Nachdem wir das Weichbild der Stadt Jantsche's verlassen hatten, betraten wir wieder einsamere Partien des Hart-Riverthales, in welchen erst in größerer Entfernung flußaufwärts zwei bedeutendere Eingebornenstädte liegen. Es sind dies Taung (nach dem früheren Herrscher »Mahura's Stadt« genannt), circa 70 Meilen von der Mündung des Hart-River's entfernt, und Mamusa, die Residenz eines freien Korannafürsten. Zur Zeit meiner ersten Reise (auf welcher ich jedoch die Stadt nicht besuchte) regierte daselbst ein Greis, der Maschon hieß, von den Boers jedoch Tibusch, d.h. Zerbusch genannt wurde, und welcher nach einer Version 112, nach einer andern 130 Jahre alt war. Mamusa liegt gegen 40 engl. Meilen flußaufwärts von Taung entfernt, welches, nebenbei erwähnt, der Sitz des unabhängigen Batlapinenfürsten Mankuruane ist. Außer diesen beiden Städten finden wir zwischen Lekatlong und Mamusa zahlreiche Eingebornendörfer, welche zu 90 Percent von Batlapinen, zwischen Taung und Mamusa auch von Barolongen und nur ostwärts und gegenüber von Mamusa von Koranna's bewohnt werden. Diese Dörfer sind mit Ausnahme der von Koranna's bewohnten zumeist auf den Gipfeln der niedrigen, an den Hart-River herantretenden und begrasten Höhen oder unmittelbar unter dem Gipfel dieser Höhen erbaut und bestehen gewöhnlich aus zwei bis acht Gehöften. Nur wenige, darunter das größte dieser Dörfer, Mitzima genannt, liegen im Thale; dieses zählt etwa 30 Hütten. Die von den Bewohnern dieser Dörfer bebauten Felder und Gärten liegen theils im Flußthale, theils an den Abhängen. Außer Kafirkorn und Mais wird auf diesen Grundstücken auch Zuckerrohr gebaut, dessen Schaft 7-8 Fuß Höhe erreicht.

Wir setzten im Thale des Hart-Rivers unsere Reise fort; die zahlreichen, unseren Weg kreuzenden, tiefen Schluchten nöthigten uns zu zeitraubenden Umwegen und bereiteten uns mancherlei Schwierigkeit. Einige Meilen hinter Lekatlong sah ich mich genöthigt Rast zu halten; es währte nicht lange, so kamen aus dem nahen Gehöfte ein Junge und ein Greis, welche mit uns Makoa (Weißen) in Tauschhandel traten. Ich war über ihre hohen Forderungen überrascht, fand aber bald die Erklärung; die Eingebornen kannten hier bereits den Werth des englischen Geldes.

Auf der Weiterreise fanden wir in den reichbebuschten und mit hohem Gras bedeckten Thalpartien nicht minder wie in den Ufergebüschen, günstige Jagdgelegenheiten. In den letzteren trafen wir vier Arten von Trappen, darunter zwei Zwergtrappenarten und eine Art von seltener Größe, die beiden ersteren in größeren Gruppen, die beiden größeren Arten nur paarweise aus den Büschen auffliegend; in der Nähe der niedrigen Dornbüsche fanden wir das große Cap-Perlhuhn paarweise in der Erde scharrend. An sandigen Uferstellen und mit Flugsand bedeckten Partien der Thalabhänge sonnten sich Steppenhühner, die dicht beschilften Ufer des Flusses, das Versteck großer Schwärme von Wildenten, lieferten uns manche Beute. Die freieren Uferstellen waren zumeist mit den herabhängenden Aesten der Mimosen überhangen, deren dünne Endzweige von den schönen gelben, mit einem schwarzen Flecke an der Kehle geschmückten Webervögeln entblättert waren, und an welchen diese ihre kunstvollen Nester erbaut hatten, welche herabhängenden Früchten ähnelten. Sie waren platt gedrückt, hatten einen elliptischen Querdurchmesser von 6-10 und 12-15 Centimeter und eine Höhe von 12-25 Centimeter. Der Eingang befand sich an der unteren, ebenen Seite des Nestes.

[Nest des Webervogels.]

Diese Eingangsöffnungen haben eine halbmondförmige Gestalt und sind nur so groß, daß ein Thier hineinzuschlüpfen vermag. Die obere Nestfläche läuft kegelförmig zu, so zwar, daß das Nest mit der Kegelspitze an den Zweigen befestigt ist. Die Nester waren aus frischem biegsamen Grase gewoben. Die Bauart des Nestes ist eine kunstreiche zu nennen, die einzelnen Grashalme sind sehr geschickt ineinander verwoben und der Bau so fest, daß er allen Stürmen vollkommen Widerstand zu leisten vermag. Bei dem leisesten Winde fingen die schönen Nester zu schaukeln an und diese Bewegungen spiegelten sich in der ruhigen, durch zarte, in der Tiefe wuchernde Algenformen verdunkelten Fluth treu wieder, ein Bild, das dadurch noch an Anmuth gewann, daß sich einer der einfliegenden Vögel zuweilen längere Zeit an der Oeffnung festklammernd schaukelte. Dann erschien am Wasserspiegel ein sich hin- und her wiegender schön gelbgefärbter Punkt, der wie ein schimmernder Edelstein über die hellen und dunklen Grottenpartien am Grunde des Flusses zu gleiten schien. Diese Webervögel zeigten nicht die geringste Scheu, so daß wir sie namentlich gegen Abend leicht im Neste fangen konnten. Hatten wir uns von dem Neste entfernt, und waren die bei unserer Annäherung entflohenen Sänger wieder nach ihren Wohnungen zurückgeflogen, so beobachteten sie mit anmuthiger Neugierde längere Zeit hindurch jede unserer Bewegungen.

[Reisende Batlapinen.]