Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir im Osten einen aus Süden hervortretenden, in das Thal des Hart-Rivers tief eindringenden Höhenzug, der uns als zum Gebiete des Chefs Mitzima gehörig bezeichnet wurde. Den äußersten vorgebirgsartigen Ausläufer dieses Höhenzuges nannten die Boers Spitzkopf. Die von uns durchzogene Ebene glich auf weite Strecken hin einem carminrothen Teppich, welcher bei näherer Besichtigung aus einer Unzahl mehrblüthiger Lilien bestand. An anderen Stellen der Ebene trafen wir schöne, dunkelgrüne, auf der Erde wuchernde Blätter einer anderen Liliacee, welche mit verschiedenen Rüsselkäfer-Species förmlich bedeckt waren.

In der Nähe einer Zuckerrohrpflanzung begegneten uns vier arbeitende Frauen—ich benützte diese Gelegenheit, um noch vor unserem Eintreffen in Mitzima's Stadt unsern Milchbedarf zu decken und sprach die Frauen in dieser Absicht an. Sie zeigten sich überaus gefällig, ihre Hauen im Stiche lassend, eilten sie lachend und schreiend ihren mehr denn 300 Schritte entfernten Hütten zu und es währte nicht lange, so waren sie wieder da, zwei von ihnen mit irdenen Töpfen, die dritte, ein altes hageres Weib mit einem großen Holzgefäße, gefüllt mit köstlich frischer Milch. Als Kaufpreis forderten auch sie ein Stück Tabak, mein Erstaunen wuchs, als sie mir durch Gert, meinen Dolmetscher, zu verstehen gaben, daß sie leidenschaftliche Consumenten von Schnupftabak wären. Um mir jeden Zweifel zu benehmen, machten sie die Pantomime des Zerreibens und ließen mit dem Rufe »Monati« (d.h. das ist schön) den Tabak in den breiten Höhlen ihrer Nasen verschwinden.

Am Nachmittag fuhren wir an einem aus drei Hütten bestehenden Gehöfte, dessen Sauberkeit mir sogleich auffiel, vorüber. Auch auf meiner zweiten Reise unter den verschiedenen Batlapinenstämmen fand ich kein zweites, das sich mit ihm hätte messen können. Die Hütten waren geräumig und aus starken Pfählen erbaut, auch stand in einem aus Schilfrohr gearbeiteten Schuppen ein gut erhaltener schwerer Lastwagen und im Hofe ein kleinerer, an dem eben, was mir noch mehr auffiel, der Hausherr mit einem Diener Verbesserungen vornahm. Außerdem fehlte auch ein Pflug nicht—im Batlapinenlande war dies im Jahre 1873 noch eine große Seltenheit—und ein halbes Dutzend der ledernen Milchsäcke hing an der für das Vieh bestimmten Umfriedung. Im Schatten des Wagenschuppens saßen zwei andere Batlapinen, damit beschäftigt, aus Segeltuch ein neues Wagendach zusammenzunähen; ich habe nie wieder Leute dieses Stammes so eifrig an der Arbeit gesehen als diese beiden.

Im geräumigen Hofraume des Gehöftes tummelten sich 15 muntere dunkelgefärbte Kinder umher, welche bis auf ein kaum blattgroßes Lederschürzchen splitternackt waren. Den größeren oblag es, die Heerden an den Ufern des hier eine englische Meile entfernten Hartflusses zu hüten. Alles zeigte den Segen und die Früchte der Arbeit und des Wohlstandes.

Im Laufe des Nachmittags hatten wir uns den am Morgen erblickten Höhen genähert. Sie sind die nördlichsten Ausläufer des bei Hebron am rechten Vaalufer beginnenden Höhenzuges; ich fand sie namentlich durch die Form der sie bildenden Felsen interessant. Bald sind es senkrechte Blöcke, Menschengestalten nicht unähnlich und säulenartig aneinander gereiht, bald liegen sie stufenförmig übereinander und erwecken die Vorstellung einer gigantischen Treppe.

Als wir das diesseits vom Spitzkopf liegende Mitzima erreichten, waren wir, kaum angelangt, von den Neugierigen umringt, deren größtes Contingent das schöne Geschlecht und die hoffnungsvolle zarteste Jugend des nach seinem gegenwärtigen Besitzer genannten Eingebornendorfes stellten. Sie setzten sich in der nächsten Umgebung des Wagens gemüthlich nieder und begannen zuerst die Makoa (die Weißen) selbst, dann den Wagen und unsere ganze Ausrüstung auf das lebhafteste zu kritisiren. Ihr von oft höchst komischen Gesticulationen begleitetes Gespräch erregte die Lachlust unserer Diener im höchsten Grade, während wir im Zweifel waren, ob das Mienen- und Geberdenspiel Bewunderung oder abfällige Kritik zum Ausdruck bringe. Mein Begleiter K., dem böse Zungen Eitelkeit zum Vorwurfe machten, hielt es für das erstere, wofür auch die Thatsache sprach, daß F. ihn mehrmals mit dem Pennyspiegel in der Hand überraschte.

Während F., der die Kinderschuhe noch nicht abgelegt hatte, in das Lachen und das Mienenspiel mit einstimmte, behauptete E., wie immer, sein Pfeifchen schmauchend, stoische Ruhe. Seine Miene und sein ganzes Benehmen zeigten Verachtung, deren Ausdruck ihn aber zur besonderen Zielscheibe der Spötteleien des schönen Geschlechtes machte, während manch' wohlwollender Blick auf den netten K. gerichtet war.

Die anwesenden Frauen waren sämmtlich, wahrscheinlich um den Weißen ihren Reichthum zu zeigen, in Kattunröcken erschienen und hatten Brust und Hals mit zahlreichen Perlenschnüren geschmückt. Unter ihnen stachen zwei Mädchen durch bemerkenswerthe Häßlichkeit der Gesichtszüge hervor, die durch die rothen Ockerstriche im Gesichte keineswegs gemildert wurde.[[1]]

[1] Im Allgemeinen gebrauchen die Batlapinenfrauen jedoch nicht so viel Ocker, um sich Gesicht, Hals und Brust zu beschmieren, als die Frauen der Hottentottenrace und der in der Cap-Colonie wohnenden Kaffernstämme.

Das schöne Geschlecht, der passiven Haltung müde, ging bald zum Angriff über und eine der Frauen ließ uns durch Gert bedeuten, unsere Waaren zur Schau auszulegen, da sie uns für reisende Händler hielten. Die mit ausgestreckter Hand uns entgegen gehaltenen Schnupftabakdosen waren eine stumme aber directe Aufforderung, dieselben zu füllen. Da wir keine Miene machten, ihren Wünschen nachzukommen, beschlossen einige unter den Frauen einen neuen Angriff, dessen Ziel unsere beiden Begleiter F. und K. waren, deren Lächeln sie den Frauen als die Zugänglichsten erscheinen ließ. Nach abgehaltener Berathung trat die Häßlichste und Aelteste der Frauen zu F. heran und machte ihm eine so aufrichtige und herzliche Liebeserklärung, daß es Gert, der hierbei als Dolmetsch fungirte, kaum möglich war, seine Lachmuskeln im Zaume zu halten. Die Scene rang uns Allen ein helles Lachen ab, während es F. in Wuth versetzte.