Wir zogen allmälig bergaufwärts auf eine kleine Plateauhöhe; je höher wir kamen, desto seltener wurden die Büsche, desto dürrer die ganze Vegetation. Aus Nordwest erhob sich ein ziemlich starker Wind, der sausend durch die hohen Grasstengel fuhr, daß sich diese wie ein Saatfeld bogen und hoben, und der uns höchst willkommen war, denn er linderte die große Hitze und kühlte unsere brennenden Lippen. Die Zugthiere, die 30 Stunden zuvor zum letzen Male getrunken hatten, kamen nur sehr langsam vorwärts, wir konnten sie auch nicht in solcher Hitze antreiben, da es bergan ging; seit zwei Stunden folgten wir einem Fußpfade und unser Führer meinte, daß wir, auf dem höchsten Punkte des Plateau's angelangt, uns etwas nach rechts wenden müßten (West bei Nord) und da auf Wagenspuren stoßen würden, da der Morena (König) zuweilen jene Strecke mit Wägen befahren lasse—um Holz nach den Diamantenfeldern zu bringen. Wenn wir dann ohne zu halten bis in die Nacht den Spuren nach links folgten, würden wir zu den erwähnten Eingebornenhütten kommen. Das war für uns halb Verdurstete eine trostlose Aussicht.
Während einer kurzen Rast am Abhange des Hochplateau's wurden wir auf eine dunkle, lange Zeit hindurch gleichsam unmittelbar über dem Plateau schwebende Wolke aufmerksam, die von meinem Diener, von dem gemietheten Führer, wie auch von uns allen als ein riesiger Heuschreckenschwarm angesehen wurde. Am Rande der Hochebene angelangt, schreckte mich plötzlich ein von den Gefährten im Wagen ausgestoßener Schrei aus meinen Träumereien.—Ein Anblick, der mir und meinen Freunden einen Schrei des Entsetzens entlockte, bot sich uns.—Die vor uns liegende, mit hohem, trockenem Gras und Gebüsch bedeckte Ebene, die wir durchziehen sollten, war ein Flammenmeer. Der Brand kreuzte unsere Wegrichtung und war 5-6 englische Meilen weit entfernt, die graue Wolke, die wir eine Stunde zuvor erblickt, waren die aufsteigenden, nach Ostsüdost getriebenen, dichten Rauchmassen. Der erste, der sich erholte, war der dunkle Führer, der uns auf die kaum 20 Schritte entfernten Wagenspuren aufmerksam machte, welche nach seiner Beschreibung mitten durch das Feuer führten. Wir hatten uns auf 600 Schritte dem Feuer genähert, das nach rechts bis an einem sozusagen parallel mit denselben laufenden Höhenzuge reichte, das Land war nach dieser Richtung hin eben; nach links senkte sich das Plateau nach der rechten Feuerflanke in eine etwa 300 Schritte breite Mulde, an deren Ende das Feuer eben zu nagen begann; diese Mulde lag im Hochplateau und war nach links von einem nach Norden felsig und steil abfallenden, etwas bebuschten, etwa 40 Fuß hohen Hügel begrenzt, der zugleich den nördlichen Abfall der Plateau-Erhebung bildete, die wir eben erreicht hatten. Was war zu thun! Rasches, sofortiges Handeln war nöthig. Wir mußten dem Feuer zu entkommen, und unsere schreckliche Wassernoth berücksichtigend, deßungeachtet vorwärts nach dem Wasser zu gelangen trachten. Die Zugthiere waren auch zu müde, um einen sofortigen Rückzug nach Süden oder Osten nach dem Vaalflusse zu nehmen, nach Osten war es auch wegen dem rasch vorwärts schreitenden Feuer nicht möglich, um so weniger, da die Zugthiere eine Hetzjagd durch das Gras wohl auf eine Meile, allein kaum auf 10 oder 15 Meilen aushalten konnten, und eine solche wäre nach Osten unvermeidlich gewesen.
