Von Vögeln fiel uns der bekannte, kleine südafrikanische dunkelgefiederte Steppenstaar auf, der sich auf die zahlreichen Termitenhaufen schwingt oder die Spitzen vereinzelt stehender Dornenbüsche aufsucht und neugierig den Fremden zu mustern scheint. Er ist ein dreistes und munteres Thierchen, welches oft die verlassenen Höhlen der Scharrthiere und Erdeichhörnchen bewohnt, und sich, wenn verfolgt, namentlich aber wenn verwundet, dahin flüchtet.
[Kaffer, Schafe hütend.]
Nach etwa 1½stündigem Marsche befanden wir uns am Rande einer jener kleinen viereckigen »Pfannen«, welche den Charakter der größeren, Süd-Afrika namentlich in seiner Längsachse charakterisirenden, seichten Salzseen zeigten. Nahe dabei befand sich (die Salzpfanne war trocken) eine kleine mit grünlichen. Wasser gefüllte Regenlache, deren Inhalt mit einem Löffel »Brandy« gemischt, genießbar war. Wir trafen hier auch einen Schafe hirtenden Kaffer, der, nachdem wir durch ein Stückchen Tabak seine Zuneigung gewonnen, uns über die weiter nach Osten liegenden Farmen belehrte; die sogenannte Krichofarm (auch Kuudu-place genannt) war die Stelle, die wir uns zu unserem Feldlager ausersehen hatten. Von hier wollten wir dann unsere Ausflüge nach den Höhen unternehmen.
Gegen Abend erreichten wir die ersten von Süden nach Norden sich erstreckenden Ausläufer der Freistaathöhen. Die Vegetation war hier schon üppig, wir fanden zahlreiche Büsche und die von den Diamantenfeldern als dunkle Punkte sichtbaren Stellen entpuppten sich uns als Kameeldornbäume, deren breite niedere Kronen und große, flache, graubewollte Samenschoten ihren Mimosen-Charakter verriethen. Seit der Zeit sind schon die meisten der Axt zum Opfer gefallen und in den Diggings zu Asche verwandelt worden. Was uns an diesen Bäumen, die bis zu zwei Schuh stark, den knorrigen Stamm mit dunkelgrauer zerrissener Rinde bedeckt, ein sehr hartes Holz liefern, auffiel, waren ihre bis drei Zoll langen und oft an ihrer Basis fingerstarken, je paarweise sitzenden, doch mit den Spitzen divergirenden Dornen und die an ihnen hängenden Vogelnester, von denen wieder zwei besonders erwähnenswerth waren. Es waren dies die Nester einer kleinen Kolonie von Siedelsperlingen (Philetaerus socius). Die Bauart dieser Nester ist eine höchst merkwürdige; haben diese Bienenfleiß entwickelnde Thierchen ein geeignetes Stämmchen gefunden und den Bau ihrer Nester begonnen, so verfertigen sie gemeinschaftlich das allen dienende Dach. Jedes Pärchen baut sein eigenes Nest aus trockenem Gras und bedacht es, aber eines so dicht neben dem andern, daß man nur ein einziges von einem großen, 2-5 Fuß Durchmesser und 1-3 Fuß Höhe haltenden Dache bedecktes Nest erblickt, zu dem von unten unzählige kreisrunde Löcher führen. Oft brechen die unter der Last dieser Nester sich biegenden Aeste, deren Kronen über das kegelförmige und steil abschüssige Dach herausragen. Obgleich die Eingänge zu diesen Nestern sich an der unteren Seite befinden und man doch denken würde, daß die munteren Thierchen durch ihr abschüssiges Dach nicht nur gegen Regenschauer, sondern auch gegen ihre Feinde geschützt wären, ist dies doch nicht der Fall; ich beobachtete, daß sich namentlich größere Schlangen, wie die Cobras, daran wagen, und habe selbst einige Jahre später einen solchen Räuber an einem Baume auf der Oliphantfontein-Farm erlegt, als er sich in einem Nestbau dieser Siedelsperlinge verkrochen und Verderben unter seinen Bewohnern angerichtet hatte. Die Vögel, welche die Schlange im Neste überraschte, waren von ihr gebissen und die Leichen herausgeworfen, die Jungen und die Eier verschluckt und die aufliegenden Eltern durch Fauchen verscheucht, die Muthigeren durch Bisse getödtet worden. Da ich durch einen Schuß nicht die vielleicht noch lebenden Jungen in den Nestern tödten wollte und auch nur den Schwanz der Schlange sah, brachte ich sie durch einen wohlgezielten Steinwurf zur Erde, um dann der davon Eilenden mit einem Doppelschusse den Garaus zu machen.
Am Abend nachdem wir die Ausläufer der felsigen Höhen erreicht hatten, befanden wir uns auf einer bis zu den gegenüberliegenden, etwa drei englische Meilen entfernten Höhen reichenden Grasebene. Unter einer nahen felsigen Erhebung standen zwei Zelttuchhäuschen, in denen ein Eingeborner eine kleine Cantine hielt, ein Beweis, daß wir auf den von den Diamantenfeldern nach dem Freistaate führenden Weg gestoßen waren. Aus einer nahen umfriedeten und bebuschten Stelle schlug das Meckern einiger Ziegen an unser Ohr.—Ein Geschenk von einigen österreichischen Zigarren billiger Sorte zauberte auf das Gesicht des Cantinenwirthes ein freundliches Lächeln und rief in seiner Seele eine wohl seltene Anwandlung von Freigebigkeit wach, denn als Gegendienst bewirthete uns der krausköpfige Schwarze mit Brandy, denselben vorsichtig in kleinen Gläschen credenzend. Ein befriedigendes Schmunzeln, mit dem er wieder in's Häuschen zurücktrat, überzeugte uns, daß er sich nicht zu viel zugemuthet und sein Vorrath an Brandy durch die eben bewiesene Gastfreundschaft nicht sehr gelitten hatte. Die Freigebigkeit unseres Wirthes brachte auch das Gespräch etwas in Fluß und bald zeigte er sich noch freigebiger, als er erfuhr, daß ein Farmer, den ich in den Diamantenfeldern behandelt hatte, und den er kannte, auf der Krichofarm wohne. Er glaubte wohl sich seinem Freunde erkenntlich zu zeigen, wenn er dessen Arzt in seinem kleinen Heim bewirthete. Seinen uns anstaunenden, im tiefen Negligé und barfuß erschienenen Kindern bedeutete er, den Fremden eine Christmaßboox zu bieten. Wir alle verstanden jedoch nicht, was er damit meine, bis die beiden größeren Knaben, mit drei Tassen schwarzen, duftenden Kaffee's und einem Teller Kuchen erschienen, eine Gabe, die von uns dankbar angenommen wurde. Nach dem Kaffee lud uns unser Wirth ein, die Nacht in seinem Häuschen zuzubringen, doch ich wollte noch desselben Tages an Ort und Stelle sein und so dankten wir herzlich für die Christmaßboox und die Bewirthung und setzten durch tiefen Flugsand watend, unsern Weg fort. Es war dunkel und deshalb gewagt, quer durch das hier dicht bebuschte Thal zu schreiten, das viele Schlangen zu beherbergen schien.
[Trunk aus einer Sumpflache.]