7) Jagersfontein hat in den allerletzten Jahren, namentlich durch die Rührigkeit der Kaufleute in Fauresmith bedeutend gewonnen.

8) Der Wunsch und die Absicht, Thiere, welche in der Regel in der Gefangenschaft schwer zu erhalten sind, vor meinen Augen gedeihen zu sehen, bewog mich zur Anlage eines kleinen Thiergartens, in welchem ich unter anderen Thieren Proteles Lalandii, das Erdferkel, Schuppenthiere, Rohrrüßler etc. hielt. Nach dem Erstgenannten fahndete ich mehrere Jahre vergebens, bis ich endlich zwei Thiere von einem Elfenbeinhändler erstand und sie in einer etwa sieben Meter großen aus Faßdauben errichteten Umzäunung verwahrte. Am nächsten Morgen fand ich nur mehr ein Thier, das andere, obgleich noch ganz jung, hatte sich nachtsüber den Weg nach Außen aufzuscharren gewußt und war, wie die angestellten Nachforschungen erwiesen, von Hunden zerrissen worden. Das Ueberlebende wollte lange Zeit durchaus keine Nahrung zu sich nehmen. Das kleine Gebiß dieses merkwürdigen Raubtieres weist es auf Termiten an und so blieb mir nichts übrig, als ihm mit Gewalt die Nahrung,—zerhacktes, in Milch eingeweichtes Fleisch—hinzubringen. Nach einigen Tagen, nachdem ich den Boden des geräumigen Zwingers mit Steinen pflastern ließ, fraß es diese Nahrung aus meiner Hohlhand, ließ ich sie jedoch in einer Tasse in oder an seinem Baue, so rührte es dieselbe nicht an. So ging es durch volle vier Monate, dreimal des Tages hatte ich das Thier eigenhändig zu füttern. Allmälig wurde das Thier in mancher Hinsicht zahmer, es fauchte nur mehr zuweilen, wobei es seine Mähne hoch aufzurichten pflegte. Da sich während meines vierten Aufenthaltes in den Diamantenfeldern die Zahl meiner Patienten von Woche zu Woche steigerte, sah ich mich gezwungen, die Behandlung der meisten meiner Thiere und auch die Fütterung des Proteles einem meiner schwarzen Diener zu übergeben. Ich gab mich der Hoffnung hin, das Thier werde durch den Hunger genöthigt werden, selbst die Nahrung aufzusuchen, hatte mich jedoch getäuscht, es ließ dieselbe drei Tage gänzlich unberührt und biß mich, als ich ihm am vierten Tage mit Gewalt einige kleine Stückchen Fleisch in den Schlund einführte. Zwei Tage später war das Thier verhungert.

