Dieses Ganze war umgeben von Gärten, die auf der einen Seite an einen Bach grenzten und von einem kleinen Wassergraben durchzogen waren.

Hier bin ich am 9. Oktober 1852 geboren als letztes und achtes Kind meiner Eltern. Von meinen Geschwistern waren ein Knabe und ein Mädchen vorher gestorben, alle anderen waren Schwestern, von denen die älteste mir um 14 Jahre voraus war.

Man kann sich denken, daß unter diesen Umständen meine Ankunft den Eltern viel Freude gemacht hat, und daß mir auch später ein gewisser Vorzug gewährt wurde.

Die Schwestern haben ihr Interesse an dem einzigen Bruder, den sie nur den »Jungen« nannten, in der mannigfaltigsten Weise bekundet, und ich habe mich ihrer Erziehungskünste des öfteren erwehren müssen, so daß eine gewisse Abneigung gegen junge Damen bei mir über die Knabenjahre hinaus hängen blieb.

Glücklicherweise waren die Verhältnisse in dem Hause meines Onkels, das nicht allein durch den Hof, sondern auch durch den Speicher und einen besonderen Korridor mit unserm Hause in direkter Verbindung stand, gerade umgekehrt; denn es gab dort fünf Söhne und eine Tochter, die merkwürdigerweise wie ich die Jüngste war.

Wenn mir die allzu weibliche Behandlung im eigenen Hause zu viel wurde, so zog ich mit Erlaubnis der Eltern für einige Tage ins Nachbarhaus, bis ich dort durch reichliche Prügel von seiten der stärkeren Vettern belehrt, wieder in die mildere Atmosphäre des eigenen Heims gerne zurückkehrte.

Mein Vater Laurenz Fischer betrieb zusammen mit seinem Bruder August ein kaufmännisches Geschäft, hauptsächlich in Kolonialwaren, Wein und Spirituosen. Außerdem besaßen sie eine Wollspinnerei, die aber auf einem Dorfe Wißkirchen, etwa eine Stunde von Euskirchen, gelegen war und ursprünglich mit Wasserkraft, später mit Dampf betrieben wurde.

An dem gesamten Geschäft war noch ein anderer Onkel, Friedrich Arnold beteiligt, der in Flamersheim, dem Stammsitz der Familie, wohnte und dort das vom Großvater her stammende Anwesen verwaltete.

In der eben geschilderten Umgebung zu Euskirchen habe ich eine überaus glückliche Jugend verlebt. Der Betrieb des kaufmännischen Geschäfts, das die Krämer der Umgegend bis weit in die Eifel hinein mit Waren versorgte, brachte reges Leben mit sich. Der Verkehr im Kontor, den Lagerräumen und auf dem Hofe hat mich lebhaft erinnert an die Schilderungen, die Gustav Freytag in dem Roman »Soll und Haben« von dem Kaufmannshause zu Breslau entwarf. Allerdings waren die Verhältnisse bei uns trotz des Wohlstandes der Firma bescheidener. Aber dafür war das Ganze in sehr viel heiterere Farben gekleidet. Die lebhafte Art der rheinischen Bevölkerung und die glückliche humoristische Veranlagung der Geschäftsinhaber gaben sich trotz der sehr geordneten, nach den strengen Grundsätzen kaufmännischer Ehrbarkeit geregelten Geschäftsführung in zahlreichen munter und scherzhaft geführten Gesprächen kund.

Ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb, der im wesentlichen die Bedürfnisse des eigenen Hauswesens befriedigte, trug dazu bei, das Gesamtbild mannigfaltiger und für uns Kinder interessanter zu gestalten.