Nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt, nahm ich wieder meine Berufsthätigkeit auf, die immer ausgebreiteter wurde, und es mir erlaubte, zur Verwirklichung meiner weitgehenden Pläne manches Pfund Sterling bei Seite zu legen. Nachdem ich schon im Laufe des Jänner mir einen der bekannten Wagen angeschafft hatte, also im Besitze des wichtigen Reisemittels war, hielt ich zu Beginn des Februar 1873 die Zeit für gekommen, um meine erste größere Reise, gewissermaßen eine Recognoscirung, zu unternehmen.
Meine erste Reise in das Innere von Süd-Afrika.
IV.
Von Dutoitspan nach Lekatlong.
Meine Reisebegleiter.—Schwierigkeit der Beschaffung geeigneter Zugthiere.—Aufbruch aus den Diamantenfeldern.—Trostloser Zustand der Wege.—Südafrikanischer Vorspann.—Old de boers-Farm.—Bismark's Retreat.—Der Vaal-River und sein Thal.—Ein Besuch im Korannadorfe bei Pniel.—Bauart der Korannahütten.—Sociale Zustände unter den Koranna's.—Vorschläge und Mittel zur Besserung derselben.—Freimaurerthum unter den Koranna's.—Ein gefährlicher Nachtmarsch zum Vaal-River.—Klipdrift.—Racenunterschiede zwischen Koranna's und Betschuana's.—Das Innere der Korannahütten.—Die River-Diggings am Vaal.—Die Fauna des Vaal-Thales.—Eine Krankenordination in Klipdrift.—Gong-Gong, Waldeks-Plant und der Fly-Diamond.—Eine desolate Strasse.—Die Holitzer Schlucht.—Die Cobra capella und ihre Gefährlichkeit.—Ringhalsschlangen.—Im Schlamme des Vaal River Versunken.—Ankunft in Lekatlong.
Meine Vorbereitungen waren beendet, die Ausrüstung besorgt; es blieb mir nur noch die für Reisen in Afrika wichtige und folgenschwere Wahl meiner Begleitung zu treffen. Von der Idee, mich blos mit eingebornen Dienern zu umgeben, kam ich bald ab und entschied mich in Begleitung von Weißen zu reisen. Meine Wahl fiel auf jene beiden jungen Männer, deren ich eben vorher auf meinem Ausflüge nach dem Freistaate erwähnte und als dritten Gefährten lud ich Herrn Friedrich Eberwald aus Thüringen ein, einen biederen Charakter, der später einer meiner herzlichsten Freunde wurde und mir auch auf der zweiten Reise treu zur Seite stand. Ein unwiderstehlicher Drang, fremde Länder mit eigenen Augen zu schauen, hatte ihn, nachdem er einen großen Theil von Europa, Kleinasien, Nord- und Südamerika gesehen, nach den Diamantenfeldern geführt, um hier sein Glück als Diamantengräber zu versuchen, doch war ihm dieses nicht besonders günstig. (Ich kam auch nach meiner letzten Reise mit ihm zusammen und bat ihn, mit mir nach Europa zurückzukehren, doch vergebens.)
Vor meiner Abreise galt es noch, jedem meiner Begleiter sein specielles Arbeitsressort zu bestimmen; mein Freund Eberwald legte sich die freiwillige Pflicht auf, uns, so weit es mit dem Schrotgewehr anging, mit Wildgeflügel zu versorgen und über den Wagen zu wachen. K., der zweite meiner Gefährten nahm die Küche auf sich, während der dritte, F., mir im Jagen und Sammeln behilflich sein sollte. Diesen letzteren hoffte ich mir zu einem steten Begleiter für künftige Reisen heranzubilden. Meine Mühe scheiterte jedoch an seinem ganzen Wesen; nicht nur, daß er sich gänzlich unfähig zeigte, er war auch böswillig und blieb verstockt—und obwohl ich mich von seinem Charakter bereits auf der ersten Reise überzeugt hatte, ließ ich mich verleiten, ihn auf der zweiten Reise mit mir zu nehmen, auf welcher er alle meine Geduld mit schwärzestem Undank lohnen sollte.
Der Zweck der ersten Reise war, mich durch einen mehrwöchentlichen Aufenthalt im Freien dem afrikanischen Klima anzupassen, einen Begriff vom Reisen im Innern zu gewinnen und namentlich durch eine solche Versuchsreise den Umfang der Ausrüstung für eine größere Forschungsreise nach dem Innern kennen zu lernen. Die endlich zur Abreise anberaumte Frist war schon verflossen, allein mein Wagen konnte sich noch immer nicht von der Stelle rühren. Man rieth mir, Ochsen als Gespann zu wählen, ich jedoch dachte einen Versuch mit jenen stillen, selbstzufriedenen Geschöpfen zu wagen, welche schon im grauen Alterthume durch mehrere ihres Gleichen, wie jenen, der durch Bileam's »Dressursinn« sprechen lernte, hochgeehrt waren und in dieser Absicht durch die Behauptung der Eingebornen bestärkt, daß die südafrikanische Race »tsetsefest« sei. Ich fand unter meinen Patienten einen im Besitze von zwölf solchen Stilldenkern und schloß den Kauf ab, 3 £ St. per Stück. Als jedoch der Tag der Abreise kam und wir auf den Farmer warteten, erschien er nicht, auch nicht den folgenden, sondern erst den dritten Tag und nun erst mit der traurigen Nachricht, daß sich seine zwölf »Grubh« in ihrem Wissensdrang nach neuen (newe d.h. frisch) Kräutern und Gras verlaufen hätten. »Vergebens habe ich sie überall gesucht und, heute heimgekehrt vernommen, daß sie etwa 30 Meilen von hier in der »Pound« seien.« To keep in Pound heißt das Recht, aufsichtslose Hausthiere, vom Pferde bis zur Ziege, wenn diese von dem Besitzer einer Farm auf seinem Grund und Boden angetroffen und von diesem an dazu gesetzlich bestimmte Stellen, d.h. Farmen, abgeliefert wurden—auf einen Monat zu behalten und zu überwachen. Eine solche Farm heißt eine Pound, der dazu gesetzlich bestimmte Farmer ist ein Poundmaster. Werden die so eingebrachten Thiere, die in den Districtsblättern genau beschrieben werden, nicht binnen vier Wochen (vom Tage des Einfangens) von ihrem rechtmäßigen Besitzer gegen Entrichtung eines verhältnißmäßig geringen Betrages ausgelöst und abgeholt, so werden sie in einer öffentlichen Auktion, die vom Poundmaster gehalten und in den Districtsblättern annoncirt wird, feilgeboten. Der Ertrag kommt dem Staatssäckel zu Gute.