Fräulein Milla, die „Vorsteherin“, war noch ganz in ihre Gedanken verloren, die Vergangenheit zog an ihr vorüber. Sie hatte die Todesnachricht ihrer Freundin von Roberts Hand empfangen, dann aber nichts mehr gehört, da die Mutter Elsas aus Gram ihre Tochter nicht lange überlebte.
Das Reden wurde ihr37-5 offenbar schwer. Zuletzt aber faßte sie sich und sagte: „Finden Sie keine Ähnlichkeit unter diesen Mädchen mit Ihrer Elsa? Schauen Sie sie37-6 einmal37-7 recht37-8 an!“
Der Assessor sagte: „Ja, die eine fiel mir schon lange auf, aber ich traute doch nicht ganz meinem Urteil.“
„Nun ja, sie sind nicht aus der Art geschlagen. Sie wissen, daß Elsa einen Bruder hatte, der nach dem Tode der Mutter in unserm Hause erzogen wurde. Er heiratete später meine jüngste Schwester, und das37-9 sind ihre Kinder. Sie hielten mich wohl38-1 alle, meine Herren, für eine gestrenge Institutsdame! Ich bin es nicht, wir haben uns nur fremden Leuten gegenüber die Maske auferlegt, um unbelästigt durchzukommen. Ich bin die Tante der Kinder.“
Jetzt ging auch den Studios ein Licht38-2 auf, und sie begriffen die heitere38-3 „Vorsteherin“. Es war derweilen Mitternacht geworden. Der Engländer saß tief versunken da. Die Geschichte hatte ihn wunderbar getroffen, er redete kein Wort mehr, sondern stand auf und verbeugte sich artig gegen die Damen, schüttelte aber dem Assessor warm die Hand, als wäre er sein bester Freund. Den Studenten dankte er für den Gesang und rief seinen James.
„James—du räumst38-4 unsere Stube aus, daß die Damen da schlafen können. Wir werden das Stroh suchen.“
Trotz aller Gegenvorstellungen von Seiten Fräulein Millas blieb’s38-5 dabei.
Die Eingeborenen hatten schon längst ihr Lager gesucht.
Draußen war’s stille geworden, das Schneetreiben hatte sich gelegt.
Die Studenten schliefen bald den gesunden Jugendschlaf, aber der Assessor blickte noch lange hinaus in die mondhelle, glänzende Nacht und über das große Leichentuch, das der Schnee über die Matten und Bergspitzen geworfen.