11) Nachdem Gassibone sein Gebiet der Transvaal-Republik angeboten und diese es auch angenommen, fürchtete sich Mankuruana, daß er ein Unterthan dieses Staates werden müsse, und bot sein nördlich vom Hart-River bis gegen den unteren Molapo sich erstreckendes Gebiet, mit Ausnahmne einer kleinen Strecke bei Taung, der englischen Regierung an, die es nicht annahm. Ich erlaubte mir, als dies geschah, die Colonial-Regierung auf Mankuruana's Charakter aufmerksam zu machen, hauptsächlich darauf, daß man seiner Erklärung von »Loyalität und Freundschaft« nur wenig glauben schenken dürfe. Die Folge betätigte meine Ansicht: sowie der Transvaal-Staat englisch geworden war, änderte er sein Spiel, erst in allerletzter Zeit zeigte er sich abermals freundlicher und englisch gesinnt, dies jedoch nur, nachdem sich seiner Vasallen, Mora von Kuruman zu Ungerechtigkeiten den Weißen gegenüber hinreißen ließ und dafür gezüchtigt wurde.
12) Als in der Mitte der Fünfziger Jahre die Freistaatboers in einem Kampfe mit dem im Südosten wohnenden Basutokönig Moschesch begriffen waren, benützten einige südlich vom Vaal wohnende Koranna's mit ihrem Häuptling Kousop (Kusop) die durch diesen Krieg hervorgerufene Entblößung der nordwestlichen Freistaatfarmen von der männlichen Bevölkerung, die zu dem Kriege abcommandirt war, um hinterlistiger Weise die ihnen zunächstgelegenen Niederlassungen der Weißen zu überfallen, und nachdenm sie die Frauen und Kinder getödtet, mit den gesammten Heerden in ihre Heimat zu flüchten, und da sie sich nach dieser ruchlosen That im Freistaate nicht sicher fühlten, ihre Niederlassung zu verlassen und über den Vaalfluß zu setzen. Kusop begab sich zu Gassibone, dem Vater des von mir besuchten Chefs der Batlapinen, und nachdem er ihm von seiner Beute Geschenke abgegeben, erhielt er von diesem die Erlaubniß—da Gassibone als der Paramont Chef das eigentliche Oberhaupt der Batlapinen anerkannt war—sich in seinem Gebiete niederzulassen. Als die Batlapinen die schönen Heerden sahen, die Kusop geraubt, waren sie, als ihnen die Söhne des alten Gassibone, Pohu'tsive und Bojong, den Befehl ertheilten, sofort bereit, sich zu einem Raubzuge nach dem Freistaate zu rüsten, an welchen sich auch ein benachbarter Chef der Bamairen »Motlabane« betheiligte und auf welchem auch die Transvaalfarmen im Osten überfallen wurden. Da der Krieg mit Moschesch noch nicht beendet war und der Überfall nach der Ostseite plötzlich geschah, fanden die wilden Horden weder im Freistaate noch im Transvaalgebiete erheblichen Widerstand und kehrten mit zahlloser Beute beladen in ihre zwischen dem unteren Hart- und dem mittleren Vaal-River gelegenen Wohnsitze zurück. So wie sich jedoch die Nachricht von diesen Ueberfällen im Freistaate und dem Transvaalgebiete verbreitete, rüsteten sich alle jene der Farmer, die nur abkommen konnten, gegen Kusop, er wurde im Kampfe getödtet und ihm ein Theil der geraubten Heerden nebst seinen eigenen abgenommen. Die übrig gebliebenen seiner Leute flüchteten sich gegen Mamusa, oder folgten den Farmern, um in deren Dienste zu treten. Pohu'tsive, der die Vergeltung seiner räuberischen That an seines Vaters Kraal fürchtete, dachte, daß es besser wäre, die holländischen Farmer, bevor sie noch ihre Farmen erreichen konnten, anzugreifen, zu vernichten und ihnen die Heerden abzujagen. Sein Plan ging dahin, die Truppe der Weißen zu umzingeln. Doch die Angreifer wurden zurückschlagen, zerstreut, ihre Reihen nach allen Seiten durchbrochen, und der Führer getödtet, bevor er seines