»Während einer stürmischen, dunklen Nacht verirrte sich der Capitän einer »Barke«, sah unser Licht für das von Port Elizabeth an (er hatte unzureichende Seekarten zu Gebote und war noch nicht in diesen Gewässern bekannt) und steuert auf uns los; als wir das Schiff erspäht hatten, sahen wir auch, daß dasselbe glücklich in einem durch Klippen gefährdeten Kanal Anker geworfen hatte. Ich telegraphirte nach Port Elizabeth, gegen den Morgen kam die »Tug« (Schleppdampfer), die es glücklich aus seiner unbequemen Lage herausbugsirte; etwa 20 Minuten nachher trat die Fluth ein, eine Verspätung um diese Zeit und das Schiff wäre rettungslos an den Felsen zerschellt worden.« Die Wachsamkeit des Wächters fand auch ihren Dank.
Lohnend waren meine Ausflüge an die Ufer der beschriebenen Landzunge während meines letzten Besuches von Port Elizabeth, ich erbeutete namentlich Seefische, Krabben, Cephalopoden, Würmer, Schnecken, Patellen, Seeraupen, Seehasen, Muscheln, Korallen, Schwämme etc., Algen und mehrere Arten Haifischeier.
Außer diesen Ausflügen nach dem südlichen Ufer der Bucht unternahm ich welche in entgegengesetzter Richtung nach dem nördlichen, gegen die Mündung des Zwartkop-Flusses. Das Ufer ist hier meist sandig, bis tief in's Meer hinein, noch die glücklichste Stelle, an der ein Schiff, wenn ihm der Südoststurm die Ankerketten bricht, stranden kann. Das Meer gab mir auf diesen Ausflügen namentlich interessante Muschelarten, an der Mündung des Flusses schwärmen Haifische und der Fluß selbst liefert dem Forscher zahlreiche Seefische, während seine Ufer, namentlich das linke, reichhaltige Petrefacten aus der Kreideperiode und im Alluvialboden Ueberreste von jetzt noch in der See lebenden muschelartigen Thieren und interessante schraubenförmige Gypsformationen zeigt. Hier finden wir (das Ufer ist flacher als das südliche) auch riesige Lagunen sich in's Land hinein erstrecken, die dem Ornithologen so manch' schönen Regenpfeifer, Strandläufer und Hammerkopf versprechen. Wir finden hier viele neue Species von Blumen, namentlich Aloë, Wucherblumen, Ranunculus und eine fleischige, nur hier anzutreffende Winde.
Ich kehrte gewöhnlich landeinwärts nach der Stadt zurück, die zwischen dem Fluß und der Stadt liegende Salzpfanne (kleiner salzhaltiger und zeitweilig im Jahre mit Wasser gefüllter, etwa 500 Schritt langer und 200 Schritt breiter See) berührend. Hier fand ich wieder neue Blumen, einige interessante Käfer und Schmetterlinge. Diese »Saltpan« liegt auf einer Grasebene, die nach Westen von dem Abhange, an dem die Stadt erbaut ist, begrenzt wird. Auch diese Ebene weist andere meist niedrige Pflanzen auf, ebenso der steinige Abhang, der überdieß in den Frühlingsmonaten August und September, an Schlangen, Eidechsen, Scorpionen, Spinnen und Insecten eine sehr reiche Ausbeute liefert; ich fing an diesem Abhange allein 34 Schlangen. Um diese Zeit (in den genannten Monaten) beginnt die Winterkälte nachzulassen, die Reptilien und Käfer verlassen ihre Löcher und Schlupfwinkel, die Morgen und Nächte sind jedoch noch so kalt, daß sie sich unter die größeren Steine zurückziehen. Hier liegen sie so ein bis zwei Wochen in einem halberstarrten Zustande, der es ermöglicht, die Thiere, ohne sie stark zu schädigen, zu bemeistern und der Spiritusflasche einzuverleiben.
