[1] Obgleich ich während meines siebenjährigen Aufenthaltes mehr als 200 Schlangen erlegte, beobachtete ich in Süd-Afrika außer den drei Mambaarten keine Schlange, die ungereizt den Menschen angreifen würde.]

[Nest des Hammerkopf (Scopus Umbretta).]

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, hatte ich eines Tages, als ich mit meinem Gefährten F. zwischen den Gesteinen auf den Ebenen zwischen Dutoitspan und Kimberley nach Insecten und Echsen fahndete, eine über 5 Fuß lange Cobra angetroffen; es war ein Exemplar von seltener Schönheit, und da ich keine bessere Waffe zur Hand hatte, griff ich schnell entschlossen nach einem der zahlreich umherliegenden Ochsenskelette, brach eine Rippe davon ab und verfolgte das Reptil. In die Enge getrieben, wendet sie sich plötzlich um und richtete sich fast hart vor mir hoch auf; ich war aber schon zu weit vorgebeugt, um zurückweichen zu können, ein minutenlanges Zagen und ich war verloren, doch meine Geistesgegenwart verließ mich nicht, ein kräftig und sicher geführter Hieb in den Nacken und das schöne aber gefährliche Thier war mein; mit triumphirender Miene trugen wir das um die Rippe gewickelte Reptil heim.

Unter allen südafrikanischen Giftschlangen halte ich die Mambaarten, eine grüne, eine schwarze und eine gelbliche Species für die gefährlichsten. Mir sind Fälle bekannt, daß Mamba's (von den beiden ersten Arten, welche die wärmeren Buschpartien an der Küste bewohnen) nach dem Erblicken eines Menschen sofort zum Angriffe übergingen. Ich will hier nur eines solchen gedenken. Einige Kaffernkinder, die sich in den nur einige hundert Schritte vom Hause entfernten Büschen spielend ergötzten, wurden einer aus diesen hervorschleichenden Mamba gewahr; die Gefährlichkeit des Thieres kennend, wandten sie sich sofort auf der nahebei vorüberführenden Straße zur Flucht; nach einer Weile im Laufe innehaltend, blickten sie hinter sich und mäßigten nun, nachdem sie das Thier nicht mehr erblickten, ihre Schritte. Wenige Minuten darauf aber schrie plötzlich eines der Kinder laut auf, die Schlange hatte ihrerseits deren Verfolgung nicht aufgegeben und nun eines derselben in die Ferse gebissen. Eine Viertelstunde später war das Kind eine Leiche.

Die schmutzig-ockergelbe Mamba der wärmeren, nördlichen Partien des centralen Süd-Afrika, gibt auf eine andere, in den Mapaniwäldern der Sibanani-Ebene häufig zu beobachtende Weise den Rach- und Mordsinn[[1]] ihrer Familie zu erkennen. Auf Wildpfaden, da wo diese zum Wasser führen und wo sich zwei brüchige und hohle Mapanibäume einander gegenüberstehend mit ihren dichten, doch nicht breiten, unscheinbaren Kronen berühren, wird man diese Mamba finden. Sie liegt in dem Geäste und zwischen dem dichten ölhaltigen Laube der Bäume auf der Lauer; nähert sich ein Geschöpf, so rollt sie sich mit dem Schwanze um einen Ast und läßt sich mit dem Vorderkörper nach abwärts, hier aus dem Gezweige zwischen den zwei Stämmen nach dem Pfade zu wie ein Assagai herunterhängend. Da sie keine auffallende Farbe besitzt, wie ihre grüne und schwarze Schwester, so wird sie namentlich von dem Europäer gar nicht bemerkt und kann so bei der Heftigkeit ihres Giftes leicht sehr gefährlich werden.

[1] Ich schreibe ihr ausdrücklich Mordlust zu, denn sie ist nie im Stande, die von ihr getödteten Thiere zu verschlingen.

Am selben Tage als ich in der Holitzer Schlucht jener Cobra gegenüberstand, wurde auch einer meiner farbigen Diener nicht wenig durch eine ähnliche Schlange erschreckt. Eben damit beschäftigt, ein angeschossenes Täubchen aus dem Dickicht des Uferabhanges herauszusuchen, sprang er plötzlich mit einem lauten Schrei aus den Gebüschen und eilte mit dem Rufe »Sir a Slang« zu mir. Alle Eingebornen, mit Ausnahme der unter den Zulus als Zauberer bekannten Medicinmänner, fürchten sich ähnlich wie die Affen, ungemein vor diesen Reptilien. Zwei Tage später erschoß ich am Grunde der Schlucht eine jener kurzen, schwarzen, von den holländischen Farmern ob ihres weißen, die untere Halspartie kennzeichnenden Fleckens Ringhals benannten Schlangen. Der früher erwähnte Kaufmann, dem ich mein Zusammentreffen mit dieser Schlange mittheilte, wußte mir etwas mehr über diese Schlangenart zu erzählen; eines Vorfalls, von dessen Wahrheit ich mich nur zu sehr durch andere ähnliche in der Folgezeit beobachtete Thatsachen überzeugen konnte, sei hier gedacht. Einige Monate vor meiner Ankunft fiel es dem Farmer auf, daß eine seiner täglich am jenseitigen Ufer weidenden Kühe regelmäßig durch mehr denn zwei Wochen um ein bis zwei Stunden später als die übrigen Thiere der Heerde in's Gehöfte zurückkehrte. Da es in der Nähe keine gefährlichen Raubthiere gab, ließ man die Thiere ohne Hirten auf die Weide gehen. Als nun dem Besitzer das eigenthümliche, tägliche Ausbleiben des einen Thieres auffiel, sandte er einen seiner Diener aus, um die Ursache dieser auffälligen Verspätung zu erforschen. Schon nach kurzer Zeit hörte der Farmer den Ruf des Dieners: »Bas, Bas, fat det rur[[1]] (Herr, fasse das Gewehr) und komm, schnell herüber, ein Ringhals säugt an Deiner Kuh.« Aeußerst begierig den Vorfall zu sehen, rief der Farmer seine Freunde zusammen und eilte nach dem Flusse. Unweit des Flusses sah er die Kuh gemächlich niedergekauert grasen, und um ihre Hinterfüße zur Hälfte geschlungen hielt sich ein Ringhals aufrecht an einem der Euter begierig saugend. Er war schon vollgesogen und hatte ganz das Aussehen eines riesigen Blutegels; der schwer angeschwollene Leib glitt fortwährend ab. Bevor die erstaunten Zuseher noch in die Nähe gelangt waren, verschwand die Schlange spurlos in den Büschen. Am folgenden Tage gelang es den Farmerleuten, sich ganz leise dem Busche zu nähern und das vollgesogene Reptil gefahrlos zu erlegen.

[1] Geschrieben wie es ausgesprochen wird.