[Billige Diamanten.]

Ungefähr um die Mittagszeit fuhren wir in einen seichten Thalkessel ein. Am Abhange der Felsenhöhen erblickten wir einige Eingebornen-Gehöfte. Der Kessel öffnete sich nach Osten zu auf eine große, mit hohem, dürrem Gras bewachsene Ebene, auf der sich eine Heerde der zierlichen Springböcke in Neckereien erging. Als wir nach unserem Mahle und einer etwa zweistündigen Rast weiter ziehen wollten, sahen wir von Norden her einen Kafirwagen herankommen. Pit begrüßte den Eigenthümer, einen in einen langen Ueberrock gekleideten Batlapinen, den er von Klipdrift her kannte. Dieser Mann war früher arm, jetzt, meinte Pit, wäre er reich, hätte große Heerden und zwei Wägen und wandere unter den Barolongen zwischen dem Hart-River und dem Molapo, um ihnen allerlei Artikel, die er in den Diamantenfeldern einhandle, zu verkaufen. Als der Ankömmling von Pit hörte, daß wir von den Diamantenfeldern kämen, fragte er, welcher der Baß (der Herr) des Wagens sei. Nachdem er es erfahren, grüßte er mich mehrmals mit seinen kleinen listigen Augen, ging zweimal um den Wagen herum und dann an mich herantretend berührte er mit der Hand seinen Hut und sagte »Sir«. Dabei brachte er aus seiner Tasche eine etwa drei Zentimeter hohe und sechs Zentimeter im Durchmesser haltende Blechdose, wie sie in der Regel den Eingebornen als Schnupftabaksdose verkauft wird, zum Vorschein. Grinsend schüttelte er das Döschen. Ich begriff sofort, auf welche Weise der Mann reich geworden war. Mit der Hand nach den bei seinem Wagen stehenden Dienern weisend, meinte er, die hätten in den Diamantenfeldern gearbeitet und ihm dies—dabei öffnete er die Dose—heimgebracht. In der Dose lagen etwa 20 Diamanten, der größte etwa 3 Karat. Obgleich er blos 30 Shillinge für die Edelsteine verlangte, ging ich auf den Kauf nicht ein, denn die Steinchen waren jedenfalls von den Dienern des Schwarzen in den Diamantenfeldern gestohlen.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 14].

Auf dem nachmittägigen Marsche fing ich eine größere Anzahl von Rüsselkäfern unter den Blättern einer lilienartigen Pflanze, sowie mehrere, noch nicht beobachtete Heuschreckenarten. Als wir Abends bei strömendem Regen unter dem Schutze eines ausgespannten Segeltuches unser Lager ausgeschlagen hatten, entfesselte unser Affendämchen die Lachlust Aller. Ich reichte ihr einige Käfer, die kleineren nahm sie in ihre Hände, beroch sie, und dann den Kopf ohne oder mit dem Thorax vom Hintertheile abreißend, verspeiste sie dieselben. Mit Heuschrecken that sie ein Gleiches, dagegen warf sie übelriechende Insecten, der letzteren Species angehörend, sowie eine Meloë weg, dasselbe that sie mit einigen Silpha's (Silpha). Zwei erlegte Eidechsen, die ich ihr reichte, warf sie vom Wagen, anders jedoch geberdete sie sich, als ich ihr eine frisch erlegte Buffadder gab. Im Nu war sie auf der anderen Wagenseite, dann lugte sie vorsichtig nach mir aus, und als ich mich ihr wieder nahte, lief sie das Wagendach entlang und zerrte mit voller Kraft an dem Kettchen.

Unser Weg führte uns nächsten Tages über kurzbegraste Hochebenen, über welche Millionen beflügelter, großer Ameisen schwärmten. Die Regengüsse der letzten Tage ließen mich hoffen, überall Wasser zu finden, und hatten wir uns deshalb an unserer letzten Raststelle damit nicht versehen, noch die Thiere vor unserer Abfahrt getränkt. Leider fanden wir keines und mußten von Durst gequält unsere Wanderung bis zu später Abendstunde weiter fortsetzen. An der Abzweigung eines nach Norden streichenden Thales öffnete sich plötzlich eine Felsenschlucht vor uns, die nach Regengüssen augenscheinlich Wasser enthalten mußte. Diese Stelle umgehend stieg ich in das tiefe Felsenbett des nur nach Regen fließenden Spruits, eines Zuflusses des Mokara-Rivers, herab und fand hier mehrere an beiden Seiten einmündende Schluchten, und da die Wände dieser Schluchten theils von senkrechten nackten, theils von terrassenförmigen und überhängenden Felsen gebildet wurden, boten sie viele interessante und des Besuches werthe Punkte.

Vergebens suchte ich im sandigen und steinigen Bette nach Wasser und wollte eben die Tiefe verlassen, als einige von der gegenüber liegenden, steilen Felsenwand wie mir schien herabgekollerte Steine mich aufwärts blicken hießen. Oben in den Bäumen, sowie an den Felsen bewegte sich eine Truppe von Pavianen. Da mir die Thiere mit den herabkollernden Steinen über meinem Kopfe nicht gefielen, dachte ich sie mit einem oder zwei Schüssen zu verscheuchen. Auf einen der überhängenden Bäume zielend, feuerte ich auf den Stamm, in dessen kleiner Krone zwei Paviane saßen. Die in den Stamm eindringende Kugel erschütterte den ganzen, nur lose in den Felsenfugen hängenden Baum und erfüllte die beiden Insassen desselben derart mit Entsetzen, daß der eine hoch aufsprang, der andere sich fest an den Stamm anklammerte. Ein altes Männchen erschien nun bellend am Fuße des Baumes, ergriff jedoch, nachdem es einige große Felsstücke losgebröckelt hatte und ein zweiter Schuß neuerdings den Baum traf, mit den übrigen die Flucht.

[Von Pavianen überrascht.]

Der Hügel, den ich sodann bestieg, mußte den Makalahari- oder anderen hier vor 100 und mehr Jahren wohnenden Eingebornenstämmen zum Aufenthalte gedient haben, die Kuppe war nämlich von einer Unzahl kleiner, aus Steinen roh (ohne Zierat) ausgeführter 2-3 Fuß hoher, und 4-8 Meter im Gevierte haltender Umzäunungen bedeckt. Manche der Betschuanastämme behaupten, daß diese Stellen von ihren Voreltern bewohnt waren, allein es scheint mir unwahrscheinlich, daß die Nachkommen diese Gewohnheit ihrer jüngsten Vorfahren so bald aufgegeben hätten.