Es blieb nichts übrig als vorwärts zu kommen; ja, vorwärts, allein wie, um dem Feuer auszuweichen, vom rasenden Elemente verschont zu werden? Das Gras um uns abzubrennen und so das Feuer zu erwarten war unmöglich, weil wir nebst einigen tausend Patronen 300 Pfund Schießpulver am Wagen hatten, unmöglich, weil die Wagenleinwand und das Holz durch die sengende Sonnenhitze erhitzt, kaum das Anlegen der Hand gestattete und von den vom Winde fortgetragenen brennenden Zweigen und glühenden Blättern leicht in Brand hätte gesetzt werden können und wir wohl Spiritus und Branntwein, aber kein Wasser mit uns führten. Mein Blick blieb an dem Hügel zur Linken hasten, wäre es möglich, da unten in der Schlucht durchzukommen?—Bis jetzt schien das Feuer etwa 300 Schritte von dem Hügel entfernt, doch es näherte sich uns wie dem Hügel, wenn auch dem letzteren, weil dieser etwas aus der Windrichtung lag, weniger schnell. Ja, wenn wir nur mit dem Wagen schon an dem Hügel in dem noch freien Zwischenraume angelangt wären, und so das Feuer, das etwa 100 Schritte breit war, umfahren hätten können.
Hinter dem Feuermeere breitete sich eine meilenweite, schwarze Fläche, das abgebrannte Feld, aus, über welche hie und da Flammen, die Ueberreste eines brennenden Busches aufflackerten. Meine den Gefährten mitgetheilte Ansicht fand einstimmigen Beifall. Der dunkle Diener begriff es »a Bass sol dun« und der Blick seines dunklen Auges zeigte, daß er sein Bestes thun wolle, um die Zugthiere in der angegebenen Richtung zu führen und in derselben zu halten.
Nun erst, nachdem ich mich auf mein Pferd geschwungen hatte, ließ ich meinen Blick über die Strecke schweifen, die wir zu durchfahren, nein,—zu durchfliegen hatten. Ich konnte mich eines Ausrufs nicht enthalten, denn die circa 1000 Schritt messende Entfernung (bis an den Hügel) war ein mäßiger, in den unteren Partien etwas steiler, mit niedrigen Büschen und Gras bewachsener, und mit Felsblöcken übersäeter Abhang; wie, wenn ein Rad bei dem raschen Fahren an einem der braunen Steine zerschellen würde?—Doch ich hatte keine Zeit zum Denken, meine Gefährten hatten ihre Posten eingenommen, Boly schwang die Peitsche und gab mit dem gebräuchlichen »Fat an« das Zeichen zur schleunigen Flucht—dem Feuer entgegen, um dem Feuer zu entrinnen.
Durch das Geschrei, Hiebe mit Peitsche und Aesten, doch auch durch den grauenhaften Anblick der Feuerwoge zur Rechten angetrieben, der wir mit jedem Schritte näher kamen, jagten die Ochsen mit ihrer Last, wie mit einem leeren Karren dahin. Oft wähnte ich, daß der Wagen schon auf der Seite liege, so hoch kam zuweilen ein Rad auf einen der Felsenblöcke, während die beiden Vorderräder im nächsten Momente gegen das Gestein so heftig anfuhren, daß die Stangenthiere durch den Anprall niedergeworfen wurden. Die Hitze wurde unerträglich, da wir noch immer den Wind gegen uns hatten, das Prasseln des trockenen Grases und der Büsche, von denen jedoch die meisten grünten, erfüllte die mit dichtem Qualm und brennenden Grasstengeln, Aestchen, Blättern etc. geschwängerte Luft mit einem sinnebetäubenden Getöse; das Pferd, das ich auf dieser Reise ritt, war kein scheues Thier, allein der Anblick zu seiner Rechten machte es wild und unbändig, daß ich es kaum bemeistern konnte.