Vaters Kraal erreichen konnte. Ohne den Angriff Gassibone's des Vaters abzuwarten, griffen nun die Farmer, die außerdem durch Zuzug verstärkt worden waren, ihn, sowie seinen Bundesgenossen Motlabane an und schlugen beide, der erstere wurde später enthauptet. Die so zerstreuten Koranna's, Batlapinen und Bamairen flüchteten nach Taung, und da es manchen noch glückte, mit den gestohlenen Heerden zu entkonmmen, so folgten die Krieger in ihren Spuren bis nach Taung. Mahura, der König der östlichen Batlapinen, hatte jene Raubzüge der übrigen südlichen Batlapinen nicht gebilligt, allein er zeigte sich nicht willig, die zu ihm geflohenen Stammesgenossen mit ihrem geraubten Gute auszuliefern. Darum setzte er sich zur Wehre, nahm den Kampf auf und stellte sich den Farmern entgegen. Er wurde geschlagen und seine Leute flüchteten sich in die felsigen Höhlen über der Stadt, nach der holländischen Version sie zu vertheidigen trachtend, nach der eigenen nun von den unten campirenden Boers, wo sie sich blicken ließen, niedergeschossen zu werden. Der Sieg über Taung führte zu einem Frieden, den die Söhne Mahura's im Namen ihres Vaters mit † unterzeichneten, die Friedensbedingungen waren überspannte und grausame, da doch Mahura's Batlapinen sich keiner Räubereien gegen die Boers schuldig gemacht hatten. Die Strafe lautete auf Auslieferung einiger der Freibeuter und die Zahlung von 8000 Stück Rindvieh, 390 Pferden und 500 Musketen, eine Kontribution, welche die vereinigten Batlapinenstämme zu jener Zeit nicht aufbringen konnten.
13) Mankuruana's Batlapinenreich stellt gleich den übrigen nördlich liegenden Betschuanareichen ein Parallelogramm dar, dessen lange Seiten von West bei Nord nach Ost bei Süd und von West nach Ost laufen. Die östliche Grenze dieser Reiche wird theilweise vom Hart-River, theilweise vom Marico-District der Transvaal-Republik, dem unteren Maricolaufe, sowie von dem centralen Limpopo gebildet, die westliche erstreckt sich tief in das Kalabari-Bushveldt bis nach Groß-Namaqualand. Die regierenden Stämme der Betschuana's, die Batlapinen, Barolongen, Banquaketsen und Bakwena's, sowie einige ihnen verwandte Stämme, denen gestattet wurde, im Lande zu wohnen, die Bamairen, Botlaro's, Baharutse, Makhosi, Manupi, Batloka und Bakhatla wohnen in dem östlichen Theile des Gebietes, in Gegenden die wasserreich sind, während die wasserarmen, theilweise centralen, theilweise westlichen Striche von ihren Dienern, den Makalahari's, den Barwa's und Masarwa's, bewohnt werden. Die Makalahari, auch Bakalahari genannt, können, wenn sie dem Könige langjährige gute Dienste erwiesen, sowie wenn sie ihren Herren durch glückliche Jagden viel Nutzen brachten, von diesen frei erklärt werden, es wird ihnen dann gestattet, in der Residenz des Königs oder eines Unterchefs zu wohnen und sie werden als Batlapinen oder Barolongen etc. betrachtet und behandelt. Rev. Mackenzie, der seit 20 Jahren Gelegenheit hatte, das Verhältniß zwischen beiden Stämmen, den Dienern und Herren, zu beobachten, bemerkte, daß die Diener auch Bakhalahatsane oder Bathu-hela (»Menschen«, oder »gleich anderen Menschen«) von den letzteren genannt werden. Unter den Betschuana-Reichen ist das Mankuruan's das kleinste, und bisher das am wenigsten ergiebige gewesen, doch wenn der Stamm durch die gegenwärtigen, von Seite der Regierung in Griqualand-West ergriffenen Maßregeln arbeitsamer geworden, wird er durch Ackerbau und Viehzucht leicht emporkommen können, wobei ihm die Nähe der Diamantenfelder besonders zu Gute kommt.
