Die alte verfallene Kirche war durch eine neue ersetzt worden, welche einem unserer gewöhnlichen, ländlichen Arbeiterhäuschen nicht unähnlich, in Taung außer dem Missionshause das einzige im europäischen Style gehaltene Gebäude war und von der hiesigen Gemeinde mit nicht geringem Stolze angesehen wurde. In ihrer Nähe hing in einer eingepflanzten Baumgabel ein Glöckchen, deren Schall hinreichte, die kleine Gemeinde zur Versammlung aufzufordern.

Der Schmied in der Schlucht, hinter dem Missionsgebäude war mit dem Schmieden eines jener schweren Rosenkränze beschäftigt, deren sich die Gerechtigkeit bedient, um Uebelthäter zu strafen und an den Ort ihrer Einsamkeit zu fesseln; er war für einen Cap-Bastard bestimmt, der einen Jungen in der Stadt erschossen, und nun an die Behörde von Klipdrift ausgeliefert werden sollte.

Am Nachmittage des 12. November setzten wir unsere Reise in nordnordöstlicher Richtung und in mäßiger Entfernung vom Hart-River aufwärts bis zu dem von Barolongen bewohnten Kraal (Stadt) Maruma fort, welcher Ort unter der Oberaufsicht eines gleichnamigen Chefs stand. Bevor wir diese, am Abhange einiger Höhen und in einem engen in das Hart-Riverthal einmündenden Seitenthale gelegene Stadt erreichten, begegneten wir zahlreichen von der Feldarbeit heimkehrenden Frauen, welche sehr primitive eiserne Hauen und Holzbündel trugen.

Das Thal, in dem Maruma liegt, würde dem Maler eine anziehende Felsenscenerie bieten und ich bedaure nur, von anderweitigen Beschäftigungen während des Aufenthaltes in derselben so sehr in Anspruch genommen worden zu sein, daß ich es selbst nicht skizziren konnte. Felsenthore und schroff abfallenden Ruinen nicht unähnliche Felsen wechseln hier ab, und durch sie einerseits, sowie durch die an dem gegenüber liegenden Abhange sichtbaren dunklen Eingebornengehöfte andererseits wird das den Boden des engen Thales schmückende Grün sehr gehoben.

Trotz der letzten heftigen Regen war das Flüßchen des Thales bis auf einige in demselben gegrabene Löcher vollkommen trocken, der Regen war nur auf gewissen, äußerst beschränkten Partien gefallen.

Bevor ich Dutoitspan verließ, hatte ich eine Meerkatze erstanden, welche ich der Unterhaltung halber mit mir nahm. »Monkey« hatte ihren Sitz oben am hinteren Wagenende und war mit einem Kettchen an eines der Seitenbretter gebunden. Komisch war es anzusehen, mit welcher Angst der Affe die Gebüsche und Bäume beobachtete, an denen wir knapp vorbeifuhren, und welche oft die Seiten des Wagens oder das Dach streiften. Er legte sich flach auf das Wagendach, um dürre Aestchen über sich hinwegstreichen zu lassen, während er bei stärkeren hinten auf das untere Wagenbrett herabsprang, um, so wie wir die vermeintliche Gefahr passirt hatten, seinen früheren Sitz sofort einzunehmen. Dieses zeitweilig recht bissige Affendämchen hatte Tag für Tag längere Zeit einer äußeren Besichtigung und Untersuchung des Thürmchens am Wagen gewidmet. Steckte Einer von uns seinen Kopf zu einem von dessen vier, nur mit einem Drahtnetz überzogenen Fenstern heraus, so kam sie, leise die Zähne aneinanderschlagend—was bei ihr eine Bitte oder Zufriedenheit ausdrücken sollte—heran und trachtete in das Innere des Wagens hineinzuschlüpfen, was wir natürlich nicht gestatten konnten, da unter dem Thürmchen die eine der beiden Zucker, Reis, Kaffee, Thee, Zwieback etc. enthaltenden Speisekisten aufbewahrt lag. Monkey wußte uns indeß doch zu überlisten und sehr geschickt in das Drahtnetz Bresche zu legen. Obgleich wir den Einbruch bemerkt hatten und das Dämchen zur Flucht zwangen, hatte sie sich doch schon ihre Backen mit Reis gefüllt, während sie mit beiden Händen ein riesiges Brodstück nachzuschleppen sich bemühte.

Zur Mittagsstunde des 13. November verließen wir das Thal und hielten schon nach einer kurzen Fahrt zwischen einigen Felsenhügeln, an einer üppigen Weidestelle. Während der Rast erlegte ich einen schönen Raubvogel (Melierax canorus) und die schon früher erwähnte Art eines Landleguans.

[Bei Taung um Branntwein bestürmt.]