[Springbockjagd bei Colesberg.]

Mir selbst geschah etwas Aehnliches. Auf dem Anstande stundenlang in einer kurzgrasigen Ebene, nahe an einem Salzsee drei Springbockgazellen erwartend, sah ich endlich die schönen Thiere einige 20 Schritte vor mir, allein mir schien's ein Verbrechen, ihnen ein Leid anzuthun; nur der Gedanke, daß wir Nahrung brauchten, brachte mich dahin, von meinem Snider-rifle Gebrauch zu machen; allein die Hand zitterte—ich konnte mich nicht des Gedankens erwehren, daß ich einen Mord begehe, möglich, daß man in größerer Entfernung hartherziger ist—und so legte ich die Hand an den Drücker und die Thiere, erschreckt durch den plötzlichen Knall, flogen in weiten Sätzen von dannen. Livingstone erwähnt in seinen südafrikanischen Reiseberichten, bei Gelegenheit als er die Jagd auf Gazellen bei den Betschuanen beschreibt, der sogenannten Hopofalle. Ich sah sie nicht mehr im Gebrauch, sie ist auch heutzutage nicht mehr gut möglich. Zu seiner Zeit war das Wild in jenen Gegenden weniger scheu und in größeren Massen vorhanden.

[Antilopenfalle.]

Die dritte Jagdweise auf den Springbock ist die von den Engländern eingeführte und besteht darin, daß man das Thier, ohne sich des Feuergewehrs zu bedienen, mit Windhunden zu Tode hetzt. Die Jagdgesellschaft jagt den Thieren mit verhängten Zügeln auf guten, allein weniger an das Terrain gewöhnten Pferden nach, bis es entweder den Hunden gelingt die Gazellen einzuholen, oder die letzteren einen solchen Vorsprung gewinnen, daß die Verfolger, müde geworden, die Verfolgung aufgeben müssen.

Auch in Cradock[[1]] währte unser Aufenthalt nur einen Tag.—Cradock liegt am linken Ufer des Fish-River, eines Flusses, der oft monatelang bis auf einzelne Tümpel versiegt. Treten jedoch starke Regengüsse ein, so genügen einige Stunden, um das Flußbett mit chokoladfärbigen Wasserfluthen zu füllen, die mit tausendfachen Trümmern bedeckt, Verderben und Entsetzen auf beiden Ufern verbreiten. Kommt man zur Zeit der Dürre zu einer der großen Brücken, von denen auch eine bei Cradock das Flußbett überspannt, so konnte man leicht versucht sein, die Zweckmäßigkeit derselben zu bezweifeln, wir erfahren aber, daß selbst diese große Brücke im Jahre 1874 von dem tückischen Gewässer zertrümmert wurde, und der neue Brückenträger um mehr als 6 Fuß höher gelegt wurde als der frühere. Die solide und schwere Eisen-Construction war von den Pfeilern gehoben und weggespült, die Pfeiler gleichfalls arg mitgenommen worden.[[2]]

[1] Siehe [Anhang 4.]

[ 2] Siehe [Anhang 5.]