Spät Abends langten wir bei der Krikofarm an, ich entschloß mich im Freien zu übernachten, und da wir auch sehr durstig geworden waren, folgten wir dem Schimmer eines kleines Wassers, der uns zu einem halb ausgetrockneten Teich brachte, und wählten uns nahe an demselben eine ebene Uferstelle zu unserem Nachtlager aus. Unser Nachtimbiß war bald fertig, die tagsüber erlegten rothfüßigen Kibitze, sowie einige kleinere Trappen (eine von den Boers Patluperken genannte Art) mundeten nicht minder wie eine Tasse Thee, zu welcher wir das Wasser aus dem Teiche genommen hatten; bei Tage hätte uns wohl nur der peinlichste Durst dazu gebracht, dieses Wasser zum Munde zu führen, denn es schillerte im Feuerschein in allen Farben des Regenbogens und wurde selbst von den Rindern der Farm verschmäht.

Während wir um das Feuer sitzend die Erlebnisse des Tages besprachen, wurden wir durch den Besuch dreier Korannas beehrt. Vom Feuer angelockt, waren sie von dem etwa 100 Schritte entfernten Farmhause herangekommen und mochten uns wohl für arbeitsuchende Basutos (ein im Westen vom Oranje-Freistaat wohnender Eingebornenstamm) halten, die sich hier ein Nachtlager ausgesucht. Sie wunderten sich nicht wenig Weiße hier campiren zu sehen. Bald nachdem uns die neugierigen Besucher verlassen und das Gekläffe der Farmhunde verstummt, herrschte in unserer Umgebung tiefe Stille, nur durch das monotone Zirpen einer kleinen Grillenart unterbrochen. Nach so vielen in der Staubatmosphäre von Dutoitspan verlebten Tagen waren wir froh, hier in frischer, gesunder Luft zu athmen, und waren bald in tiefen Schlaf versunken.

Zeitlich des Morgens durchstöberten wir die nächste Umgebung der Farm. Dieselbe liegt in einem breiten Thale, in welches, nahe der Farm, einige Querthäler münden, die von den isolirten Hügelketten gebildet sind. Diese Höhen fallen ziemlich steil, oft sogar perpendiculär ab und zeigen Riesenblöcke der Trapdykes. Es that unserem Auge wohl, an den Abhängen dieser Hohen eine ziemlich reiche Vegetation zu finden, selbst die flachen Kuppen waren mit kleinen, baumartigen Mimosen bewaldet. Außer einer Menge gestreifter Mäuse fanden wir keine Säugethiere, dagegen eine Menge Turteltauben, Kibitze, Wiedehopfe, langschwänzige, weiß und schwarz gescheckte Würger, die gemeinen braunen Aasgeier oben auf den Felsen hockend, die von ihrem Unrath so weiß getüncht waren, daß man diese Stellen 15 englische Meilen weit erblicken konnte, ferner kleine Rothfalken und schöne braune Gabelweihen, uns die günstigste Gelegenheit bietend, unsere Jagdtasche zu füllen und den Mittagstisch mit manch' leckerem Bissen zu versorgen. Auch unsere Spiritusflaschen füllten sich mit Fröschen, Chamäleons, Eidechsen, riesigen Spinnen und zahlreichen Insecten. Zu unserem Lagerplatz zurückgekehrt, trafen wir den Farmer. Meine Frage, wie wohl den die Höhen bevölkernden Pavianen beizukommen sei, ließ ihn sehr gesprächig werden.

»Hier,« meinte er, »hausen in der Nachbarschaft zwei Pavianheerden, eine kleinere und scheuere geht in der Regel Vormittags in der nahen Bergschlucht zur Tränke, die große Heerde wagt sich täglich an den zweiten Teich in unserer Nähe.« Der Farmer klagte nun sein Leid über die Frechheit dieser Affen; sie waren eine große Plage, denn kaum, daß sie durch ihre auf den Felsen ausgestellten Wachen entdeckten, daß Feld und Garten verlassen waren, so war die Heerde auch schon bald über den Zaun eingebrochen und der Garten verwüstet, besonders schädlich aber wurden sie den weidenden Schafen. Geschah es, daß der hütende Hirt auch nur für kurze Zeit eingeschlafen, oder die Thiere aus einem anderen Grunde unbewacht blieben, so konnte der Farmer gewiß sein, einige Lämmer mit zerrissenem Körper zu finden. Die Paviane folgen den Thieren auf den Höhen, während die Schafe im Thale weiden und stürzen, sobald sie selbe unbeschützt sehen, auf sie herunter und reißen mit ihrem furchtbaren Gebiß den Thieren den Bauch auf, um zu dem Milchinhalt des Magens zu gelangen; haben sie diesen entleert, so lassen sie die zuckenden Körper liegen, um dasselbe an anderen der blöde hin- und herrennenden Lämmer zu versuchen. (Ich fand dies später oft bestätigt.) Nun begriffen wir wohl des Farmers zufriedenes Schmunzeln, als er unser Vorhaben, einige der Thiere zu erlegen, erfuhr. Des Farmers Redseligkeit bewog mich, ihn über die weiteren Absichten bei dieser Jagd zu unterrichten, daß ich gerne einige schöne Bälge zum Ausstopfen und einige Kopfskelette erlangen wollte. Diese Mittheilung machte ihn stutzen. Etwas ähnliches hatte er doch noch nicht vernommen »Allmachtag (Allmächtiger) wat will ye dun[[1]] und kopfschüttelnd ging er zu seiner Frau, um ihr das »wonderlijke« Vorhaben des »albernen« Doctors mitzutheilen, der einen »Babuin« todtschießen und das Fell, ja sogar das Kopfskelett nach »Duitsland« schicken wollte.

