An einem seichten Bache bemerkte ich einen schuppigen Gegenstand, der sich bei näherer Besichtigung als eine der genannten Riesenechsen entpuppte, welche sich bei meiner Annäherung zu verbergen suchte. Ein Schrotschuß tödtete sie auf der Stelle und verschaffte mir den ersten Balg dieser Species, dem später noch mehrere folgten. Zum Wagen zurückgekehrt, traf ich einige mit einem alten, dachlosen Wagen auf ihre Viehposten ausziehende Barolongen von Maruma. Der Wagen, dessen vier Räder nicht in einer und derselben Werkstätte gearbeitet waren, schien jeden Moment auseinanderfallen zu wollen, welcher Befürchtung ich dem Eigentümer desselben gegenüber Ausdruck gab; doch dieser lachte, daß seine Perlenzähne glänzten und meinte, der Koluj (Wagen) müsse noch oft den Weg hin und zurück machen. Um uns von der Reisetüchtigkeit desselben zu überzeugen, setzte er das Gespann vor unseren Augen in Bewegung; das war ein Getöse, Geklapper, Geknarre und Gepolter, jedes Rad hing anders und lief anders, die Seitenbretter bogen sich und die Bodenbretter schnellten auf und nieder zum nicht geringen Vergnügen der in einer dichten Gruppe auf dem Wagen sitzenden Frauen und Kinder.

Wir näherten uns nunmehr der nordöstlichen Grenze des Batlapinenreiches und ich hoffte bald jenes schon erwähnte, kleine unabhängige Königreich der Mamusa-Koranna's zu erreichen.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 13].

Am 14. November wandten wir uns direct nach Norden und kamen auf eine sehr ausgedehnte, mit hohem Buschwerk bewachsene Ebene, auf welcher heftige Regengüsse uns zu öfterem Stillstande nöthigten. Zwischen den hohen Marethwa-Büschen sprangen häufig Antilopen auf und entfachten meine Jagdlust. Doch diesmal war die Jagd keine leichte, ich mußte unaufhörlich das Pferd bald nach rechts, bald nach links wenden, um den gruppenförmig beisammenstehenden Büschen auszuweichen. Ich sah jedoch bald ein, daß ich auf diesem Wege nicht zum Ziele gelangen könne, ich mußte meine Taktik ändern und geradewegs durch die Büsche jagen. Schon setzt das Pferd in einen kleinen Busch, doch plötzlich hielt es an; es ist in ein niederes, kaum 1½ Fuß hohes, mit Doppeldornen versehenes Mimosengebüsch gerathen; ehe ich das Pferd zurücklenken kann, macht es, wohl in der Absicht um darüberzukommen, einen zweiten, einen dritten Satz, doch leider nur immer tiefer in den Dornbusch hinein, es fängt endlich an auszuschlagen—armes Thier; ich sehe zwar vor mir eine kleine offene Stelle in dem größeren Gebüsche, doch derart mit Wartebichidorn überhangen, daß ich keine Lust verspüre, den Versuch eines Durchbruchs zu wagen. Aufwiehernd macht das Pferd noch einen Satz, der Vorderleib des Thieres war nun wohl aus den Dornen, doch war mir Hut und Jacke zerrissen; mit den Hinterfüßen noch immer in den Dornen gefangen, schlägt der Rappe wieder und wieder aus und hopp—hopp—gerathe ich selbst immer tiefer in die Dornen hinein.

[In Dornen gefangen.]

Nicht alle Kinder Flora's spenden Wohlgerüche und Honig, manche, die Armen, sind von ihr stiefmütterlicher bedacht worden und diese lassen nun ihren Unmuth, wo sie nur können, an den Sterblichen aus; Mutter Flora hat viele solcher Stiefkinder nach Süd-Afrika verbannt; mich haben sie oft geherzt und geküßt, doch wenn ich auch Afrika wieder aufzusuchen gedenke, nach ihnen sehne ich mich wahrhaftig nicht.—Je mehr ich mich der dornigen Umarmung zu entwinden suchte, desto fester wurde diese endlich kam der Gaul mit den Beinen aus dem niederen Dorngebüsch heraus, wurde ruhiger und ich konnte nun, das Gewehr auf den nächsten niederen Busch werfend, abzusitzen trachten. Es gelang mir schließlich, das Pferd durch eine schmale Spalte aus dem Gebüsche heraus zu ziehen und uns beide von den Dornen zu befreien. Gesicht und Nacken, Hände und Arme, sogar die Schenkel brannten wie Feuer; ich kam zum Wagen zurück wie ein Held aus einer Katzenschlacht.