In seiner Stellung zu Cöln hat er sich während einer mehr als 40jährigen Tätigkeit durch glänzende Operationen und überaus sorgfältige Nachbehandlung der Kranken großen Ruf erworben und war ein paar Jahrzehnte hindurch wohl der gesuchteste Arzt am Niederrhein. Selbst aus Holland, Belgien und Frankreich wurde seine Hilfe in Anspruch genommen.

Als Persönlichkeit war er ein Original, ein Volksmann im besten Sinne des Wortes, um den die geschäftige Phantasie der cölnischen armen Leute eine Reihe von Legenden geflochten hat.

Der vierte Bruder August erhielt auch eine gute Schulbildung. Nachdem er die kaufmännische Lehre durchgemacht und bei dem Pionierbataillon zu Cöln als Einjähriger seiner Dienstpflicht genügt hatte, trat er ebenfalls in das Geschäft zu Flamersheim ein.

Ungefähr um dieselbe Zeit heiratete die Zwillingsschwester Elisabeth einen Herrn Dilthey aus Rheydt. Ursprünglich gewillt, Theologe zu werden, war dieser durch den frühzeitigen Tod seines Vaters genötigt worden, mit seinem Bruder Wilhelm das väterliche Geschäft, Seiden- und Sammet-Fabrikation, zu übernehmen, und aus dieser Ehe stammt die zahlreiche Familie Dilthey in Rheydt und Umgegend. Von seinen sechs Söhnen und drei Töchtern sind nur der Jurist Richard Dilthey und eine Schwester unverheiratet geblieben. Alle übrigen erfreuten sich einer zahlreichen Nachkommenschaft, und als meine Tante im hohen Alter von 87 Jahren starb, waren etwa 40 Enkel vorhanden. Die alte Frau bildete bis zum Ende den Mittelpunkt der Familie und erfreute sich infolge ihrer Klugheit, Tatkraft und Güte allgemeiner Verehrung.

Das Geschäft in Flamersheim war durch die gemeinsame Arbeit der Brüder in Blüte gekommen. Mein Vater sorgte durch vielfache Reisen für Vergrößerung des Absatzes und durch die Aufnahme neuer Artikel für Erweiterung des Betriebes. So erzählte er öfters mit Befriedigung, daß er nur wenige Jahre nach Erfindung der Schnellessigfabrikation einen Betrieb dieser Art in Flamersheim angelegt und damit viel Geld verdient habe. Auch eine kleine Mälzerei wußte er schon damals dem Geschäft anzugliedern. Aber gerade durch diese Erweiterungen und durch die Erfahrungen auf seinen Reisen kam er auch zu der Überzeugung, daß Flamersheim nicht der richtige Ort für ein Großgeschäft sei, und er hat wiederholt den Plan erwogen, dieses nach Cöln zu verlegen. Seine Brüder waren aber durchaus dagegen, aus Abneigung gegen die Großstadt und das vergrößerte Risiko. Dagegen setzte er durch, daß das Hauptgeschäft nach Euskirchen, welches gerade zu der Zeit schon gute Landstraßen nach Cöln, Bonn und der Eifel erhalten hatte, verlegt wurde. So entstand, allerdings erst allmählich, der Gebäudekomplex, den ich früher geschildert habe.

Die beiden Haupthäuser wurden, wenn ich nicht irre, im Jahre 1835/36 errichtet. Von der Zeit an ist Euskirchen der Hauptsitz der Firma »Gebrüder Fischer« gewesen. Nur der Onkel Friedrich Arnold blieb in Flamersheim, aber die alte Kompagnie hat noch etwa 30 Jahre fortgedauert und sich auch auf andere Geschäfte, z. B. den Ankauf eines schönen Waldes bei Flamersheim, erstreckt.

Mein Vater und seine Brüder ergänzten sich auf das glücklichste. Er liebte nicht die Kleinarbeit im Kontor und den Lagerräumen, die aber von den beiden anderen Geschäftsinhabern mit allergrößter Sorgfalt und Sachkenntnis besorgt wurde.

Andererseits ging er gerne auf Reisen, wobei er nicht allein verkaufte, sondern auch in früheren Jahren Geld einkassierte und Gelegenheiten nach neuen Geschäften aufspürte. Er nannte sich deshalb scherzhaft den Minister des Äußern.

Zu seinen Aufgaben gehörte natürlich die Vertretung der Firma bei Gerichten, Verwaltungsbehörden, bei öffentlichen Verkäufen usw.

Seiner Initiative war es auch in der Regel zuzuschreiben, wenn neue Unternehmungen begonnen wurden, unter denen an Bedeutung der schon erwähnte Waldankauf hervorragte.