14) In den Diamantenfeldern war die Ansicht allgemein verbreitet, daß die in denselben arbeitenden Schwarzen ihren Chefs Diamanten von den Feldern in die Heimat mitzubringen verpflichtet wurden. Ich glaube nicht, daß dies regelmäßig geschieht und von allen Eingebornen-Chefs gefordert wird, doch von manchen Häuptlingen, wie von Secoccuni und anderen geschah es ganz sicher; daß jedoch viele Betschuana's ihre Makalahari- und Barwadiener nach den Diamantenfeldern zur Arbeit senden, ohne daß deren Häuptlinge von diesen Diebstählen wissen, ist ebenso gewiß. Die Haupturheber der zahllosen an den Diggers von Seite ihrer farbigen Diener begangenen Diebstähle sind jedoch weniger die unwissenden Eingebornen, sondern jene Bande von verkommenen Weißen und Halfcasts, welche eine wahre Plage der Diamantenfelder sind, und trotzdem viele von ihnen von dem Arme der Gerechtigkeit erreicht wurden, ihr Unwesen noch lange forttrieben. Die Behörde hält sich natürlich in erster Linie an den factischen Verbrecher, sie trachtet aber auch den Anstifter zu eruiren. In dem Falle in dem ein Weißer oder Halfcast der Schuldige war, wird der Dieb dies sofort eingestehen, dagegen wohl nie, wenn der Dieb von seinen Angehörigen, von seinen gleichfarbigen Herren daheim, nach dem Diamanten-District »zur Arbeit« gesendet wurde. Die Meisten erdulden ihre Strafe, ihre Lasches und ihr bis dreijähriges Gefängniß, ohne etwas zu verrathen, daheim hätten sie im entgegengesetzten Falle die Rache ihrer Herren zu fürchten.
15) Die ethnographischen Verhältnisse auf dem Gebiete zwischen dem Konana-, Hart- und Vaal-River lassen erkennen, daß sich das Koranna-Element vom Süden nach Norden ausgebreitet hat. Ich glaube, daß die Hottentotten, die längs der Westküste nach dem Süden zogen und den westlichen Theil der Cap-Colonie bevölkerten, sich theilten, d.h. durch Streitigkeiten und Kriege unter sich verfielen und theils gezwungen theils freiwillig jene Gebiete verließen, wobei ein Theil im Thale des Oranje-Rivers nach aufwärts zog (das folgen der Flüsse ist ein Charakteristicum in der Verbreitung des Hottentotten-Stammes) und sich endlich in den fruchtbaren Gefilden an der Vereinigung des gelben und schwarzen Gariep (Oranje- und Vaal-Rivers) niederließ. Die veränderte Lebensweise, Einwirkung des Klima's, sowie deren theilweise Vermischung mit den Buschmännern im Süden und Osten, mit den Barwa's im Norden, vielleicht auch mit den Stämmen im Westen erzeugte jene Veränderungen, welche diesen am Oranje-River angesiedelten Stamm charakterisiren, ihn von den eigentlichen Hottentotten schieden und zum Griqua stempelten. (Ich glaube, daß der Linguist leicht den Namen Griqua wie Koranna aus der Hottentottensprache herleiten könnte, was gewiß von Wichtigkeit sein würde.) Diese Griqua haben durch diese Veränderung ihres ursprünglichen Elementes nicht gewonnen, physisch und psychisch stehen sie unter ihren Stammvätern ebenso wie die Koranna's wieder unter den Griqua's, die ich als eine Abzweigung der letzteren halte, welche ähnlich wie jene der Griqua's von den Hottentotten vor sich gegangen sein mußte. Die Koranna's zogen den Vaal aufwärts, bis sie gegen das jetzige Bloemhof von dem Betschuana-Elemente, den Bamairen, Barolongen, Batlapinen etc. zum Stillstand gebracht wurden. Diese sie zwischen den Hart- und Vaal-River drängende Barriere durchbrachen sie zwischen Christiana und dem Hart-River, da, wo zwischen den verschiedenen Stämmen der Batlapinen ein von allen beanspruchtes, von keinem aber in Besitz genommenes Land lag und setzten sich am Mamusahügel fest. Von Mamusa gingen sie auf das obere Mokarathal (rechter Nebenfluß des Hart-Rivers) über und von da sogar noch nördlicher in das Thal und Gebiet des Konanaspruit, der nach Norden nach dem Maretsane fließt. Hier mußten sie die Obergewalt der Barolongen anerkennen und mischten sich theilweise mit diesem Betschuanastamme diese Abkömmlinge fand ich physisch und intellektuell höherstehend als die Koranna's und Griqua's.