„Gescheit
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sein, gescheit sein,
Nit in Oalles glei n’ein!
Es sitzt oft a Fux
In ’ren Pelzkappen d’rein!“

Der Engländer war außer sich vor Freude; das hatte er ja22-2 schon längst gewünscht zu hören, aber niemand hatte ihm den Gefallen gethan, trotzdem er oft den Leuten Geld geboten hatte. Aber fürs22-3 Geld sangen sie wohl22-4 drunten im Flachland, die nachgemachten Tyroler in Glacéehandschuhen, aber da oben nicht. Aber jetzt waren die Leute guter Dinge.22-5 Die Studenten holten die Sängerin vor. Der Engländer nahm sich22-6 den Tauernwirt auf die Seite und redete mit ihm. Der Rotkopf verschwand und kehrte mit etlichen Flaschen zurück. Bald brodelte es22-7 aufs neue in der Küche von Kaiserschmarren, auf dem Tische aber dampfte eine prächtige Bowle. Verschämt setzten sich die Leute aus der Hinterstube herein in die Herrenstube und bekamen vollauf zu essen und frischen Tyroler zu trinken, während die Studenten kunstgerecht den Punsch mit Hilfe des Engländers zurecht machten. Alles war ein Geschenk von Mr. Brown, das er anzunehmen bat, als Beitrag dafür,22-8 daß er nicht singen könne.

Der Assessor spielte,22-9 die drei Studenten sangen, die Bauern hörten zu, und der Tauernwirt schmunzelte in der Ofenecke und freute sich, daß heute Abend was22-10 draufging, und segnete das Schneetreiben, das ihm die Gäste in seine Klause gejagt.—Draußen stürmte es noch lustig zu—aber was thut’s,22-11 wenn

Im Ofen hell der Kienspan blitzt,
Und jeder warm beim andern sitzt—
Da thut das Herz im schnellen Lauf
Sich fröhlicher dem Herzen auf!

So war’s auch hier, die Fremden waren durchs Unwetter eine Familie geworden. Die Studenten hatten sich schnell unter die Eingebornen gemacht,23-1 und die kluge Elsa war ihnen nachgefolgt. Der Rotkopf hatte sich23-2 den Alten mit dem Gemsbart ausgewählt, den er trotz allen Anschreiens nicht verstand. Der Engländer unterhielt sich mit der „Vorsteherin“ im feinsten Englisch. Der Assessor aber rückte zu dem jungen Ehepaare. Die zwei andern Mädchen zog’s23-3 auch hinüber zu derElse und langsam rutschten sie an der Wand bis hinüber zu ihr.

„Wie wär’s,23-4 meine Herrschaften, wenn jeder von uns eine Geschichte aus seinem Leben erzählte?23-5 Mit dem Schlaf wird’s23-6 doch nicht viel werden heute Nacht, nicht wahr, Mr. Brown, trotz Ihres hohen23-7 Bettes, und das Stroh für Sie, mein Fräulein,23-8 kann warten, bis Sie sich darin verkriechen—“ sagte plötzlich der unermüdliche zweite Tenor.

„Ach ja—das wäre23-9 schön,“ meinten die Fräuleins;23-10 denn sie wußten sich geborgen, daß sie nichts zu erzählen brauchten, weil sie noch nichts erlebt hatten.

„Wer fängt an?“ riefen sie alle.

„Wir werden den Halm ziehen?“ Sie zogen und den kürzesten zog der junge Eheherr. Alle lachten, denn er war bis jetzt der schweigsamste gewesen, und hatte sich nur an dem süßen Geplauder seiner Frau erfreut.

„Nun denn, wenn es sein muß, werde ich Ihnen unsere Hochzeitsgeschichte erzählen. Annlieschen, erschrick nicht, wenn du dabei etliche Male vorkommst, denn sonst ist’s keine Hochzeitsgeschichte,“ sagte er zu seiner Frau, „denn dazu gehören immer zwei.“