16) Die theilweise Verschmelzung des Koranna-Elementes mit dem der Barolongen in Konana hatte theilweise zur Folge, daß die Wohnungen im Style der Betschuana's aufgeführt, reinliche Gehöfte darstellten. Ein ziemlich großer Theil der Bevölkerung hatte sich schon an den Gebrauch europäischer Kleidung gewöhnt. Dagegen konnte man jedoch auch deutlich beobachten, daß Frechheit eine der Untugenden ihrer Bewohner war und diese war dadurch begründet, daß viele derselben längere Zeit in den River-Diggings als Diener und zwar in der ärgsten Zeit, unmittelbar nachdem die Diamantenfelder aufgefunden wurden, gearbeitet hatten. Daß sie nicht auch den Branntweingebrauch hierher verschleppt, war in dem Verbote von Seite des Herrschers dieser Landstriche, des Königs Montsua, begründet. Auf meiner Fahrt von Konana nach Molema's Town traf ich drei Eingeborne, welche gemeinschaftlich einen Hinterlader ihr Eigenthum nannten. Darüber erstaunt, wurde ich belehrt, daß dies hier zu Lande häufig vorkomme: die Miteigenthümer gehen dann gemeinschaftlich auf die Jagd und einen Tag benützt ihn der Eine, am nächsten der Zweite u.s.w. Die Beute wird ohne Rücksicht auf die Leistungen der einzelnen Jäger zu gleichen Theilen vertheilt. Schießen sie zwei oder blos ein Zebra, so theilen sich zwei in das Fleisch, der Dritte nimmt das Fell. Doch häufiger geschieht es, daß jeder der Eigenthümer tourweise mit seinen Dienern während einiger Wochen der Jagd obliegt.
17) Aus den Fellen der beiden letzteren werden Carossen verfertigt und dem Könige verehrt oder an die in Moschaneng wohnenden Händler verkauft, d.h. gegen Waaren ausgetauscht, um von diesen wieder nach Süden gesendet und hier als Bett- oder Sophadecken, oder als Zimmerschmuck feilgeboten zu werden. Für eine Caracal-Carosse von zehn Fellen, welche in Süd-Afrika als Roikat-Karossen bekannt sind, erhält der Eingeborne Waaren im Werthe von 3 £. St., in Moschaneng z.B. folgende Gegenstände: 1. Zwei Wolldecken und eine Hose; 2. einen Rock, eine Banmwolldecke, sechs farbige Tücher, oder 3. zehn Pfund Schießpulver. Beim Wiederverkaufe begehrt der Trader 4 £. St. in barem Gelde, in der Colonie 4-10 £. St., oder 5 £. St. in Waaren. Eine aus vier Leopardenfellen gearbeitete Carosse wurde mit einer Muskete, zwei Sack Schießpulver, 10-15 Pfund Blei, einer Dose Zündhütchen und einem kleinen Geschenk als Zugabe bezahlt, und in Moschaneng für 9 £. St. in der Colonie für 10-13 £. St. in Barem feilgeboten. Gegenwärtig, wo durch das Waffen-Einfuhrsverbot die Gewehre entfallen, würde der Kaufpreis einen Anzug, zwei Wolldecken, ein Paar Stiefel und ein großes Frauentuch, oder mit der Zugabe eines Schafes zu der Carosse, einen Pflug betragen. Eine Carosse aus Silberschakalfellen (Canis mesomelas), gewöhnlich aus 14 Fellen gearbeitet, hat in Moschaneng einen Werth von 4-10 £ St., eine aus 30 Klippdachsfellen, einen solchen von 3-10 £. St., eine Carosse aus den Fellen der gewöhnlichen bläulich-grauen Wildkatze 3-10 £. St., eine aus 16 Proteles-Lalandiifellen 4 £. St., eine aus 6 Tharifellen 8 £. St. und eine aus 32 Genettafellen einen Werth von 4-10 £. St. Die schönsten Carossen (für das Auge) sind die Silberschakal-Decken, die schönsten Felle liefern die Batlapinenländer und der südlich vom Molapo liegende Theil der von den Barolongen bewohnten Striche.
