[Niger und Cobra.]
Pit hatte richtig geurtheilt, die Wollen hatten sich zu dichten Massen aufgethürmt, welche näher und näher heranrückten und bevor eine Stunde verging, kam ein tüchtiges Sturzbad auf uns herabgeströmt. Was hätten wir tagszuvor für eine solche Wohlthat geboten! Es war einer der heftigsten, etwa zweistündigen Platzregen, die ich in Süd-Afrika beobachtet. Noch während des Regens kamen zwei halbnackte, einen höchst widerstrebenden Ziegenbock heranschleppende Batlapinen auf uns zu.
Gegen Sonnenuntergang, als die »schäumenden« Wasser abgeflossen, nur noch in dünnen Stränchen der erzürnten Fluth nacheilten, verließen wir den Abhang und zogen weiter. Derselbe führte durch ein nur stellenweise erweitertes Felsenthal, das zu unserer Linken dicht bebuscht war. Niger, der voran eilte, fing plötzlich in dem hohen Grase zur Rechten zu bellen an und schien dann etwas, was wir jedoch nicht sehen konnten, über den Weg zu verfolgen. Ich bemerkte, wie er nachsprang und dann stets wieder zurückfuhr, was mich nicht wenig befremdete. Wir hielten sofort an und eilten Niger nach. Er stand nun an dem, einen der riesigen Termitenbauten—eine hohe nach oben zu offene Röhre—umgebenden Dickicht und bellte die darin versteckte Beute heftig an, worin ihm nun unsere übrigen Köter treulich halfen. Unser Erstaunen war nicht gering, als wir eine über 7 Fuß lange, gelbliche Cobra capella, welche sich um die Röhre geschlungen und den Hund mit dick aufgeblasenem Halse laut anzischte, erblickten. Ein Dunstschuß machte ihr bald den Garaus und ich zog das Reptil aus dem Busche um es meiner Sammlung einzuverleiben.
Gegen Abend erreichten wir ein breites Thal, verließen hier das Hauptthal und wandten uns längs eines Felsenabhanges nach Norden, auf den uns als kürzest bezeichneten Weg nach Taung zu. Kaum einige Wagenlängen die neue Richtung verfolgend, drang von den mit Sykomoren bewachsenen sandigen Felsenzinnen ein vielstimmiges, wenn auch verschieden modulirtes, doch in der Mehrzahl im tiefen Bariton gebelltes »Cha-Cha«, der Ruf der Paviane zu uns herab; unsere Hunde antworteten und rannten gegen den Felsen an, während wir die flüchtigen, gelenkigen Affen im saftigen Grün der Sykomoren und im dürren Mimosendickicht verschwinden sahen; wir trachteten zwar, unsere Gewehre ergreifend, einen Vorsprung zu gewinnen, allein sahen bald das Nutzlose unserer Verfolgung ein und schlugen, zum Wagen zurückgekehrt, unser Nachtlager auf.
Ein kühler, frostiger, umwölkter Tag folgte. Wir überschritten einen Kessel; an einer der kahlen Berglehnen standen einige Batlapinenhütten. Es waren schon des neuen Herrschers Leute, Mankuruana's Unterthanen, die hier etwas Feld anbauten und in gewisser Hinsicht die Grenze gegen Gassibone's Heerden zu bewachen hatten.[[1]]
[1] Siehe [Anhang 11].
Wir kamen über einen Höhensattel in ein dichtbebuschtes Thal, dessen Abhänge mit mannigfachem Gebüsch bewachsen waren. Das Thal öffnete sich in einen andern weiten Kessel, der hunderte kleine, kaum 200 Schritt im Umfange zählende, aufgegrabene Grundstücke barg.
Nach einer 1½stündigen Fahrt durch diese öden Gefilde verließen wir den Kessel und einige Höhen überschreitend, sahen wir das Thal des centralen Hart-Riverlaufes vor uns liegen. Diese Höhen um Taung bilden ein förmliches Netz, und obgleich sie wohl kaum 800 Fuß über das Bett des Flusses emporragen, sind sie die höchsten des Hart-Riverthales und bieten manche recht anziehende Scenerie. Wir hatten den östlichen Abhang der Höhen, an die wir zuerst gekommen waren entlang zu fahren und dann uns nach Norden zu wenden, um zu der Furth zu gelangen; Taung, oder Mahuras-Town, wie es auch nach dem früheren Herrscher genannt wird, liegt am rechten Ufer des Flusses, etwas ab von dem Flusse im Schutze und am Abhange einiger Felsenhöhen. Der Fluß wälzte einen Schwall gelblichen Wassers durch sein stellenweise mit Schilfrohr durchwachsenes, doch auch sehr steiniges Bett. Dem Abhange der Höhen entlang fahrend erblickten wir unter uns ein Eingebornendorf am Abhange liegen, in dem es lebendig wurde, als man den Wagen bemerkt hatte. Es währte auch nicht lange, als sich eine der unangenehmsten Scenen vor uns entrollte, die ich in Afrika unter den Wilden beobachtet habe. Halbnackte, in schäbige Carossen und zerfetzte europäische Kleider gehüllte Männer, später auch nackte Kinder und nur mit kurzen schmutzigen Lederschürzen versehene Frauen kamen aus den Wohnungen heraus und auf uns zugestürzt. Die einen hielten uns leere, schwarze Flaschen, andere Töpfchen entgegen, während sie »Suppy«—»Bass, verkup Brandwen«—andere »Brandy, Brandy« schrieen. Die Einen hielten uns ein Schakal- oder Deukerfell, die anderen Ochsenriemen, Peitschen, Einer ein Joch, sein Nachbar hölzerne Löffel, ein Greis eine Holzschüssel entgegen, für welche Gegenstände sie Branntwein eintauschen wollten. Als wir auf all' dies wie auf eine Märchenscene herabschauten und ohne uns um die Halbnackten zu kümmern weiter fuhren, da stellten sie sich gegen den Wagen, ergriffen die Ochsen an den Hörnern und suchten sie zum Stillstehen zu bringen, was ihnen auch gelang.