Von den Reptilien finden wir den Wasserleguan (riesige Eidechsen) in jedem fließenden Gewässer; von Schildkröten eine reiche Auswahl auf dem Lande und eine Art in stehendem und fließendem Wasser, von Schlangen sehr viele und sehr giftige Species, namentlich Bussadern, Cobras, Hornvipern, Korallenschlangen etc. etc. und von Wasserschlangen schöne harmlose grüne Species, doch auch sehr giftige Seeschlangen, die manchmal vom Meere aus die Flüsse heraufzuschwimmen pflegen.
Spät in der Nacht desselben Tages, an dem ich Port Elizabeth verließ, gelangten wir nach Grahamstown, und verließen es schon zeitlich am nächsten Morgen. Wir stiegen in einem Hotel ab; die gewöhnlichen Logispreise waren und sind geblieben 2 Shillings und 6 Pence für ein Bett und ebensoviel für ein jedes Mahl.
Grahamstown liegt malerisch an den Abhängen einiger Sandsteinhöhen, dem Quellgebiete des Kowie-Rivers, es hat seinen eigenen doch offenen Hafen an der Mündung dieses Flusses, Port Alfred genannt.[[1]] Ich bemerkte schon, daß wir hier den besten der botanischen Gärten in Süd-Afrika antreffen, indem außer afrikanischen Pflanzen meist Bäume aus Australien, Acacien und Eucalyptusarten, sowie Kasuarinen, ferner Gewächse aus Mauritius, Madagascar und Süd-Amerika mit dem besten Erfolge gepflegt werden. Von einheimischen Gewächsen sah ich namentlich schöne Exemplare des wundervoll geformten »Elephantenfußes« und mehrere Encephalartos-Arten sehr gut gedeihen. In dem geräumigen Glashause fand ich unter andern Prachtformen riesige Exemplare südafrikanischer Farrenbäume.
[1] Siehe [Anhang 3].
Nach zwei Tagen angenehmer Fahrt in einer bequemen amerikanischen Kalesche hatten wir die 25 geographische Meilen lange Strecke zwischen Grahamstown (The Town of the Settlers) und Cradock zurückgelegt. Die durchreiste Strecke war zu Beginn schluchten- und waldreich, wie jene zwischen Grahamstown und Port Elizabeth, hierauf ein Hochplateau, das mit zahlreichen isolirten Tafel- und Spitzbergen besäet, von Bergkämmen und Höhenzügen im fernen Nordost und Nordwest begrenzt war. Die ersteren erhoben sich 200 bis 500 Fuß über das sie umgebende Flachland und sind meist mit niederem Gebüsch, namentlich dem Nahrung spendenden Speckbaume bewachsen. Die Thäler zeigen Dornenbäume und Sträucher, die Warte-bichi, den Heckenstich und andere Mimosenarten im Ueberfluß, welche Thalbewaldung weiter nach Norden über Cradock hinaus abnimmt und erst wieder gegen den Vaalfluß und von da nach Norden zu, häufiger auftritt. Auf dieser Strecke nach Cradock beobachtete ich auch zuerst jene großen Ebenen, die zur feuchten Jahreszeit ein unabsehbarer hellgrüner (wenn von Gras), dunkelgrüner (wenn von dem Kapbusche gebildet) Teppich, zur Zeit der Dürre ein einförmiger brauner oder röthlicher Wüstenstrich sind, wie wir sie in der westlichen Cap-Colonie, dem Freistaate, im westlichen Griqua-Lande, der Transvaal-Colonie und dem Batlapinenlande vorfinden, und welche den Zwergtrappen, den Spring- und Blaßbockgazellen sowie dem schwarzen Gnu zum Aufenthaltsorte dienen. Da wo diese Thiere wenig gejagt werden, finden sie sich noch zu Tausenden. Auf meiner Reise nach Cradock beobachtete ich nur die erstgenannten, doch die zierlichsten unter den größeren Gazellen. Sie nehmen auf den Ebenen nach Norden zu ab, und ich beobachtete sie nicht über das Salzseebecken im centralen Süd-Afrika hinaufreichend, während sie längs der Westküste bis zu den portugiesischen Besitzungen ausschwärmen.
