Endlich erblicken wir am Abhang zu unserer Linken und etwas vor uns einige rothleuchtende Stellen, welche auf ebenso viele Feuer hindeuteten; ich ließ den Wagen stehen, mit demselben Entschlusse hatten meine Gefährten und der Führer ein Gleiches gethan und wir alle eilten nach den menschlichen Wohnungen zu. Die Köter kamen nun herangeflogen, während das Singen verstummte und vor uns erschien eine dunkle Gestalt, ein Bewohner der Häuschen, nicht wenig überrascht, um diese Zeit und an diesem Orte einen Wagen vorbeifahren zu sehen. So wie ich den Menschen vor mir sah, stürzte ich auf ihn los, faßte ihn bei den Armen und schrie ihm mit meiner heiseren Stimme »Meci, Meci« zu. Der so Angefallene stieß einen Schrei aus, wohl den Warnungsruf, denn unser Führer konnte, von einem Lachkrampf darob erfaßt, gar nicht zu Worte kommen. In einem großen Ochsenhorn brachte der Mann nach einiger Zeit eine übelriechende Flüssigkeit, die er als seinen ganzen Wasservorrath bezeichnete und für deren Ueberlassung er eine halbe Krone forderte. Weder die Menge noch die Qualität dieser Flüssigkeit waren jedoch hinreichend, um den heftigsten Durst zu löschen. Es gelang uns endlich, unsere Wünsche dem Manne verständlich zu machen und in kurzer Zeit darauf brachte er und zwei Frauen mehrere große Töpfe mit Milch gefüllt, deren Inhalt von uns gierig verschlungen wurde. Nun galt es auch den Hunger zu stillen und bald loderte ein großes Feuer, an dem eine Hammelkeule briet.

Der Steppenbrand bildete natürlich das Hauptgespräch; im Süden stand noch immer eine hohe Röthe am Himmel, ein Beweis, daß das Feuer weiterschritt. Diese Brände werden zuweilen durch Unvorsichtigkeit verschuldet, doch in jenen Partien, wo Büsche und Bäume seltener sind, von Farmern oder von Eingebornen im Spätwinter angezündet und dies namentlich in trockenen Jahren, um, wie die Leute sagen, das Wachsthum des Grases zu befördern. Dasselbe thaten früher die Straußenjäger im Innern, um die Strauße, die das grün aufsprossende Gras mit Begierde aufsuchen, an solche Stellen zu locken. Diese Brände sind sehr oft in den von den niederen, kaum 18 Zoll hohen Büschen (Scap [Schaf-]büschen) bewachsenen Ebenen der Colonie und des Freistaates zu bemerken; auf etwa drei englische Meilen nahegekommen, sehen wir dann in dunklen Nächten einen oder mehrere gerade, längere oder kürzere »glühende Streifen« langsam über die Erde hinkriechen.

Am folgenden Morgen wieder aufbrechend fanden wir uns eine halbe Stunde später in dem schon zu einem Wege ausgefahrenen Wagenspuren, denen wir im März nach der Abreise von Gassibone gegen den Vaal-River zu gefolgt waren. Hier verabschiedete sich unser freundlicher Führer und wir fuhren bergab eine der Schluchten hinunter nach Gassibone's Residenz zu. Die Seiten (d.h. Abhänge) der durchfahrenen breiten, sich nur nach der Stadt gegen ihre Mündung zu verengenden Schlucht zeigten einen terrassenförmigen Abfall der Gebirgsschichten, die trotz des üppigen Graswuchses deutlich hervortraten; die ebenen Partien dieser Terrassen waren von der Natur mit Mimosenbäumchen bepflanzt worden und boten so einen, unseren auf Berglehnen angebauten Kirschbaumgärten nicht unähnlichen Anblick.

Gegen Mittag fuhren wir in Gassibone's Stadt ein, durchschritten dieselbe und lagerten unter einigen Bäumen, etwa in der Mitte des thalförmigen Kessels, unmittelbar an einer Regenschlucht. Der Boden des ganzen Kessels war ein üppiger Rasen, der, weil in der Tiefe liegend und durch die oben in einer Schlucht liegenden Quellen befeuchtet, sich in diesem Zustande erhielt. Pit trieb, von E. und F. gefolgt, die Ochsen nach den Quellen, allein sie fanden dieselben von mehr denn 20 Frauen umlagert und hatten über 1½ Stunden zu warten, bevor sie an die Reihe kamen.

Es ist staunenswerth, unter diesen östlichen mit den Bamairen gemengten Batlapinen so wenig Energie zu finden. Am Tage müssen in der trockenen Zeit die Farmer stundenlang auf ihren Wasserbedarf harren. Wenn man die Quellen ausreinigen und unterhalb derselben den feuchten, marschigen Boden ausgraben und einen Damm errichten würde, könnte man in der so gewonnenen Cisterne nicht allein hinreichendes Trinkwasser für die Bevölkerung von Gassibone's Residenz-Kraal, sondern auch in dem errichteten Teiche das nöthige Trinkwasser für eine große Anzahl von Hausthieren gewinnen.—Inzwischen war Gassibone selbst, von seinem Bruder und einigen Männern begleitet, herangekommen, die meisten in gewöhnliche graue Baumwollkleider gehüllt, einige noch trotz der Hitze mit überhängenden Carossen, um zu forschen, was wir in seiner Stadt begehrten. Ich ersuchte ihn, mir einen Ziegenbock zu verkaufen, da ich auf der zwischen dieser Stadt und jener Mankuruan's am Hart-River von Eingebornen häufig begangenen Strecke nicht allzuviel Wild anzutreffen glaubte.

Es würde das Ansehen Seiner königlichen Hoheit geschmälert haben, wenn er sofort eingewilligt hätte. Es wären keine—später meinte er—nur wenige Ziegen da, dann begehrte er ein Glas Branntwein, setzte sich auf unser Wasserfäßchen und begann den Verkauf der Ziege mit seinem Bruder und dem herum im Grase hockenden und an einigen Bäumen angelehnten Gefolge bis in's Detail zu ventiliren. Da sie die Setschuana sprachen, verstand ich sie nicht, vernahm jedoch unzählige Male ein und dasselbe Wort, welches ich später Pit mittheilte und das mir von diesem als Kalpater (Ziegenbock) verdolmetscht wurde. Endlich stand einer der Männer auf, kam auf mich zu, und meinte, indem er auf den Chef (König) hinwies, daß Morena Botlazitse Gassibone mir einen Bock für ein »half pund« überlassen wolle, ein Anbot, das ich sofort annahm. Seine Herrlichkeit geruhte mich noch mit einem längeren Gespräche zu beehren, nach dessen Beendigung wir unsere Reise fortsetzten.

[Ersehnter Labetrunk.]

Als wir durch eine der Stadt gegenüberliegende Schlucht die Höhe erreicht hatten, waren dunkle Wolken aufgestiegen, welche auf Sturm und den so heißersehnten Regen deuteten. Wir hielten Kriegsrath und da Pit meinte, daß der Sturm sicher auf uns heranzöge, spannten wir kaum drei englische Meilen von der Stadt entfernt aus.