Um unseren Neckereien zu entgehen, wagte er die Behauptung, es sei Mitzima's jüngstes Weib, die hübscheste des ganzen Dorfes gewesen.
Als die Frauen bemerkt hatten, daß aller Minne Mühe vergeblich war, entfernten sie sich vom Wagen und legten den Rückweg tanzend zurück; im eigentlichen Sinne des Wortes war es kein Tanz, sie hüpften vielmehr, sie bewegten sich dabei in kleineren Gruppen zuerst in einem Halbkreise nach links, dann in einem Halbkreise nach rechts, dann machten sie einen etwa zwei Schritte langen Doppelsprung nach vorne, drehten sich um, und begannen die Bewegung von Neuem.
Wir waren froh, der lästigen Besucher los geworden zu sein—unsere Freude war aber leider nicht von Dauer, denn bald kam eine noch größere und zudringlichere Gruppe und umstellte den Wagen. Diesmal half uns eine List aus der Noth, ich erstieg den Wagen und begann das Schrotgewehr zu reinigen. Beim Anblick desselben machten die Angekommenen eine unwillkürliche Bewegung nach rückwärts, und ehe ich es vermuthete, war das Feld geräumt.
In später Nachmittagsstunde verließen wir Mitzima's Dorf, das Passiren mehrerer Schluchten nahm so viel Zeit in Anspruch und ermüdete die Zugthiere derart, daß wir noch diesseits des Spitzkopfes, in 1½ Meilen Entfernung von Mitzima, in der Nähe von drei kleinen Batlapinengehöften, Halt machen mußten.
Ein in unserem Rücken aufsteigendes Gewitter hatte uns auf dieser Straße bange Sorge gemacht, denn ein halbstündiger Platzregen hätte genügt, um jede dieser Schluchten, die zu überwinden wir große Anstrengungen machen mußten, in einen reißenden und gefahrbringenden Regenstrom zu verwandeln. Unsere Ankunft bei den erwähnten Gehöften war trotz vorgerückter Abendstunde nicht unbemerkt geblieben, es stellte sich auch bald Besuch ein.
Die Nacht, die wir hier zubrachten, war eine besonders helle und schöne, aber auch empfindlich kalte. Die Felsenbildungen am Abhange der Höhen glichen phantastischen Gestalten, deren dunkle Schatten weit in die Ebenen hinausragten. Der niedrige Spitzkopf schien einem Riesen gleich über uns Wache zu halten, aus der Nähe und Ferne klangen die hellen Töne der Batlapinengesänge zu uns herüber.
Am nächsten Morgen tauschten wir von dem Ortsvorstande der naheliegenden Gehöfte einige Kürbisse ein und brachen weiter nach Norden auf. Je weiter wir den Hart-River hinaufzogen, desto fruchtbarer schienen mir die Gefilde des Batlapinenlandes zu sein. Namentlich erregten die kleinen Zuckerrohr-Pflanzungen auf den Feldern und in den Gärtchen mein Erstaunen. Was mir aber besonders auffiel, war, daß die Eingebornen diese Zuckerrohrart nicht anders benützen, als daß sie den unteren und mittleren saftreichen Theil des Stengels in kleine Stücke schneiden und zerkauen.
Wir durchschritten zunächst eine baum- und buschlose Ebene, auf welcher mir namentlich ganz eigenthümlich geformte Termitenbauten auffielen. Diese Termitenbauten stellen statt der gewöhnlichen, manche der südafrikanischen Ebenen zu Tausenden bedeckenden halbkugel- und brodlaibförmigen bis 4 Fuß hohen Hügel, an dessem Rande zwei bis drei kleine Eingangslöcher in das Innere führen—eine aus der Erde hervorstehende bis zu 6 Fuß hohe und 3-10 Zoll im Durchmesser haltende gebrechliche, aus Thonerde und Sandkörnern mit Hilfe des Speichels der Thiere zusammengekittete Röhre dar. Wir beobachteten den Boden in einem Umkreise von 10-48 Fuß etwas wenig gehoben und meist kahl; aus der Mitte einer solchen Stelle erhoben sich in der Regel eine oder drei, doch auch mehrere nach oben zu offene Röhren, während im weiteren Umkreise die Anfänge zu solchen Röhren lagen, die oft in großer Menge als kleine kegelförmige nach oben zu geschlossene Erdaufwürfe zu Tage treten.
Gegen Mittag hielten wir in der Nähe des Flusses und mußten uns mit dem sehr trüben Wasser begnügen, das wir in einigen Lachen in seinem Bette vorfanden, welches überdies durch das Eintreiben der Heerden von Seite der Eingebornen sehr verunreinigt worden war. Auch das mit diesem trüben Wasser bereitete Mahl wollte nicht munden. Während unseres Mahles kamen hoch auf gehörnten Saumthieren einige Batlapinen von einem der nahen auf einem kleinen Höhenrücken zu unserer Rechten gelegenen Dörfchen herbeigeritten. Sie sprangen ab und machten sich's in der Nähe unseres Feuers bequem. Die Saumthiere blieben, kaum abgesattelt, wie an die Erde angewurzelt stehen. Man kann sich des Lachens nicht erwehren, wenn man eine solche Batlapinengruppe heranziehen sieht; ohne angetrieben zu werden, eilen die Ochsen dahin, wie wenn sie miteinander um die Wette liefen. Die Nasenscheidewand ist an den Nüstern durchbohrt und ein Holzpflöckchen durchgesteckt, an welches, an beiden Enden eingeschnitten, ein etwa 2 Meter langer Riemen, der Zaum, befestigt ist. Ueber den Rücken des Thieres ist in der Regel ein Sack oder eine Decke, oder ein Stück Leder geworfen, welches den Sattel vorstellen soll. Zu beiden Seiten hängen Riemen mit eisernen oder ledernen Steigbügeln. Die Ankömmlinge zeigten sich sehr freundlich und einer derselben antwortete auf meine Frage, wie weit es noch nach Springbockfontein sei, schnell gefaßt, indem er auf die über uns stehende Sonne wies: »Wenn Ihr jetzt diese Stelle mit Eurem Wagen verlaßt, so werdet Ihr zur Zeit, wenn sich jener Gebieter da droben zur Ruhe gelegt, mit der klaren Fluth des Wassers, in dem die Springböcke ihren Durst stillen, auch Eure Wassergefäße füllen können.«
Die nahen Mais- und Kürbißfelder boten mir Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, namentlich durch einige schöne Species von Sandkäfern (Cicindelidea). In meinem Eifer bemerkte ich nicht, daß ein Gewitter bereits dem Ausbruche nahe war, und erst als ein tüchtiger Regenschauer mich durchnäßte, eilte ich zum Wagen. Ein Blitzstrahl fuhr in diesem Momente einige hundert Schritte thalabwärts in einen der Maisgärten nieder; am Wagen angekommen, fand ich, daß meine Begleiter es unterlassen hatten, einige zum Trocknen an die Sonne gesetzte Pflanzenpräparate, sowie auch die an einem nahen Busche angelehnten Gewehre vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Der fremden Besucher saßen nur noch drei am halberloschenen Feuer, doch rückten sie nun, um etwas Schutz gegen den Regen zu suchen, auch näher an den Wagen heran. In den Wagen springend ersuchte ich meine Freunde, mir rasch die Pflanzen und dann die Gewehre zu geben.