Abb. 87. Matanzasbucht und Yumurifluß.
An dem Westabsturze des Pan de Guajabon verändert sich der Charakter der Gebirgslandschaft nicht unwesentlich. Die eigentlichen Hochstufen sind hier nicht mehr vorhanden, und die Hauptgipfel ragen kaum 300–400 m empor (der Pan de Azucar bei Viñales nur 330 m). Dagegen nimmt das Bergland einen breiteren Raum ein, und die Zerissenheit und Wildheit der Ketten und Lomagruppen, die kreuz und quer nebeneinander liegen, ist eher eine größere als geringere. Namen der Hauptteile, wie Sierra del Infierno (Höllengebirge) und Los Organos (die Orgeln), deuten dies verständlich genug an, und an Höhlen ist dieser Teil Cubas wohl reicher als jeder andere und nicht minder auch an Naturbänken, die als die stehen gebliebenen Ruinen eingestürzter Höhlengewölbe aufzufassen sind. Bekannt sind vor allem die Höhlen von Ancon („Del Indio“) von Isabel Maria, von Mantua und von Resolladero, sowie die Naturbrücken des Rio de los Portales, der oberhalb Guanes in den Rio Cuyaguateje mündet. Auch dem westlichen Hauptteile, der Sierra de Acosta, sind noch eine Reihe jener scharfen, zusammenhängenden Kämme eigen, die als „Cuchillas“ („Messer“) bezeichnet werden. Die Thalbildung ist aber in der ganzen Gegend eine vorgeschrittenere und ausgedehntere, so daß der Verkehr quer über das Gebirge leichter bewerkstelligt werden kann und daß auch die sonstigen Kulturmöglichkeiten bessere sind. Die Niederungen, zu denen das Bergland sich gegen das Karibische Meer und den Mexicanischen Golf hin abdacht, sind an den meisten Orten stärker wellig, vor allem ist aber der Lehmboden noch mehr mit Sand gemischt, als weiter östlich. Die Befruchtung der tiefer gelegenen Thal- und Niederungsböden vollzieht sich aber durch die Überschwemmungen der Regenzeit, die alljährlich eine neue kalkhaltige Sedimentschicht herbeiführen, ähnlich wie man es von dem ägyptischen Nil her kennt.
Kulturen und Bergketten der Vuelta Abajo.
In ihrem Urzustande in ausgesprochenerer Weise mit „Pinal“ bestanden als die „Halbvuelta,“ ist diese wirkliche Vuelta Abajo nur durch die angegebenen natürlichen Vorbedingungen unter der Hand der eingedrungenen kleinen Pflanzer die Stätte des berühmtesten Tabakbaues der Erde geworden, die die wahre Wonne der Raucher erzeugt. Zur künstlichen Zubereitung seiner Vega mit Phosphaten und anderen Düngmitteln wird der Bauer, der es mit dem feinen Dufte und dem hohen Rufe seines Blattes ernst und gewissenhaft nimmt, nicht greifen, sondern er wird die Strecken, die sich erschöpfen, lieber eine Reihe von Jahren zur Erholung brach liegen lassen und statt ihrer jungfräulichen Boden aufsuchen, auf dem das bloße Säen und Pflanzensetzen von seiner Seite genügt, und der Himmel der Vuelta Abajo die gesamte sonstige Fürsorge für die Ernte übernimmt. Natürlich wechselt der Ertrag und die Qualität des Erzeugnisses auf diese Weise sehr beträchtlich von Jahr zu Jahr, das ist aber bei dem Vuelta-Abajo-Tabak gerade so unvermeidlich wie bei dem Rheinweine. Die Hügelgehänge sind auch in der hier in Frage stehenden Gegend in ziemlich umfassender Weise mit in den Bereich der Kultur gezogen, im allgemeinen hat aber das „Lomablatt“ nicht den Gehalt und das Aroma des in der Thalniederung gezogenen, und nur in besonders feuchten Jahren, wenn das letztere mißrät, kann es unter Umständen so wohl gedeihen, daß es die Stelle desselben einzunehmen vermag. Übrigens erschöpfen sich die Gehängevegas durch die Wasch- und Auslaugewirkung der warmen Regen selbstverständlich viel rascher als die Stromufervegas.
Abb. 88. Innerster Teil der Matanzasbucht nebst Ausblick auf das Hügelland von Limonar.
Daß die cubanische Tabakernte in der Vuelta Abajo so gut wie in den Bergländern von Santiago und Baracoa eine Winterernte ist und daß die verhältnismäßig strenge und anhaltende Trockenzeit der „wirklichen Vuelta“ für die Tugenden ihres Krautes ebenso bedeutsam ist wie die Eigenart des Bodens und der Naturdüngung, dürfen wir als bekannt voraussetzen.