden Orte Mariel (2000 Einw.), Cabañas (1200 Einw.) und Bahia Honda (2000 Einw.), beschränkt sich also auf die der Zucker- und Tabakproduktion der unmittelbar anstoßenden Küstengegend. Von der Cabañasbucht an begleitet die Küste dann ein Korallenriff — das sogenannte Coloradoriff —, und von der Bahiabucht an gesellen sich diesem Riff in der von ihm begrenzten Flachsee eine beträchtliche Zahl von Korallenkeys zu — der Cayo Ines de Sato, der Cayo Rapado, der Cayo de Buenavista und andere. Die betreffende Flachsee ist zwar im allgemeinen genügend tief für die Schiffahrt (2–20 m), und das Riff sowie die Keys lassen eine Reihe von Durchfahrten offen, im allgemeinen liegen die Verhältnisse aber bei dieser Colorados-Key-Flur ebenso wie bei den anderen Fluren, und die Küstenstrecke gilt durch ihr Barriereriff mit gutem Grunde für die gefährlichste von ganz Cuba. Es sind also auch an ihr nur einige sehr unbedeutende Landungsplätze für den Küstenverkehr entstanden — Coyetano für die Kupfererzverladung des Bergbaurevieres bei Viñales, Arroyos für die Tabak- und Rinderverschiffung von Mantua und Puerto Guadiana für die ähnlich beschaffene Ausfuhr von Guanes. An der Südseite der Vuelta Abajo liegt dann die gewaltigste der cubanischen Riff- und Keyfluren, die man Jardinillos- oder Pinosflur nennen kann. Dieselbe erstreckt sich aber ostwärts weit über das Küstengebiet der Vuelta Abajo hinaus, und wir widmen ihr daher eine kurze Besprechung erst in dem nachfolgenden Abschnitte. Hier betonen wir nur, daß die ganze Südküste der Vuelta Abajo durch diese Flur und die damit verbundene Seichtsee bloß für kleine Küstenfahrzeuge nahbar ist. Der einzige Punkt, der an ihr einen nennenswerten Seeverkehr — besonders nach Batabano und Pinos — unterhält, ist demgemäß Coloma, das Hafendorf von Pinar del Rio, mit dem es durch eine verhältnismäßig gute Landstraße verbunden ist.

Abb. 90. Straßenbild aus Matanzas.