Die Springbockgazelle (A. Euchore) gehört unstreitig zu den schönsten Gazellenarten, die wir kennen. Sie besitzt außer allen Vorzügen einer Gazelle eine seltene Sprungkraft in ihren stählernen Muskeln und ihr edles zierliches Köpfchen schmückt ein so schönes, lyraförmig geschwungenes Hörnerpaar, daß man ihr wohl den Vorzug unter den mittelgroßen ihrer Familie einräumen muß. Dieses ungewöhnlich reizende Thier hat so graziöse Bewegungen, namentlich wenn es spielt, oder aufgescheucht die Flucht ergreift, daß man in Verlegenheit geräth, selbe zu beschreiben. Selbst wenn sie gejagt wird und in Angst dahinfliegt, scheint sie es darauf angelegt zu haben, durch ihre Coquetterie des Jägers Mordlust zu beschwichtigen. Leider findet sie für ihre Schönheit abgestumpfte Nimrode in mehr als hinreichender Zahl und dies namentlich unter den holländischen Farmern und den Eingebornen, welche dafür sorgen, daß sie täglich seltener wird. Ihre Sprünge ähneln dem Ausschnellen einer Uhrfeder. Sie läßt namentlich gewöhnliche Jagdhunde, mit Ausnahme der Windspiele, ziemlich nahe kommen; sie schaut die anrennenden, laut kläffenden Köter so gleichgültig an, wie wenn sie geduldig erwarten würde, bis sie zu ihr gekommen und ihr Alles gesagt, was sie zu sagen hätten. Plötzlich, wenn nach ihrer Berechnung die Zeit zur Flucht gekommen, schnellt sie sich wie eine losgelassene Uhrfeder in die Höhe, um etwa 6-8 Fuß weiter die Erde mit ihren zarten, spitzen Klauen zu berühren, allein kaum daß dies geschehen, so ist sie schon wieder über derselben, und so macht sie fünf bis zehn Sprünge sehr rasch hintereinander und dem Emporschnellen eines auf harten Boden auffallenden Gummiballes nicht unähnlich; es scheint, als ob sie die Erde gar nicht berühren würde, kaum senkt sich der Körper zur Erde, hat er sich auch schon wieder emporgeschnellt. So in einem überraschend kurzen Zeitraume von dem Verfolger weit entfernt bewegt sie sich plötzlich eine Minute langsam im Schritte vorwärts, wiederum dem Hunde Zeit gönnend sich zu nähern, dann wiederholen sich die Sprünge, und so neckt das Thier seine Verfolger mehrmals, bis es endlich, gleichsam des Spielens müde geworden, in weiten, großen Sätzen, in wilder Flucht davonjagt, bis es sich vollkommen sicher glaubt, und man sie in einigen Augenblicken in der weitesten Entfernung auf der Ebene als winzigen, weißlichen, beweglichen Punkt wahrnimmt, welcher dem Jäger die Richtung angibt, in der das schnellfüßige Thier seinen Lauf, oder besser gesagt, seinen Flug genommen. Allein selbst seine fabelhafte Schnelligkeit rettet es nicht vor dem Tode. Die Entdeckung der Diamantenfelder hat Tausenden dieser Thiere, wie auch ihren Verwandten, dem Bläßbock und dem schwarzen Gnu, Verderben gebracht. Die holländischen Farmer als Besitzer der Striche, auf welchen die edlen Thiere weiden, und als vortreffliche Schützen, sind ihre ärgsten Feinde. Sie kamen periodisch auf die Diamantenfelder und immer mit reicher Beute versehen. Ich hatte während meines dortigen Aufenthaltes beobachtet, daß in den Wintermonaten von Mai bis September ganze Wagenladungen mit solchen erlegten Thieren zu Markte gebracht wurden; doch auch sonst ist dies Wildpret nicht selten zu haben. Namentlich sind es der öffentliche Auctionsmarkt, der jeden Morgen in Kimberley und Dutoitspan abgehalten wird, wo sie an den Meistbietenden überlassen werden. Da liegen sie vor uns, der Köpfe und Füße beraubt, oft zu Dutzenden nebeneinander in langen Reihen! Der Preis wechselt je nach der Jahreszeit und der Größe des Thieres zwischen 3-7 Shillinge.