Doch wir rasten weiter. Mehrmals stolperte mein Reitthier an Felsen und fiel gegen Büsche an, denn ich mußte die Wagenleinwand im Auge behalten, um etwaige, sich da ansetzende Brandstücke rasch zu beseitigen und mußte auch noch Pit dem »Führer« und Boly dem »Lenker« die einzuschlagende Richtung angeben, um den größeren Blöcken vor uns, die ich von dem Pferde aus wahrnehmen konnte, auszuweichen. Das Schreien und das Antreiben der Ochsen, welche dichte Schaumflocken abgeiferten, das Laufen über Stock und Stein, durch die brennende Tageshitze und die Gluth der nahen Flamme, hatte meine Gefährten im höchsten Grade abgehetzt; als wir endlich die Niederung erreichten, mußten wir einige Minuten Athem schöpfen, alle hatten sich mehr oder minder im Gesicht und an den Händen verwundet, waren unzählige Male gestolpert und gefallen.
In der Niederung angelangt, fanden wir, daß das Feuer sich bereits auf 100 Schritte der Anhöhe genähert hatte, während 200 Schritte weiter ab es über 100 Schritte von ihr entfernt, zu erlöschen begann, es war hier durch eine trockene Regenschlucht gehemmt, während es nach uns zu eine sehr seichte Stelle derselben, über die wir ohne Mühe gesetzt, durchgezüngelt hatte. Mein Pferd zitterte, daß es sich kaum auf den Beinen erhalten konnte und die Ochsen »bliesen« (athmeten) schwer mit zur Erde gesenkten Köpfen und doch hatten wir noch die schwierigste Aufgabe zu lösen, wir mußten, nur 30 Schritte vom Feuer entfernt, etwa 100 Schritte neben dem Brande zurücklegen, bevor wir nach links abbiegen konnten. So kurz auch die Strecke war, die wir zurückzulegen hatten, sie drohte uns sicherer Verderben zu bringen als jene, die wir von den felsigen Höhen herabgestürmt hatten. Ein zwischen mir und dem Feuer kaum 15 Schritte vom Wagen entfernter, durch einen brennenden Zweig in Flammen gesetzter, trockener Vaalbusch wurde uns zum zweiten Losungswort dieser Hetzjagd.
»Halloh an,« die Zugthiere legten sich in's Joch, doch nach kaum fünf Schritten, drängen sie von dem dichten Qualm betäubt, nach dem Felsenhügel, wobei sie den Wagen unwiderruflich umwerfen mußten. In diesem kritischen Momente setzt der neben ihnen an meiner Seite laufende Genosse auf die andere, die Hügelseite über, wo es ihm, den übrigen Genossen und dem dunklen Führer gelingt, durch Schlagen und Schreien die Thiere wieder auf die ebene Fläche herabzudrängen. Schlagt zu, schreit, sonst sind wir verloren und fliegen in die Luft! Und nun ging es durch den dichten Qualm, dicht herabnieselnde, von dem Winde aufgewirbelte Asche, durch brennende Grashalme, Rindenstücke, glühende und brennende Zweige—als wären wir bis auf das Gefühl der Selbsterhaltung sinnlos geworden—mitten durch das Verderben vorwärts, um jene freiere, nur noch 80, 70, ja nur noch 50 Schritte entfernte, uns Rettung verheißende Stelle zu erreichen. Die Hize wurde so furchtbar, daß ich jeden Moment die Wagenleinwand aufflackern zu sehen wähnte.
Nur noch 20 Schritte—ob es die Zugthiere nur aushalten, sie keuchen und wanken im Joche!—Endlich, Gottlob, da sind wir, zu unserer Linken ein freies Grasfeld, zu unserer Rechten die etwa 10 Fuß tiefe und 12 Fuß breite Schlucht und darüber hinaus das schwarz verkohlte Gras. Ich springe aus dem Sattel, nehme ihn rasch ab und lenke meine Schritte zu den Gefährten, die sich in's Gras geworfen hatten. Sie konnten kaum ein Wort hervorbringen. Ihre Gesichter sind blutroth, die Hände, von den knorrigen Aesten und dem häufigen Fall blutig geritzt und geschunden, die Augen drohen aus den Höhlen zu springen. Pit's Kleider, der mit den Frontochsen zuerst die Hindernisse (Büsche etc.) zu bewältigen hatte, sogar sein Hemd war in Fetzen zerrissen, vom Rücken und von der Brust tröpfelte Blut aus langen, doch glücklicher Weise nicht tiefen Rißwunden.