18) Während meines Aufenthaltes in Moschaneng hatte ich Eingeborne und Weisse in folgenden Krankheitsfällen zu behandeln:
| Person | Krankheit | Ursache | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Montsua, König der Barolongen | Chron. Rheumatismus mit Ablagerungen inden Kniegelenken | Verkülung d. Nässe | |
| Seine älteste Frau | Marasmus | ||
| Eine zweite Frau | Pneumonie beid. Lungen | Verkülung d. Nässe | |
| Eine dritte Frau | Herzvergrößerung, Aortenstenose. | " | Rheumatismus vorhergehend |
| Des Königs Bruder | Lumbago | " | |
| König Chatsitsive | Ischias | " | |
| Prediger Jan Leschumo | Coprostasie | --- | |
| Seine Frau | Herzvergrößerung, Isufficienz der Aorta | Verkühlung d. Nässe | Rheumatismus vorhergehend |
| Sein Sohn | Tuberculosis beid. Lungen | --- | selten |
| Pit, ein Barolonge | Ischias (seit 17 Jahren) | eine alte Wunde | |
| Eine Barolongin einer Pneumonie | Reconvalescent nach | Verkühlung d. Nässe | |
| Jan, ein Barolonge | Abscesse am linken Fussrücken, Cariöse Knochen | Verwundung durch einen eingetriebenen Dorn | |
| Ein Weißer Händler Kanja | 4 tägiges Intermittens, Leberverhärtung, Hydrothorax Hydropericardium | Fieber | häufig unter den Weißen |
19) Zu den unwirschesten Gesellen der afrikanischen Katzenwelt gehört unstreitig der Caracal (Caracal melanotis) von den Boers det Roikat genannt. Dicht bebuschte Felsenpartien, dichtbelaubte, hohe Bäume an schwer zugänglichen Flußufern sind seine Lieblings-Aufenthaltsorte, an denen er zusammengekauert, anscheinend schlummernd, doch die Umgebung ringsum wohlbeachtend, den Tag zubringt. Kleines Wild wird von dem Caracal mit Tatzenhieben erschlagen oder betäubt. Seine Muskelkraft ist bedeutend größer als man bei der Größe des Thieres vermuthen würde. Ob seines röthlichen Felles weiß er sich leichter dem Auge des Menschen zu entziehen als der Thari und gelingt es selten, ihn zu erlegen. Sein Fell wird zu sehr gesuchten Carossen verarbeitet, doch da es zu lange währt, bis ein Betschuana so viele Felle erwirbt, um eine ordentliche Carosse verfertigen zu können, kommen nur kleine, acht bis zehn Felle enthaltende Roikat-Carossen in den Handel. Ich brachte einen Caracal nach Europa mit, er befindet sich gegenwärtig in dem Zoologischen Garten zu London. Er hatte an dem Fish-River-Rand, einen dicht bebuschten sich zum Fish-River neigenden Abhang zwischen Grahamstown und Cradock seine Heimat und war ein Geschenk des Rev. Dean Williams von Grahamstown.
