Weiterziehend, trachteten wir, uns einen Anhang hinaufbewegend, die quer durch das Feuer nach Gassibone's Stadt führenden Wagenspuren wieder zu erreichen, was uns wohl gelang, obgleich wir der müden Thiere halber jede 200 Schritt stehen bleiben mußten. Wir folgten den Wagenspuren in nördlicher Richtung über ein ebenes Land, was den armen Zugthieren wesentliche Erleichterung bot. Der Abend war inzwischen eingetreten. Ein entsetzlicher Durst quälte uns, wir nahmen zum Essig unsere Zuflucht und netzten damit die Lippen. Ein Ausruf Pits, der voranschritt, riß uns alle aus dem dumpfen Hinbrüten. »Bass, kick (sieh) da so sin (sind) ye det Hartebeeste?« Wir alle beugten uns vor, ja, richtig, der Junge hat ein gutes Auge. Quer über unsere Richtung, einige 300 Schritte vor uns, trappten drei Hartebeest-Antilopen an uns vorüber. Doch wir waren zu abgehetzt, zu müde, um ihnen mehr als unsere Blicke zu widmen.

In Afrika habe ich drei Hartebeest-Antilopenarten beobachtet, das gewöhnliche Hartebeest, das von der Colonie bis gegen den Zambesi, doch häufiger in den südlicheren und mittleren hochbebuschten Partien Süd-Afrika's gefunden wird, ferner das Sesephi oder Zulu-Hartebeest, welches dasselbe Terrain bewohnt, doch auch nördlich vom Zambesi angetroffen wird, woselbst ich auch die dritte Art vorfand, welche jedoch der ersten näher als der zweiten Species verwandt ist, indem sich die letzteren mehr dem Buntbock nähert. In Folge seines hammerförmigen Kopfes, sowie auch seiner winkelig gebogenen Hörner ist das eigentliche Hartebeest die häßlichste der Antilopenarten. Auf das Sesephi werde ich noch zurückkommen, dem eigentlichen Hartebeest will ich in Folgendem einige Worte widmen. Ich fand es am häufigsten zwischen dem Vaal und dem Soa-Salzsee, doch hörte ich, daß es auch im Osten und Nordosten der Transvaal-Colonie und im nördlichen Theile der Cap-Colonie häufig vorgefunden wird. Das Thier ist mehr als andere Antilopenarten ausgerottet und dies wohl, weil es weniger flüchtig und dreister als andere ist. Es lebt in kleineren Rudeln und wir finden es nicht selten in den von dem gestreiften Gnu bewohnten Gegenden. Daß es in dem nördlichen Theile des zentralen Süd-Afrika seltener als in den südlichen ist, hat wohl seinen Grund darin, daß es von den Bamanaquato's ob seines Felles anderem Wilde vorgezogen wird, und dies darum, weil sich der östliche Bamanaquato zu seiner kleinen Carosse, seinem Nationalmäntelchen, das Fell dieses Thieres gewählt hat.

In den bebuschten, doch weniger bewaldeten Gegenden jagt man es zu Pferde; verfolgt, zeigt das Thier einen schwerfälligen Lauf, der wohl in seinem hohen Vorderleib und Widerrist seinen Grund hat. Ich glaube, daß diese Species (Antilopa caama), obwohl die gemeinste von den drei genannten, doch zu den Seltenheiten in den europäischen Thiergärten gehört und daß die transzambesische Art gar nicht in denselben vorhanden ist. In den Wäldern wie im Lande der mittleren Betschuana's sucht man sich ihnen durch Bäume und Büsche gedeckt zu nähern, an solchen Stellen trachten die Thiere sich womöglich am Rande einer Lichtung oder in den weniger bebuschten Partien aufzuhalten, um eine bessere Rundschau halten zu können, während sie in den waldlosen Gegenden nur hoch und gruppenweise bebuschte Partien und im Allgemeinen die Ebene bewohnen. Von weißen Jägern werden sie meist nur neben anderem Wilde, Elephanten, Straußen etc. gejagt und erlegt.

[Hartebeest-Gazellen.]

Der entsetzliche Tag war zu Ende, unser Führer hatte Mühe, den durch den Brand mit Asche gefüllten und unkenntlich gewordenen Wagenspuren zu folgen und uns in der wahren Richtung nach der kleinen Niederlassung der Eingebornen zu bringen. Nicht blos die Lippen waren heiß, der ganze Mund schien uns wie verkohlt und die quälende Trockenheit war bis in den Schlund hinein zu fühlen. Wir sprachen nicht mehr und jeder suchte so still als möglich sein Leid zu tragen. Wir hatten auf die Kühle Nacht gehofft, doch diese war ausnahmsweise warm und selbst der Wind hatte aufgehört uns etwas Erfrischung zu spenden. Endlich vernahmen wir Hundegebell und bald darauf den monotonen Gesang der dunklen Mädchen, ein Himmelsgesang für unsere niedergedrückten Geister. Nie wieder mehr auf meinen späteren Wanderungen habe ich diese monotonen, diese einfachen, stets sich wiederholenden, mit Holzkastagnetten begleiteten Weisen der farbigen Mädchen mit solcher Wonne, mit solchem Nachhall in meinem Herzen begrüßt, wie an jenem Abend. Der Durst ist doch eines der schrecklichsten Gefühle, welche die menschliche Natur niederdrücken, abquälen können.

[Kopf der Hartebeest-Gazelle. (Antilopa caana).]