Auch die landeinwärts unternommenen Ausflüge, welche mich gewöhnlich durch das Thal des Bakensflusses führten, ermangelten nicht ihres besonderen Reizes. Schroffe Felsenwände, riesige terrassenförmig sich aufthürmende Blöcke charakterisiren das Thal an seinem Unterlaufe, hochgrasige, blumenreiche Triften die Abhänge seiner mittleren Partien, Alles deutet darauf hin, daß wir uns in der Nähe des Meeres befinden, die über das Thal zerstreuten Niederlassungen und Gehöfte, die üppig wuchernde Vegetation von tropischen Büschen, Schlingpflanzen und Farren, die jede feuchte Stelle verräth und besonders an den Ruinen verlassener Wohngebäude lustig emporrankt. Einige hundert Schritte von der in einer Thalbucht erbauten Dampf-Wollwäscherei fand ich unter dem Gesteine ein Vipernpärchen eingerollt; da sie neben einander in einer wohl von einer großen Spinne herrührenden Vertiefung lagen, erfaßte ich mit der Zange zuerst die eine und beförderte sie rasch in meine mit den verschiedensten Kriech- und Kerbthieren zum größten Theile gefüllte Sammelflasche; ohne Schwierigkeit gelang es mir auch, das ahnungslos des Männchens beraubte Weibchen zu fangen, so daß das Pärchen nun wieder vereint war. Meine Excursion fortsetzend, hielt ich die Schlangen nach mehreren Minuten für hinreichend betäubt, um die Flasche öffnen zu können und um neue Funde rasch in Sicherheit zu bringen. Das offene Gefäß in der einen Hand, sammelte ich eifrig weiter, als mich plötzlich ein eigentümliches Rieseln an meiner Hand aufschreckte; ein Blick zeigte mir, was geschehen,—unwillkürlich ließ ich die Flasche mit ihrem ganzen Inhalt fallen, der Fluchtversuch der Schlangen mißlang jedoch, denn nachdem ich meine Fassung wieder erlangt, fing ich die Ausreißer wieder ein, diesmal mit aller Vorsicht die Flasche verschließend.
[Termitenhaufen.]
Eines Tages lud mich Herr Michaelis ein, mit ihm zu einem Freunde auf die Hochebene zu fahren, um »Bienen auszunehmen«; es war ein kleiner, etwa einen halben Tag in Anspruch nehmender Ausflug, der mir viel Freude machte. Wir fuhren in einem zweirädrigen gedeckten Karren hinauf auf den »Hill« und dann östlich auf die sich nach Nordost ausbreitende Ebene hinaus. Mit niedrigem Grase bewachsen ist dieses Hochplateau von Tausenden von meist halbkugelförmigen, einen Meter im Durchmesser haltenden und ½ bis 2/3 Meter hohen, rothbraunen Termitenhaufen bedeckt. Die noch bewohnten haben eine glatte, die verlassenen, deren es einige gab, eine rauhe, durchlöcherte Oberfläche. Ein Termitenbau wird nur dann verlassen, wenn seine Königin umkommt. Diese verlassenen waren eben die Stellen, wo meine Freunde nach dem Honig fahnden wollten. Während man in dem waldigen Innern Afrika's den Honigvogel als Führer zu den Nestern der wilden Bienen benützt, war es in unserem Falle in Port Elizabeth ein halbnackter, mit einer rothen, wollenen Zipfelmütze bedeckter Fingo, der, neben dem Karren einherlaufend, die verlassenen Termitenhaufen mit Kenneraugen prüfte. Es währte auch nicht lange, so winkte er uns zum Stillstande, er hatte gefunden, was wir suchten; aus einem der zahlreichen verlassenen Termitenhaufen sah man Bienen ein- und ausfliegen. Rasch war das Gefährt versorgt und bald hatten die Rauchwolken eines Feuerbrandes die Bienen in ihrem Baue betäubt. Nun ging's an's Wegräumen des Termitenbaues, in dessen früherer Höhle wir mehrere parallel zu einander befestigte Honigkuchen fanden, die theils von duftendem Honig, theils von junger Brut strotzten; ich konnte es mir nicht versagen, den ganzen Bau mit einigen Strichen in meinem Notizbuche zu verewigen. Die Zerstörung des Erdhaufens brachte auch zwei Scapsteeker (Schlangen) in meine Gewalt, die meiner stetig anwachsenden Sammlung einverleibt wurden. Mit solchen und ähnlichen Ausflügen waren vier Wochen meines Aufenthaltes in Port Elizabeth rasch verflossen, und nun hieß es, an den Aufbruch in das Innere denken.
Ich habe bereits im Vorhergehenden eines Antrags gedacht, der mir von Seite eines Großhändlers in Port Elizabeth gemacht wurde, so verlockend er war, ging ich darauf nicht ein, da mir einestheils von einem Kaufmanne aus Fauresmith im Oranje-Freistaat weit günstigere Verhältnisse in Aussicht gestellt waren, und andererseits mir Alles daran lag, dem Ziele näher zu kommen, und verläßliche Nachrichten über das Innere erlangen zu können, dazu aber war Fauresmith, mehr denn 60 geographische Meilen nördlich von Port Elizabeth gelegen, geeigneter als dieses selbst.