20) Ich möchte unter den Ruinen von Mosilili's Stadt namentlich die gewölbten Innenbauten hervorheben und dabei schon auf den Unterschied zwischen den Bauarten der Barolongen und Batlapinen hinweisen. Die Wände der Häuptlingswohnung und der übrigen Hütten waren 3-5 Fuß hoch, die Wanddicke an der Basis 5, oben 4-4¾ Zoll. Sie bestanden aus einer Innenlage und einer Umhüllung, welche die erstere deckte. Die letztere bestand aus einem aus Thon und Sand gearbeiteten Cement und der Innenbau aus einer Reihe von in die Erde eingetriebenen und nur an und nebeneinander befestigten Stäben, Ruthen, Schilfrohr, doch auch trockenem Zuckerrohr und Kafirkornstengeln, auf welche der Cement aufgetragen wurde. Die Bauten waren so elastisch, daß wir eine ganze Rundwand durchschütteln konnten, ohne daß Sprünge entstanden oder die Mauer vielleicht eingestürzt wäre. An einigen Hütten fand ich, daß man den Cement auf die innere Holzlage dünn aufgetragen hatte, dann ihn trocknen ließ und eine zweite Lage anbrachte und so weiter. Wir konnten sechs deutlich unterscheidbare Lagen wahrnehmen, wobei die Basis der Mauer 12 Zoll, die obere Kante 6 Zoll breit war. An manchen der Gehöftsmauern fanden wir kleine aus größeren Steinen oder Dornenästen aufgeführte zwei bis vier Fuß hohe Umzäunungen, welche als Ställe dienten. Der Boden in dem Höfchen war festgestampft, oder wir fanden ihn mit Cement, oder auch mit Rinder-Ererementen überdeckt, in einigen wenigen mit ungebrannten, in dem des Königs mit gebrannten Ziegelsteinen gepflastert. In vielen Gehöften war dies mit Steinplatten geschehen und in manchen eine Cementlage auf die Steinplatten aufgetragen worden. In einem Höfchen beobachtete ich ein erhöhtes, mit Topfscherben ausgelegtes Trottoir. Neben der inneren Mauer lief in einem andern Gehöfte eine um drei bis vier Zoll erhöhte, cementirte Stufe, welche wohl den hier Versammelten als Sitz zu dienen hatte. Der Durchmesser der Häuschen war 6-12 Fuß. Bei den meisten war das Dach durch die Verwitterung der Aeste (Pfähle), bei manchen durch Feuer zerstört. Ich fand nur zwei gedeckt und in dem einen ein Betschuanaskelett. Es mochte wohl ein alter Mann gewesen sein, den man mitzunehmen nicht werth gefunden und der hier Hungers gestorben war, oder ein Wanderer, der in der Hütte ein Nachtlager gesucht und von einer Schlange gebissen, hier verschmachten mußte. Dem Schädel nach schien es mir ein Banquaketse zu sein; ich räumte ihm eine Stelle unter meinen anatomischen Präparaten ein. Topfscherben, Ueberreste von hölzernen Stampfblöcken, Schüsseln, Löffeln waren überall zu sehen, auch jene glatten Steine, zwischen denen der Rauchtabak zu Schnupftabak zerstäubt wird. Was mir besonders auffiel, war der verschiedenfach geformte Eingang in diese Häuschen, einmal viereckig, dann oben spitzig zulaufend oder abgerundet, oder aber unten eng und oben breiter, gewöhnlich 1¼-1½ Fuß breit und 1¾-3 Fuß hoch. Die Räume der Wohnung des Häuptlings waren die umfangreichsten, doch das auffälligste in der Ruinenstadt waren die kegelförmigen, aus zwei bis drei Absätzen bestehenden den Schmelzöfen nicht unähnlichen, gedeckten, aus eisenhaltigem Thon ausgeführten und in die obbeschriebenen gewöhnlichen Wohnungen eingebauten Kammern. Diese Kammern waren noch einmal so hoch, als die sie ringförmig (concentrisch) umgebende Mauer des Häuschens, allein das Dach des letzteren deckte auch den inneren Bau, indem seine Spitze auf der Kuppe des letzteren aufruhte. Ich fand diese Innenbauten auch bei den Bakwena's, ohne mich jedoch vergewissert zu haben, ob sie Pilani dorthin übertragen hat, was ich jedoch bezweifeln möchte, schöner und geräumiger auch bei den am zentralen Zambesi wohnenden Marutse im Gebrauch.