[1] Das in der Regel von den Farmern gesprochene Holländisch in Süd-Afrika ist nicht das reine Holländisch, wie wir es in Europa hören, sondern ein Gemisch von vielen Sprachen, englisch, plattdeutsch, französisch etc., dagegen sprechen die gebildeten Holländer der Capstadt, in Bloemfontein und in der Nachbarschaft anderer Städte ein sehr reines Holländisch.

Viele der Freistaatfarmer sind einfache, gute, oft wahrhaft herzensgute Leute, denen nur die nöthige Bildung fehlt, um sie als beständige Gesellschafter zu wünschen. Ich habe nie dankbarere Patienten gekannt als sie.

Gegen die Mittagsstunde verließen wir die Farm und brachen nach den Felsenhöhen im Osten derselben auf, um noch zur Tränkezeit der kleinen Heerde auf dem Platze zu sein. Wir passirten einige von Korannas und Basutos, Dienern des Farmers bewohnte Hütten. Die Basutos kommen von ihrem im Osten gelegenen Lande und verdingen sich mit ihren Frauen an die Farmer, sie werden jährlich mit einer bestimmten Anzahl von Schafen, ein oder zwei Kühen und Ochsen, hie und da auch noch mit einer Mähre oder einem Fohlen bezahlt und bekommen nebstdem die nöthige Nahrung; außerdem wird ihnen gestattet, sich nach einem fruchtbaren Stück Land umzusehen, wo sie sich Korn (Sorghum-Art), Mais, Kürbisse, Tabak etc. anbauen können. Auf meinen späteren Reisen beobachtete ich, daß namentlich wohlhabende Farmer, wie Mynheer Wessels, auf dessem Gebiet auch jene auf unserem Marsche berührte Cantine lag und dessen Farmen einen Umfang von mehreren Meilen hatten, von welcher Fläche aber nur etwa 1/36 angebaut war, mehrere kleine Basutodörfer ihr eigen nennen, deren Bevölkerung sich in der obbeschriebenen Weise auf mehrere Jahre verdingt. Es sind meist mittellose Leute aus dem dicht bevölkerten Basutolande am Caledon-River, welche durch jahrelange Trockenheit um alle ihre Ernte-Erwartungen gebracht, genöthigt waren, aus der Heimat auszuwandern und günstigere Gebiete aufzusuchen.

An der Bauart der Hütten konnten wir sofort den ethnographischen Unterschied zwischen beiden Stämmen deutlich wahrnehmen; während die Hütten der Basuto's, aus Baumästen in cylindrischer Form (circa 3 Meter im Durchmesser haltend) gebaut und von einem kegelförmigen Dache bedeckt, das auf dünnen Pfählen ruhte und mit dürrem Grase überdeckt war, hatten die Koranna's halbkugelförmige Hütten, welche aus dürren Aesten erbaut und mit Matten lose überdeckt waren.

Wir hatten die Ehre, von einer der schwarzen Damen gemustert zu werden; sie war vor den Zaun getreten und blos mit einem grauen kurzen Kaliko (Unterrocke) bekleidet. Stirn, Wangen und die Brüste waren mit einem bläulich-schwarzen Ocker mit Wellenstrichen bemalt; an einer der Korannahütten stand ein europäisch gekleideter Mann, dem eben ein ältliches Weib, ebenfalls in schmutzige europäische Fetzen gekleidet, aus der Hütte einen mächtigen Feuerbrand brachte. Ich war neugierig, was sie wohl damit thun wolle, und siehe, er blieb ohne eine Miene zu verziehen, gleichgiltig vor sich hinstarrend stehen, die ältliche Frau jedoch hob das brennende Holz, von dem eine wahre Rauchsäule emporwirbelte, auf, legte die glühende Spitze desselben sachte an ihres Mannes kurze Pfeife, der nun mit seiner Rechten nachzuhelfen sich bemühte. Hervortretend fragte ich nach dem besten Aufgang auf die Höhe und erhielt von dem braungelben Phlegmatiker eine artige, meinem Ansuchen entsprechende Antwort. Eine halbe Stunde später erreichten wir die Kuppe der Höhe, die eine mit Busch bewachsene, wellenförmige, mit Steinblöcken besäete Ebene bildete. Nachdem wir sie in ihrer Länge von Süden nach Norden durchschritten und uns der vom Farmer erwähnten Schlucht genähert hatten, vernahmen wir von dem gegenüber liegenden Abhange derselben, etwa 300 Schritte vor uns, ein heiseres, mehrstimmiges Gebelle. Hinblickend sahen wir sieben, darunter vier erwachsene Paviane mit Sprüngen die Höhe erreichen, auf der kleinen Tafelebene noch einmal nach uns umsehen und dann wieder in einer weiter rechts liegenden Schlucht verschwinden. Wir folgten ihnen rasch, erkannten auch an den frischen Spuren am Boden der Schlucht, daß sie erst vor kurzem die Tränkstelle verlassen haben mußten. Um nicht die größere Heerde zu versäumen, folgten wir der Schlucht, die in unser Thal mündete, füllten auch unsere Waidmannstaschen mit einigen Taubenpaaren, die am Feuer geröstet, uns einen guten Imbiß lieferten.