9) Die Salzpfanne (Salzsee) an der Hallwaterfarm besitzt zwei Buchten, eine nach Norden und eine nach Westen, am Südufer erhebt sich ein aus dem nie fehlenden schäligen Kalk bestehender Hügel, sonst sind ihre Ufer flach und sehr steinig, das Gestein meist Grünstein in Form von Blöcken mit mandelartigen, rosarothen Chalcedoneinschlüssen. Bis auf die Mitte ausgetrocknet, war sie an der tiefsten Stelle höchstens zwei Fuß tief, so daß die Bodenfläche sehr eben erschien, doch konnte man deutlich wahrnehmen, daß dieser kleine Salzsee in früheren Perioden einen höheren Wasserstand besaß als gegenwärtig. An den Buchten münden kleine, nur nach heutigen, in der nächsten Umgebung niedergefallenen Regengüssen fließende Bäche. Es scheint mir, daß dieser, wie die meisten übrigen Salzseen, tief in das Terrain eingebettet war, da sie nur in abflußlosen Landstrichen vorkommen. Das in den Bachbetten nach der Pfanne strömende Wasser, das bisweilen selbst kleine Felsenplatten mitreißt, laugt den salzhaltigen Boden aus, und da das Wasser sehr schnell verdunstet, concentrirt sich der Salzgehalt während der Trockenheit in den übrigbleibenden Lachen und macht den Inhalt derselben ungenießbar. Die nächste Umgebung der Savanne ist bebuscht, namentlich dicht nach Norden und Nordwest, in welcher Richtung sich ein Kameeldornwald anschließt. Wir forschten nach den Stellen, d.h. nach den Ruinen, die man uns als Reste von Monopotapa bezeichnet hatte, allein wir fanden von denselben auch nicht die geringsten Anzeichen, dagegen in einigen Gruben gesimsartig geformte Schieferplatten. Dieselben trugen keinerlei Spur menschlicher Arbeit an sich, es sind Schieferlagen, welche meist in horizontaler Lage aufeinander geschichtet sind und auf welche in dieser Lage eine Strömung zu verschiedenen Perioden mit einer verschiedenen Stärke einwirkte. Da wo die Schieferplatten der Quere nach gespalten waren, drang das Wasser ein und erzeugte die rundlichen Scheiben, die als Fragmente von Säulen angesehen wurden. Die meisten Schieferplatten haben in der Mitte eine härtere Struktur, man möchte sagen, daß sie schalig sind, und daher rührt auch die an manchen beobachtete Linsenform. In geognostischer Beziehung von großem Interesse ist der Ort vorläufig, so lange nicht Nachgrabungen zu einem entsprechenden Resultate führen, für den Archäologen von keiner Bedeutung. Ich glaube, daß Nachgrabungen, die ich an dieser Stelle zu veranstalten hoffe, uns neue Aufschlüsse über die Geologie Südfrika's bieten werden. Vorläufig ist der Traum von der glänzenden Vergangenheit zerstoben und nur die prosaische Wirklichkeit geblieben, daß die Pfanne gutes Salz liefert. In letzterer Zeit machten die durch das Glück der Zulu's in den ersten Kämpfen aufgestachelten und kühner gewordenen Koranna's die Gegend so unsicher, und betrugen sich den Gerichtsbeamten gegenüber so unverschämt, daß bewaffnete Mannschaft gegen sie abgesendet werden mußte, um die Diebe zu fassen. Leider wurden diese von den Koranna's mit den Waffen in der Hand empfangen, wobei ein Weißer das Leben verlor, bevor den beraubten Farmern und dem verhöhnten Gesetze Genugthuung verschafft werden konnte.

10) Die Carotiden waren unverletzt, dagegen die äußeren Kehlkopfarterien schwer verletzt. Ich verband vorerst die Arterien und nähte sodann den durchschnittenen Adamsapfel zusammen. Der Zustand des Verwundeten war ein sehr bedenklicher und Piämie zu fürchten. Ich gab kleine Dosen von Chinin, 1/10 Gramm in flüssiger Form jede drei Stunden, ferner Tinctura Aconiti Napellus einen Tropfen alle vier Stunden mit Wasser, sowie dreimal des Tages die in meiner südafrikanischen Praxis als ausgezeichnet befundene Tinctura ferri sesquichlorati in zweitropfigen Dosen.

Als ich am dritten Morgen zu meinem Kranken kam, hörte ich schon beim Eintreten in's Zimmer einen starken Luftstrom durch die Kehlkopfwunde mit dem eigenthümlichen Geräusch entweichen. Der Kranke war während der Nacht wieder in Hallucinationen verfallen und hatte sich den Kehlkopf, sowie den rechten Flügel der äußeren Wunde aufgerissen. Ich entfernte mit Hilfe der Pincette und der Scheere die zerrissenen Kehlkopftheile, wodurch eine klaffende Oeffnung in der vorderen Wand des Adamsapfels entstand, ätzte mit Lapis die umliegenden mir als schlecht erscheinenden Fleischstellen, wusch die Wunde aus und applicirte eine schwache Höllensteinlösung. Schon am nächsten Tage nahm das Fieber ab und der Kranke besserte sich von diesem Augenblicke an, ohne ein einziges Mal eine Verschlechterung seines Zustandes zu erfahren. Sechs Wochen später war die vordere Kehlkopfwand bis auf eine bohnengroße Oeffnung geschlossen und nach acht Wochen vom Tage der Behandlung an, war die Wunde geschlossen bis auf eine erbsengroße Vertiefung, eine vollkommen seichte Narbe zurücklassend. Die Stimme des Kranken war weniger laut, doch auch nicht heiser zu nennen.