Nicht uninteressant ist die Jagdweise dieser Thiere. Man jagt sie zu Pferde, erlegt sie auf dem Anstande und hetzt sie mit Windhunden zu Tode. Die gewöhnlichste ist jene zu Pferde. Der Jäger setzt im stärksten Galopp den Thieren nach; die auf jenen begrasten Ebenen geborenen und an die Löcher der vielen Erdthiere sowie die niedrigen Termitenhaufen gewöhnten Pferde eilen im schnellen Laufe in der ihnen angegebenen Richtung dahin, so daß sie dem Jäger wenig Mühe verursachen, ihm vielmehr gestatten, seine ganze Aufmerksamkeit den fliehenden Gazellen zuzuwenden. Etwa zweihundert bis hundert Schritte nach einem 1½-2 Meilen (engl.) langem Ritte den Thieren nahe gekommen, bringt oft schon ein leichter Druck mit den Knieen das im wilden Galopp dahinjagende Pferd zum plötzlichen Stillstand, der Jäger springt ab, legt an und schießt. Es sind namentlich holländische Bauern, welche in dieser Jagdweise Unglaubliches leisten. Ich habe Fälle beobachtet, wo der Jäger mit seinem Hinterlader zwei fliehende Gazellen mit einem Schusse erlegte, auch Fälle, wo die ersten beiden Schüsse fehl gingen oder sonst etwas dem Jäger seinen zweiten Schuß so spät abzufeuern erlaubte, daß die Gazellen erst nachdem sie 600 bis 800 Schritt weit abgekommen waren, stehen blieben. Während sie dann nach dem Jäger zurückblickten kniete dieser nieder, wies sich umwendend mit den Worten: »det rechte kantsche bock, Mynheer« auf eines der Thiere und streckte eben das bezeichnete mit der Kugel seines Carabiners nieder.
Die zweite Art, die Springböcke zu jagen, ist jene auf dem Anstande. In der Nähe der Wassertümpel, zu welchen die Gazellen trinken kommen, oder auch an den Lachen in einem bis auf diese ausgetrockneten Flußbette, gräbt man muldenförmige Gruben, in der Tiefe von 1½-3 Fuß und 3 Fuß im Durchmesser haltend. In diese Grube kauert sich der Jäger und schießt die zur Tränke kommenden Thiere nieder. Diese Jagdweise ist namentlich in trockenen Wintern sehr üblich, wo es nur wenige Wasserstellen gibt, an denen die armen Thiere ihren Durst stillen können. Die südlichsten der Betschuanen, die Batlapinen und Barolongen, lieben eine ähnliche Jagdweise, welche jedoch mehr eine Treibjagd genannt werden muß. Sie thun dies auch, weil sie als schlechte Schützen sonst dem Wilde nicht gefährlich werden könnten. Mehrere Männer legen sich in das etwa 2 Fuß hohe Gras, welches die Ebenen zwischen dem Hart-River und dem Molapo bedeckt, oder hinter die Termitenhügel platt auf die Erde, und da sie in der Regel nur gewöhnliche Musketen (Pavion boute) besitzen und somit der Erfolg von einem Schusse abhängt, 700-900 Schritte windabwärts von einer grasenden Springbockheerde, und zwar jeder Schütze etwa 50, wenn es nur wenige sind, etwa 200 Schritte von einander entfernt. Hier warten sie oft stundenlang, bis ihre zahlreichen Genossen im weiten Bogen die Heerde umgangen, und sie halbmondförmig einschließend, nach den Schützen zu gedrängt haben. Sind es nur wenige Eingeborne, die sich auf eine solche Jagd begaben, so warten sie ruhig einen ganzen Tag im Grase liegend, bis sich das grasende Wild ihnen allmälich genähert. Ich beobachtete Fälle, wo sechs Schützen auf ein Thier anlegten, sechs Donnerbüchsen (denn ihre Musketen sind wahre Donnerbüchsen) ließen die Erde erzittern und als sich der Rauch verzog, da schauten hoch aufgerichtet ebensoviel dunkle Gestalten verwundert, eine flüchtige Springbockgais schnellfüßig das Weite suchend—alle Schüsse waren fehl gegangen.